Großes Interesse an Informationsveranstaltung

Finale Weichenstellung für Dorfladen Moosbach

Jörg Kotzur (mit Mikrofon) und Wolfgang Gröll (Dorfladen Netzwerk) informierten ausführlich zur Thematik Dorfladen für Moosbach. | Foto: Märtl2017/03/dorfladen_2.jpg

MOOSBACH – Seit geraumer Zeit arbeiten Ehrenamtliche im Rahmen des Ortsmarketingprozesses der Marktgemeinde Feucht daran, dass im Ortsteil Moosbach ein Dorfladen entstehen kann. Er soll ganz anders aufgestellt sein als der herkömmliche Supermarkt, klein und besonders fein sozusagen, aber auch kein Tante-Emma-Laden werden.

Sprecher Jörg Kotzur: „Ein modernes Konstrukt, von uns für uns.“ Dass der Wünsch vieler Bürger bald Wirklichkeit wird, dürfte heute um 18 Uhr in der Bürgerhalle in Moosbach einen entscheidenden Schritt weiterkommen: nach der großen Resonanz der Informationsveranstaltung vor einer Woche ist man zuversichtlich, dass die Gründung des Dorfladens heute über die Bühne geht.

Vielversprechend ist nicht nur das Interesse an der Informationsveranstaltung. Auch die Ergebnisse der durchgeführten Befragung in Moosbach stimmen sehr optimistisch. Das war aus den Ausführungen des Unternehmensberaters Wolfgang Gröll, der seit geraumer Zeit den Prozess mit Fach- und Sachverstand begleitet, herauszuhören.

Der hatte vorweg ein Riesenkompliment für die Interessengruppe Dorfladan parat. „Große Anerkennung, die haben Zug drauf.“ Selten habe er bei seinen bisherigen Gründungen mit einem Arbeitskreis zusammengearbeitet, der so sachorientiert gearbeitet habe.

Hohe Rücklaufquote

Die Rücklaufquote der durchgeführten Fragebogen-Aktion sei mit 42 Prozent sehr beachtlich. Und diese 42 Prozent versprechen Potential: so könnte der Umsatz des Ladens laut Befragung bei rund 760.000 Euro liegen und über die Anteile ein mögliches Eigenkapital „zwischen 42.000 und 84.000 Euro“ generiert werden.

18 Prozent gaben an, Schwierigkeiten bei den Lebensmitteleinkäufen zu haben, wobei 31 Prozent „kein Auto“, zehn Prozent „schlechte Busverbindung“ und 55 Prozent „wenig Zeit, weil berufstätig“ als Grund angaben.

Die Frage, welche Verbesserung sie sich wünschen, beantworteten 88,5 Prozent mit „Eröffnung eines Dorfladens“ und knapp zehn Prozent mit „Errichtung eines Lieferservices“. Noch eindeutiger die Antwort, ob sie im Dorfladen einkaufen würden: 96 Prozent.

Interessant auch die Antworten, was besonders wichtig ist, wenn sie im Dorfladen einkaufen: dass der Preis stimmt (57 Prozent), dass ich regionale Produkte einkaufen kann (80), dass ich fußläufig einkaufen kann (55) und dass die Öffnungszeiten stimmen (49).

29 Prozent gaben an, mindestens zweimal in der Woche, 50 Prozent mindestens einmal und 12 Prozent „überwiegend am Wochenende“ einzukaufen.

Was die bevorzugten Öffnungszeiten anbelangt haben sechs Prozent „in der Früh vor acht Uhr“, 18 Prozent „spät Abend nach 18 Uhr“, 409 Prozent „vormittags“, neun Prozent „mittags“ und 41 Prozent „nachmittags“ angekreuzt.

Bei der Frage nach der Beteiligung am Dorfladen durch Anteile antworteten 27 Prozent mit „ja“, 27 Prozent zeigten sich „noch unentschlossen“ und 38 Prozent sagten nein.

Gefragt nach ihrem bisherigen Einkaufsverhalten zeigte sich eine deutliche Tendenz für den Einkauf der Grundnahrungsmittel bei den verschiedenen Discountern in Feucht aber auch in Winkelhaid und Schwarzenbruck.

53 Prozent gaben an, regelmäßig Bio-Produkte zu kaufen. Beachtliche 86 Prozent gaben an, regelmäßig „regionale Produkte“ einzukaufen, rund 58 Prozent tun dies im Supermarkt, 44 Prozent auf dem Bauernmarkt in Feucht, 36 Prozent beim Discounter und 46 Prozent beim Direktvermarkter.

