Raiba-Weihnachten

Beeindruckender Vortrag Ulla Konolds über Grönland mit Zivilisationskritik

Ewiges Eis und beglückendes Lächeln

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FEUCHT – Im Cafe Bernstein in
Feucht lautete das Motto des Vortra-
ges von Ulla Konold „Eis. Grönland. Märchen. Mythen. Expeditionen. Bilder und Geschichten einer faszinierenden Natur und Kultur.“ Zu
erleben war weit mehr als ein Reise-bericht über ein außergewöhnliches Land. Die Nürnberger Dramaturgin und Erzählkünstlerin entführte ihre Zuhörer in die bizarr-schöne Welt der Eislandschaften Grönlands und
gab Einblicke in die beseelte Natür-lichkeit ihrer Urbewohner.

Hans Strauß, Ideengeber und Organisator des Themenkunstvereins, freute sich über ein volles Haus und nutzte die Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass das Bernstein und der Verein – entgegen anderslautenden Meldungen – selbstverständlich weiterhin für Kultur in Feucht sorgen werden. Und Else Seibert erwähnte, dass die Veranstaltung, wie schon so
oft, wieder in bewährter Manier in Zusammenarbeit von vhs Schwarzachtal mit der Feuchter Buchhandlung Kuhn und dem Themenkunstverein Feucht organisiert wurde.
Mystische Klänge eines Klangbaumes, eines doppelseitigen Monochordes, eröffneten das Programm, das in die Weite Grönlands entführte, ins ewige Eis mit seinen grandiosen Dimensionen, das 85 Prozent der Landesfläche bedeckt. Konold erzählte in ihrer mitreißenden Art von ihrer ersten und zweiten Reise in eine Welt, die zunehmend unter dem Klima-wandel leidet und deren Eisflächen sichtbar zurückgehen – mit teils fatalen Konsequenzen für die Inuits, die Urbevölkerung, die dort seit
1000 Jahren in Einklang mit der Natur leben. Als Eine-Frau-Theater mit großem Spannungsbogen, eindringlich und gestenreich, entführte sie die gebannt lauschenden Besucher mitten in die Erstdurchquerung des Inlandseises an seiner breite-ten Stelle, die Robert Peroni im Jahr 1983 gemeinsam mit den Südtirolern Pepi Schrott und Wolfgang Tho-
maseth gewagt hatte. Diese 1400 km lange, lebensgefährliche Durchquerung Grönlands in 88 Tagen bei Temperaturen von 40 bis 60 Grad unter
null bewältigten die drei Bergsteiger ohne technische Hilfsmittel mit zwei
Schlitten, die alles transportieren mussten, was sie an lebensnotwendigen Dingen für drei Monate brauchten. Konolds intensiver Ausdruck und
die sphärischen Klänge, die sie begleitend hervorzauberte, brachten die dramatischen körperlichen und seelischen Zustände kongenial zum
Ausdruck: die Grenzen des Menschen angesichts der mächtigen Natur, das völlige Ausgeliefertsein bis hin zu Halluzinationen und Verfolgungswahn.

Lächeln als größtes Geschenk
Anschließend folgten Fotos, die beeindruckende visuelle Einblicke in ihre zwei Grönlandreisen gaben: gigantische Eisberge, unendlich scheinende Weite, fast unwirklich scheinende Farben und bizarre Polarlichter. Und Aufnahmen von kleinen Ortschaften, ihren Bewohnern mit lachenden Kindern, die ahnen lassen, wie selbstvergessen und intuitiv die Inuits seit einem Jahrtausend dort ihr Leben meistern. Mit ihrem Lächeln, das sie selbst, so Konold, als größtes Geschenk bezeichnen – und das so auch zur Verständigung dient. Ein Volk, das keinen persönlichen Besitz kannte und alles und jedes als gemeinsames Gut verstand. Peroni, den Konold persönlich kennenlernte, versucht seit seiner Expedition die massiven, zerstörerischen Eingriffe der so genannten westlichen Zivilisation zu mildern – verhindern, so dessen Einschätzung, kann aber auch er sie nicht.
Konold, die, wie sie selbst sagt, vom Grönlandfieber befallen ist, gab
zum Schluss mit drei Geschichten aus der Märchen- und Mythenwelt
der größten Insel unserer Erde Ein-blicke in das Selbstverständnis der Bewohner, die aber gleichzeitig auch die letzten Fragen der Menschen an sich beleuchten, wo immer sie leben: Suche nach Liebe und Geborgenheit, Angst vor Einsamkeit, die fatale Gier nach Besitz und das beglückende Zusammensein der Menschen als erstrebenswertes Ziel.

N-Land Erich Spieß
Erich Spieß