SC Feucht muss zum ATSV Erlangen

Gipfeltreffen in Erlangen

Mit ihm hat alles angefangen beim ATSV Erlangen: Ex-Profi Ahmet Kulabas (vorne) war der erste namenhafte Neuzugang, den die Erlanger an Bord holten und der Stürmer lockte dann nach und nach seine alten Kumpels aus den Nürnberger und Fürther Leistungszentren in die Hugenottenstadt. | Foto: Zink2017/09/20170716_veitsbronn_atsv_wozi_0316.jpg

FEUCHT – Erster gegen Zweiter – für Fußballtrainer sind solche Partien stets die angenehmsten Aufgaben. Die große Ruckrede können sie sich getrost sparen, weil davon auszugehen ist, dass beide Teams eh bis in die Haarspitzen motiviert sind. So wie jetzt im Fall des ATSV Erlangen und des SC Feucht. Der Spitzenreiter und sein ärgster Verfolger treffen sich am Samstag (16 Uhr) am Sportplatz an der Erlanger Paul-Gossen Straße zum Spitzenspiel der Landesliga Nord-Ost.

Die Vorfreude bei den Feuchtern auf das Gipfeltreffen mit dem ungeschlagenen Ligaprimus wurde ein wenig von der schweren Verletzung ihres Wirbelwinds Fatih Boynügrioglu überschattet. Der junge Außenstürmer hatte sich bei einem üblen Foul im letzten Spiel gegen den VfL Frohnlach das Schienbein gebrochen (Der Bote berichtete) und war noch in der selben Nacht operiert worden. Trotz guter Prognose wird SC-Coach Rainer Zietsch mit dem 19-Jährigen wohl erst ab dem Re-Start nach der Winterpause wieder planen können.

Auch Spielbühler muss passen

Einen Ersatz konnten oder wollten sich die Feuchter in der verbleibenden Zeit bis zum Transferschluss am vergangenen Donnerstag nicht mehr besorgen. „Wir werden jetzt noch enger zusammenrücken, um auch den Ausfall von Fatih verkraften zu können. Wir vertrauen unserem Kader und können nicht über unseren Verhältnissen wirtschaften“, erklärt dazu Manager Björn Benke. Allerdings ist Boynügrioglu längst nicht der einzige Schlüsselspieler auf den die Feuchter in Erlangen verzichten müssen. Neben den beiden Langzeitpatienten Michal Nowak und Marco Christ fällt auch Felix Spielbühler für das Spitzenspiel beim „FC Bayern“ der Landesliga Nord Ost aus. Ausgerechnet Spielbühler möchte man sagen, da der Ex-Kapitän gerade in den letzten Wochen regelrecht aufgeblüht war und mit fünf Toren und zwei Vorlagen wesentlichen Anteil am Feuchter Höhenflug hatte.

Lincke kehrt zurück zum SC

Zumindest für Spielbühler könnte aber mit Frank Lincke ein kurzfristiger Ersatz bereitstehen. Der 31-jährige Mittelfeldspieler, der letzte Saison zu den Leistungsträger gehörte, nach dem Abstieg dann aber eine Schaffenspause einlegte, hat sich nun wieder dem SC angeschlossen. Eigentlich wäre Lincke aufgrund seines Trainingsrückstands noch kein Kandidat für die Startelf, wie Trainer Zietsch findet. Aber ausgeschlossen ist angesichts der heiklen Personallage bei den Zeidlern nichts.

Ob nun mit oder ohne Lincke, die Zielsetzung für den SC ist klar. „Wir wollen zeigen, dass wir eine gute Mannschaft sind“, betont Zietsch, der jedoch auch weiß, welches Team als klarer Favorit in dieses Duell geht. Seine Mannschaft ist es sicher nicht. Dafür ist der Gegner einfach zu stark. Allein die Zahlen sprechen für sich: 34 Treffer, kein anderes Team der Liga hat bislang auch nur ansatzweise so oft getroffen, und dabei ist die Defensive das eigentliche Prunkstück der Erlanger Elf. Nur vier Gegentore sind der absolute Topwert der Liga, der SC Feucht hat als Tabellenzweiter bereits doppelt so viele.

Kleine Regionalauswahl

Verantwortlich für den Aufschwung beim ATSV ist vor allem ein Mann: Jörg Markert. Der umtriebige Fußballfunktionär war lange Jahre beim SC Eltersdorf aktiv, bevor er dann beim Nachbarn anheuerte und mit seinen Kontakten – und sicher auch dem ein oder anderen Euro – einen Hochkaräter nach dem anderen anlockte. So ließt sich die Kaderliste des ATSV mittlerweile fast schon wie eine kleine Regionalauswahl – oder wie das Beste aus den zwei mittelfränkischen Fußball-Welten. Der eine Teil der Mannschaft hat seine Ausbildung beim FCN genossen, der andere, wie zum Beispiel Topvorbereiter Kevin Guerra (neun Assists), bei der SpVgg Greuther Fürth.

Trotz der Brisanz freut sich Feuchts Trainer Zietsch auf ein „freudiges Wiedersehen“ mit vielen bekannten Gesichtern.

Als ehemaliger Chef des Nürnberger NLZ kennt den Großteil der Jungs. Patrick Kammerbauer, Michael Krämer, Sebastian Glaßner und natürlich Tormaschine Ahmet Kulabas (acht Treffer) – sie haben alle einst unter Zietsch das Kicken gelernt.

Kein Wunder, dass Zietsch angesichts dieses Staraufgebots von einer Mannschaft spricht, „die im Moment über allem steht.“ Aber gleichzeitig betont er auch: „Wir sind schon so selbstbewusst, dass wir da nicht als Opfer hinfahren.“

So könnte der SC Feucht spielen: Sponsel – Eckert, Wittmann, Nikopoulos, Kaya – Ivic, Lincke – Wessner, Mandelkow, Janin – König

N-Land Krischan Kaufmann
Krischan Kaufmann