Zweite Netzwerkkonferenz

„Inklusion kann nicht scheitern“

Prof. Dr. Clemens Dannenbeck | Foto: privat2017/05/Dannenbeck-online.jpg
Raiba Fallback

FEUCHT – „Damit unsere Gesellschaft auf dem Weg zur Inklusion vorankommt, braucht es ein dichtes Netzwerk auch über die Schule hinaus, und eine aufgeschlossene Haltung aller Akteure.“ Mit diesen Worten eröffnete Irmgard Badura, die Beauftragte der bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung und zugleich Schirmherrin der Lernwirkstatt Inklusion in Feucht, die zweite Netzwerkkonferenz Inklusion.

In ihrem Grußwort machte sie deutlich, dass nur durch enge, engagierte Zusammenarbeit in einem Netzwerk ein „buntes, vielfältiges und damit tragfähiges Gewebe“ entstehen kann. Die Lernwirkstatt Inklusion sei aus ihrer Sicht ein wichtiger und unverzichtbarer Knotenpunkt. Sie wünsche sich diese Einrichtung nicht nur einmal in Bayern, sondern in allen bayerischen Bezirken.

Badura hob hervor, dass man in Bayern schon ein gutes Stück auf dem langen Weg zur Inklusion vorangekommen sei. So gibt es nun in allen Schulamtsbezirken Bayerns unabhängige Beratungsstellen für Inklusion, wo Eltern und Lehrkräfte neutrale und vertrauliche Beratung und Unterstützung finden. Dieses Angebot sei ein wichtiges Gegengewicht zu der Beratung, die bisher ausschließlich durch die Förderschulen erfolgte. Darüber hinaus wirke die Staatsregierung dem Mangel an Sonderpädagogen entgegen. An der Universität Regensburg werde voraussichtlich im Herbst 2017 ein weiterer sonderpädagogischer Studiengang eingerichtet, der auch explizit die Inklusionspädagogik umfassen wird.

Der Vorsitzende der Lernwirkstatt Inklusion, Dr. Gerald Klenk wies in seiner Begrüßung ebenfalls auf die hohe Bedeutung des Netzwerks hin. In der öffentlichen Diskussion und auch in den seriösen Medien werde in jüngster Zeit Inklusion zunehmend als ein zu teures und undurchführbares Projekt dargestellt, unter dem Nichtbehinderte auch zu leiden hätten. Klenk sieht hier Parallelen zur Ausgrenzungspropaganda aus der rechten ideologischen Ecke. Umso bedeutsamer seien der Zusammenhalt im Netzwerk und die gemeinsamen Anstrengungen, Inklusion vor Ort zum Erfolg zu verhelfen.

Hauptreferent Dr. Clemens Dannenbeck, Professor für Kritische Soziale Arbeit, Soziologie, Inklusion und Diversität an der Hochschule Landshut bezog sich in seinen Ausführungen ebenfalls auf die aktuelle Diskussion. Der Wind habe sich gedreht. Inklusion werde als Illusion oder gar „Vollkatastrophe“ bezeichnet, so zum Beispiel in dem Kinofilm „Ich. Du. Inklusion“. Hier werde die gesamte Inklusionsforschung ignoriert. Die „besorgte Mitte unserer Gesellschaft“ führe einen „populistisch gekaperten Inklusionsdiskurs“, durch den man beweisen wolle, dass Inklusion gescheitert sei. Der Referent wies jedoch eindringlich darauf hin, dass es sich bei Inklusion um ein Menschenrecht handle, das als solches nicht scheitern kann. Niemand käme auf die Idee, angesichts der grausamen Krieg in Syrien und anderswo das Menschenrecht auf Unantastbarkeit der Menschenwürde als „gescheitert“ und deshalb undurchführbar abzutun.

Was scheitern kann, ist die Integration, z.B. aufgrund von politischen Sparmodellen. Als Menschenrecht jedoch ziele Inklusion auf die „gleichwürdige Teilhabe und Diskriminierungsfreiheit für alle“ ab. Es bedeute Anerkennung und Wertschätzung von Vielfalt als Ressource für gelingende Verständigung zwischen allen gesellschaftlichen Gruppen. Dies sei eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass Demokratie gelingt.

Obwohl das Netzwerk unter der Leitung von Frau Karsten äußerst erfolgreich arbeitet, fand sich bislang leider keine Möglichkeit, ihre Stelle auch künftig zu finanzieren. Was sie initiiert hat, ist gerade für den Landkreis Nürnberger Land, der einen hohen sozialen Anspruch hat, besonders wichtig. Deshalb sucht die Lernwirkstatt Inklusion intensiv nach entsprechenden Finanzierungsmöglichkeiten.

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