Weiter wünschen sich 70 Prozent der Befragten im Dorfladen „Postdienstleistungen“, 37 Prozent Bankdiensleistungen (Bargeld), 14 Prozent einen Lieferservice und 39 Prozent sprechen sich für ein kleines Dorfcafé aus. 12 Prozent würden sich im Umfeld einen Allgemeinmediziner wünschen, neun Prozent denken an eine Tagesbetreuung für ältere Menschen und ebensoviele an eine kleinen Veranstaltungsraum.
Klare Favoriten gibt es bei der Frage der Zulieferer für Backwaren (65 Nennungen für Backhaus Fuchs) und Fleisch/Wurst (Metzgerei Böhm mit 68 Nennungen).

Rahmendaten für Moosbach

Relativ konkret sind die Vorstellungen der Arbeitsgruppe im Hinblick auf die Rahmendaten: rund 200 Quadratmeter Fläche, von etwa 150 Qudratmeter Verkaufsfläche.

Aus der Einwohnerzahl von rund 1200 Einwohnern und den Ergebnissen der Befragung liegt nach Ansicht von Wolfgang Gröll die Umsatzerwartung „zwischen 350.000 und 800.000 Euro“. Das benötigte Investitionsvolumen beziffert er auf rund 420.000 Euro. Ideal wären rund 100.000 Euro als Bürgerkapital und 320.000 Euro als Fremdkapital.

Wert sollte man auf einen möglichst hohen Frischeanteil der Waren, insbesondere bei Fleisch- und Wurst- sowie Backwaren in Bedienung legen und ein besonderes Augenmerk auf die Regionalität der Produkte.
Was die Umsatzerwartung betrifft ließ der Fachmann eine große Bandbreite offen „von 350.000 bis 800.000 Euro“, der neben dem „strategischen Volumen“ abhängig ist vom „innovativen Umsatz“ und „Special-Effects“.
Ausführlich erläuterte Gröll den Anwesenden dann das Prozedere der bevorstehenden Gründungsveranstaltung (Besprechung der Vertragsinhalte, Verabschiedung des Vertragswerkes) und die 1. Gesellschafterversammlung mit der Wahl des Gesellschafterrates.

Dem zu Grunde liegen die Prinzipien des genossenschaftlichen Gedankens, unabhängig von der Rechtsform: offene und freie Mitgliedschaft, jedes Mitglied hat eine Stimme, wirtschaftliches Mitwirken, Unabhängigkeit von Politik und Wirtschaft, Bildung und Entwicklung, Kooperation mit anderen Genossenschaften und vor allem die Sorge um die lokale Gemeinschaft.

Ziel der Bürgerläden

Oberstes Ziel der Bürgerläden ist nicht Gewinnmaximierung, sondern achtsamer Umgang mit regionalen Ressourcen, die Einbindung aller Bürger vor Ort; die Mitarbeiter arbeiten nicht nur des Geldes wegen, sondern weil sie einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen. Die Gesellschafter haften nur begrenzt mit ihrer Einlage, darüber hinaus gehende Haftungen werden ausgeschlossen.

Wer sich beteiligen will kann dies mit einer Mindesteinlage von 250 Euro tun, Mehrbeträge müssen ganzzahlig durch 50 Euro teilbar sein. Bei Tod scheidet der Gesellschafter aus, eine Übertragung der Anteile ist möglich. Die stillen Gesellschafter werden vom Gesellschafterrat vertreten, dessen Mitglieder als „geboren“ dem Beirat/Aufsichtsrat der Gesellschaft angehören. Informiert wurde auch ausführlich über die Vorteile der Bürgergemeinschaft und den weiteren Ablauf des Verfahrens.

Diese Rechtsform erlaube es, „dass sie alleine über den Dorfladen bestimmen und entscheiden. Sie machen es für sich“, ermunterte Gröll.
Wenn man den Laden „der Zeit angepasst entwickelt“ dann würden auch die Kunden kommen. Gröll: „Der Laden muss interessant bleiben.“ Deswegen bleibe das Netzwerk auch nach der Gründung beraten an der Seite.

Aus der Zuhörerschaft kam die Frage nach dem möglichen Standort. Jörg Kotzur berichtete von zwei Optionen: das ehemalige Gebäude der Sparkasse und der Saal der ehemaligen Wirtschaft wobei letztgenanntes Objekt favorisiert wird.

Marion Buchta, geschäftsleitende Beamtin der Marktgemeinde Feucht betonte, dass man seitens der Verwaltung und auch des Marktgemeinderates hinter dem Vorhaben stehe. Im Haushalt wären entsprechende Mittel „noch ohne konkrete Beschlüsse“ eingestellt.

N-Land Lorenz Märtl
Lorenz Märtl