Raiba-Weihnachten

Großer Zuspruch beim Markt der fairen Möglichkeiten

„Es gibt fast immer Alternativen“

Die Stop-Tanzgruppe begann ihr vielfältiges Tanzprogramm mit traditionellen Tänzen aus Westindien. | Foto: Gisa Spandler2017/10/feucht-faire-moeglichkeiten3.jpg

FEUCHT – Die Welt ein Stück weit besser zu machen, vor allem durch gerechte Handelsbedingungen, das ist das Ziel der Fairtrade-Bewegung. Mehr und mehr Kommunen und Institutionen schließen sich diesem Gedanken an und streben den Fairtrade-Standard an. Auch Feucht steht hier in den Startlöchern. Am Anfang steht wie oft: Information und Aufklärung. Diesem Zweck diente am Freitag der Markt der fairen Möglichkeiten in der Reichswaldhalle.
Deutlich über 150 Interessierte waren gekommen, um sich über die Idee anhand von Ständen, Vorträgen und eines eindrucksvollen Tanzvortrags zu informieren. Organisiert und durchgeführt wurde die kleine Messe vom Markt Feucht, der Fairtrade-Gruppe Feucht, die sich seit einem Jahr bemüht, die Gemeinde zur Fairtrade Town zu machen, und dem Weltladen Der Faire Jakob. Kooperationspartner war zudem das Eine Welt Netzwerk Bayern, und gefördert wurde die Aktion von der Bayerischen Staatskanzlei und der Sparkasse.

„Make chocolate fair“
Ehrlich überrascht über den großen Zuspruch war Bürgermeister Konrad Rupprecht, als er das Foyer betrat, das sich in einen echten Markt verwandelt hatte. Schautafeln über die Entstehung von herkömmlicher und die Aktion „Make chocolate fair“ wurden da einander gegenübergestellt und herausgearbeitet, wer jeweils die Gewinner und Verlierer in der Produktionskette sind. Ein Stand mit fair hergestellten Fußbällen zeigte exemplarisch, dass sich gerechter Handel nicht, wie heute noch von vielen angenommen, auf Kaffee und Schokolade bezieht, sondern in fast allen Lebensbereichen Einzug halten könnte. Das Gleiche gilt für Mode, ein Wirtschaftszweig, der im Laufe des Abends immer wieder als Beispiel diente. Der Feuchter Faire Jakob war mit zwei attraktiven Ständen vertreten, die faire Lebensmittel verkauften und als Kostproben anboten und Kunstgewerbe präsentierten, bei dessen Produktion niemand den Kürzeren zieht und ausgebeutet wird.
Bürgermeister Konrad Rupprecht meinte in seiner Begrüßung, dass es oft viele Menschen brauche, um etwas zum Besseren zu verändern, und nannte die Gruppen, die sich für den Fairtrade-Gedanken in Feucht stark machten. Er wünsche sich, dass noch viele weitere bei der guten Sache einstiegen.
Landrat Armin Kroder versuchte sich an einer Definition für die Begriffe nachhaltig und fair. „Wenn wir uns Menschen und der Umwelt gegenüber ordentlich benehmen, ohne die zukünftige Entwicklung zu gefährden, dann verhalten wir uns nachhaltig“, brachte er es auf einen einfachen Nenner. Es ginge für den einzelnen darum, sein eigenes Verhalten zu überprüfen, zum Beispiel bei Kaufentscheidungen.
Motor und Moderator Helmut Schleif, der Vorsitzende der Fairtrade Gruppe Feucht und Betreiber des Fairen Jakob, freute sich über einen Scheck aus den Händen des Landrats und dankte gleichzeitig allen Mitstreitern in der örtlichen Fairtrade Bewegung. Er schlug verständlich die Brücke von fairen Handelsbedingungen zur Flüchtlingsproblematik und brachte sie in einem Satz auf den Punkt: „Wer faire Lebensumstände und Rechte hat, kommt nicht.“
Einen ausführlichen und äußerst engagierten Vortrag zum Thema Fairer Handel am Beispiel Mode präsentierte Frank Braun, Promoter vom Eine Welt Netzwerk Nordbayern, das den gesamten Komplex der Nachhaltigkeit unterstützt. „Wir leben auf zu großem Fuß“, war seine Botschaft, die Ressourcen sind begrenzt, Nachhaltigkeit ist unsere einzige Chance. Sein lebendiges Referat baute er zunächst um die Stichwörter Klimawandel, Artensterben, soziale Ungerechtigkeit auf, um dann die frohe Botschaft zu verkünden: „Es gibt in fast allen Lebensbereichen Alternativen.“

Bio-Kleidung fordern
Die Herstellungsmethoden billiger Kleidung in Asien diente ihm als Beispiel dafür, wie Ausbeutung nicht nur die Umwelt zerstört, sondern auch Tag für Tag Menschen. „Überall wo diese Klamotten hergestellt werden, werden Menschenrechte gebrochen“, wusste er.
Das gleiche Thema aus einer anderen Perspektive behandelte Elke Klemenz in ihrem Vortrag. In ihrem fairen Modeladen Farcap in Fürth werden Produkte unter dem Markennamen Azadi vertrieben. Hier werden faire Handelswege in der Textilbranche verfolgt in Zusammenarbeit mit der indischen Organisation Stop (Stop Trafficking and Oppression of Children and Women), bei der zunächst die Befreiung Minderjähriger aus Sexsklaverei im Vordergrund stand.
Doch weil es hierfür menschenwürdige Alternativen geben muss, konzentrierte man sich zusätzlich immer stärker auch auf die Aspekte Prävention, Resozialisierung und Rehabilitierung der Betroffenen. Viele dieser jungen Mädchen und Frauen stellen in Indien nun unter fairen Bedingungen Mode für Azadi her, die von Elke Klemenz und ihren Mitstreiterinnen in Fürth verkauft wird. Wen wundert‘s, dass Azadi der indische Begriff für Freiheit ist.

Tanzgruppe von Stop
Es war ein besonders glücklicher Zufall, dass eine Tanzgruppe von Stop derzeit auf Europa-Tournee ist. Im Zuge der Rehabilitation lernen die befreiten jungen Mädchen durch verschiedene Methoden ihre traumatisierende Vergangenheit aufzuarbeiten und sich neu zu orientieren.
Ein Weg ist der Tanz, wie die siebenköpfige Gruppe bewies, die durch die Kinder-Kultur-Karawane nach Deutschland geholt wurde. In ihrem bunten Programm zeigten sie verschiedene Vorführungen von traditionellen Tänzen klassischer Art bis hin zu modernem Ausdruckstanz oder Bollywood-Motiven. Bereits am Vortag waren sie zu Workshops in der Mittelschule, die die Bürgerstiftung Feucht ermöglicht hatte.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler