Wahl-Feuchter Pianeta vor dem entscheidenden Box-Fight

Heimat-Doping für den Kampf der Kämpfe

Am Nudelholz mindestens genau so stark wie im Boxring: Schwergewichtler und Herzens-Feuchter Francesco Pianeta. | Foto: kk2017/10/DSC1417.jpg

FEUCHT – Es ist seine vielleicht letzte Chance. Wenn Schwergewichtsboxer Francesco Pianeta am Samstag in Unterschleißheim bei München seinen Kampf gegen Altmeister Kevin Johnson verliert, war es das wohl für ihn mit der großen Karriere. Aber daran denkt der 33-jährige Italo-Hüne im Moment nicht eine Sekunde lang, wie er im Gespräch dem Boten versichert.

So kurz vor einem Kampf ist bei den Athleten normalerweise komplette Abschottung angesagt, von ihren Boxställen werden sie an abgelegenen Orten einkaserniert, damit sie sich ausschließlich auf ihre nächste Aufgabe fokussieren können. Aber beim Herzens-Feuchter Pianeta gehören die Ausflüge in die Zeidlergemeinde schon seit jeher zur Vorbereitung dazu.

Hier bei seiner Tante Pita und seinem Onkel Rocco, die in der Hauptstraße ein italienisches Spezialitätenrestaurant (Osteria da Rocco) betreiben, tankt der ehemalige Europameister Kraft – was natürlich nicht nur am guten Essen liegt.

Niederlage gegen Klitschko

Die Marktgemeinde ist Pianetas Rückzugsort. Vor wichtigen Kämpfen schaut er regelmäßig hier vorbei. So war es vor zwei Jahren bei seinem Weltmeisterschaftskampf gegen Ruslan Chagaev und natürlich auch 2013 vor seinem mit Abstand spektaklärsten Auftritt, als er als Herausforderer des damaligen Mehrfach-Weltmeisters Wladimir Klitschko quasi auf einen Schlag internationale Berühmtheit erlangte.

Mit dem Titel wurde es bekanntlich nichts. Und diese beiden Niederlagen gepaart mit ein paar erheblichen Verletzungen hätten, im Nachhinein beinahe, das Karriereende für „Franco“ , wie ihn die Familie nur nennt, bedeutet. Aber Pianeta ist eben ein echter Kämpfer und hat in seinem Leben schon gegen deutlich schwierigere ja sogar tödlichere Gegner bestanden.

2009 bekam er die Schock-Diagnose Hodenkrebs, die ihn hinab in ein tiefes Loch riss. Aber nach einer schweren Operation kämpfte sich der damals 25-jährige Familienvater mit unbändigem Willen zurück und wurde in der Folge zu einem der jungen Nachwuchsstars der weltweiten Schwergewichtsbranche.

So ähnlich wie sein heutiger Gegner Kevin Johnson auch. Beide Boxer galten einst als die ganz großen Schwergewichts-Hoffnungen ihrer Kontinente – ehe die Klitschkos ihnen den Weg nach ganz oben zur WM-Krone versperrten.

Schlagkräftige Familenbande: Schwergewichts-Boxer Francesco Pianeta kommt immer wieder gern zu seinem Onkel Rocco nach Feucht, um hier Kraft und Energie in Form von Pizza und Pasta zu tanken. Womöglich wird man den Italo-Hünen demnächst sogar öfter in der Zeidlergemeinde sehen. | Foto: kk2017/10/roccofrancesco.jpg

Nach seiner Niederlage gegen Wladimir Klitschko und zahlreichen Verletzungen startete Pianeta letztes Jahr einen Neuanfang im Boxstall von Alexander Petkovic und Nadine Rasche im Süden Deutschlands.

Auch Kevin Johnson erfuhr ein Break in seiner Laufbahn, allerdings gegen Wladimirs älteren Bruder gegen Vitali Klitschko. Damals ging er mit dem Meister über die vollen zwölf Runden, hatte in den Schlusssekunden mit einem linken Kopfhaken kurz die Chance auf einen K.o.-Sieg, ehe er nach Punkten verlor.

Umzug nach Feucht?

Piantea geht als amtierender IBO international Champ, diesen Titel holte er sich im vergangenen Juli mit seinem klaren K.o.-Triumph über Özcan Cetinkaya, in den Kampf gegen den US-Amerikaner. Das Duell am Samstag soll für beide Boxer aber nur ein Zwischenschritt sein, denn der Sieger bekommt womöglich seine Chance gegen den amtierenden Weltmeister und Klitschko-Bezwinger, den englischen Champion Anthony Joshua.

„Wenn ich gewinne, stehen die Chancen sehr gut , dass ich einen weiteren WM-Kampf bekomme“, erklärt Pianeta hoffnungsvoll und schiebt hinterher: „Ich fühle mich in meinem neuen Umfeld unglaublich wohl und spüre, dass ich noch nicht am Ende meiner Laufbahn bin.“

Sollte Pianeta, Kampfname „Der italienische Hengst“, gegen Johnson bestehen, ist es gut möglich, dass man ihn in Zukunft noch öfter in der Marktgemeinde zu sehen bekommt. Denn Pianeta spielt derzeit mit dem Gedanken, aufgrund der Nähe zu Unterschleißheim, wo er aktuell bei Petkovic Boxpromotion trainiert, seinen Wohnsitz in den Süden Deutschlands zu verlegen. Genauer gesagt: „Ich kann mir gut vorstellen, nach Feucht zu ziehen“, betont Pianeta. Ein Weltmeister in der Zeidlergemeinde? Darüber würden sich hier bestimmt nicht nur Tante Pita und Onkel Rocco freuen.

N-Land Krischan Kaufmann
Krischan Kaufmann