Internet-Erpressung

Hacker drohen mit Porno-Filmchen

Erpresser geben vor, Computer gehackt und Nutzer beim Besuch von Pornoseiten beobachtet zu haben. | Foto: Fotolia2019/01/NL-Porno-Internet-Betrug-Hacker-Fotolia.jpg

FEUCHT – Sicherheitsalarm: In jüngster Zeit erscheint das Wort immer häufiger in elektronischen Briefkästen. Da kommen Mails von großen Online-Versendern, von DHL, von Banken und von der Telekom, sogenannte Phishing-Mails in täuschend echt gefälschtem Web-Design, mit denen die Versender Passwörter abgreifen und Zugriff auf die Konten ihrer Opfer bekommen wollen. Neu ist folgende Masche: Die Täter erpressen Adressaten mit angeblich gestohlenen Daten aus deren Rechnern. Zwei Erpresser-Mails gingen auf einem Rechner in der Redaktion des Boten ein. Nach einer Anzeige ermittelt die Polizei.

„Ich habe schlechte Nachrichten für dich“, droht ein Erpresser in einem digitalen Brief an den Inhaber eines E-Mail-Accounts in der Redaktion. Vor kurzem habe er das Betriebssystem gehackt. „Danach habe ich alle Daten auf Ihrer Festplatte gespeichert, ich habe Ihr gesamtes Adressbuch, den Verlauf der angezeigten Websites, alle Dateien, Telefonnummern und Adressen aller Ihrer Kontakte“, schreibt der Unbekannte. Eigentlich habe er den Computer sperren wollen, dann aber gesehen, dass im Browserverlauf Schmuddelkram angezeigt wird, der Besuch von Pornoseiten. Außerdem behauptet der Täter, er habe Aufnahmen mit der im Rechner verbauten Kamera gemacht und droht, diese an Verwandte, Freunde und Kollegen zu schicken.

Zahlung auf Bitcoin-Konto

Verhindern könne das der Adressat der Erpressermail nur, wenn er innerhalb von 50 Stunden 336 Euro auf ein Bitcoin-Konto einzahlt. Nach Eingang der Zahlung, verspricht der Hacker, würden die verfänglichen Fotos zerstört. Schlechte Nachricht für den Hacker: Es gab und gibt weder Aufrufe von Pornoseiten noch ist eine Kamera am Bildschirm des Adressaten verbaut. Deshalb gibt es weder Euros noch Bitcoins, sondern nur eine Anzeige bei der Polizei.

Mitarbeiter des Portals www.onlinewarnung.de beobachten das Treiben bereits seit einigen Monaten. Hierbei spiele die virtuelle Währung Bitcoin eine bedeutende Rolle, heißt es dazu bei Onlinewarnung. Für die Ermittlungsbehörden sei es oft schwer, den Weg des Geldes zu verfolgen, wenn in Bitcoin gezahlt wurde. Wenn der geforderte Betrag überwiesen wurde, sei es auch nicht gewiss, dass der Spuk damit ein Ende hat oder ob weitere Forderungen gestellt werden.

Bei den Erpressermails handelt es sich nach Erkenntnissen der Polizei um einen Massenversand an beliebig ausgewählte Adressaten. Durch Datenpannen und Hackerattacken landen quasi tagtäglich vertrauliche Nutzerdaten wie E-Mail-Adressen und Passwörter in den Händen von Kriminellen. Die erbeuteten Datensätze werden oft im Darknet angeboten. Die Käufer nutzen sie zum Beispiel für Spam-Attacken oder eben für Erpressungsversuche.

Anzeigen zu Erpressermails mit dem Hinweis auf angebliche Besuche von Pornoseiten gehen bei der Polizei zwar immer wieder ein, seit Anfang des Jahres im Bereich des Polizeipräsidiums Mittelfranken etwa 30, sagt Pressesprecherin Alexandra Federl. Die Dunkelziffer dürfte aber hoch sein, denn gerade bei Erpresser-Mails mit peinlichen Inhalten scheuen sich die Geprellten häufig aus Scham, Anzeige zu erstatten. Die Erpresser rechnen damit, dass der Peinlichkeitsfaktor für die meisten vermeintlich ertappten Porno-Gucker extrem hoch ist und die Angeschriebenen das geforderte Geld schnell überweisen.

Foren im Darknet

Schnell gefasst werden sie jedenfalls nicht, weil die Ermittlungen sehr aufwändig sind, wie Federl erläutert. Die IT-Spezialisten der Polizei haben zwischenzeitlich zahlreiche Hinweise darauf, dass es sich bei den Tätern nicht um eine organisierte Bande, sondern um einzelne, unabhängig voneinander arbeitende Erpresser handelt. Im Darknet sind die Ermittler auf Foren gestoßen, in denen sich Leute darüber austauschen, wie mit der Erpressermasche Geld zu verdienen ist. Federl rät Adressaten von Erpressermails, nicht in Panik zu geraten, auf keinen Fall zu zahlen und die Sache anzuzeigen. „Das Ganze hat nie einen persönlichen Bezug, die Mails werden in Massen verschickt.“

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten