Interview mit Biermösl Blosn-Gründer Hans Well

„CSU und CDU brauchen einen Familientherapeuten“

Hans Well ist am Samstag, 19. Januar, mit den Wellbappn in der Feuchter Reichswaldhalle. | Foto: Krätzer2019/01/Feucht-Hans-Well.jpg

FEUCHT – Seit vielen Jahren steht Hans Well, Mitbegründer und rund 35 Jahre lang scharfzüngiger, einfallsreicher Texter der Biermösl Blosn, auf der Bühne. Demnächst tritt er in Feucht mit den Wellbappn in der Reichswaldhalle auf, seinen Töchtern Sarah und Tabea sowie Sohn Jonas. Mit ihnen führt er seit gut sechs Jahren die Tradition der Blosn weiter: satirische, kritische Texte zu bayerischer Musik. Obwohl, bayerische Musik wäre inzwischen zu kurz gegriffen, denn die junge Generation Well spielt daneben irische, ungarische oder klassische Musik. Eingepackt in Gstanzl, Zwiefachen, Grooviges und Co. lassen sie – wie den bekannten Schachtelteufel – das raus, was ihnen stinkt, sei es der Ausverkauf ihrer Heimat, sei es der Umgang mit Flüchtlingen.

Hans Well, nach so vielen Jahren als Kabarettist – woher nimmst Du deine Ideen?

Hans Well: Ach die drängen sich eher auf. Zum Beispiel, wenn man die neue Willkommenskultur beobachtet, mit der AKK (Annegret Kramp-Karrenbauer) in Kloster Seeon begrüßt wurde und sich dabei an letztes Jahr erinnert, als die beiden Schwesterparteien einen Familientherapeuten brauchten. Oder, wie der Söder sagte, Europa könne ihm den Buckl runterrutschen und er jetzt ein starkes Europa fordert, oder weniger Flächenverbrauch, obwohl er mit Gesetzen das Gegenteil bewirkt.

Was ist Dir aktuell besonders wichtig?

Hans Well: Dass der 1. FC Nürnberg nicht absteigt! Nein, mich interessiert keine Tragik, sondern Komik. Und vieles, was derzeit passiert, ist zum Lachen, manches lächerlich, und dem Rupert Stadler von Audi vergeht derzeit das Lachen. So wie sich bestimmte Lobbys die Verkehrs-, Landwirtschafts-, Energie- und Klimapolitik einverleibt haben, da bleibt einem das Lachen allerdings im Hals stecken.

Wie gestaltet sich die Arbeit mit den Wellbappn? Sie lernen von Dir – Du auch von ihnen?

Hans Well: Die drei sind um Welten musikalischer und instrumental besser als ich; ich lerne von ihrer Unbekümmertheit. Sie lernen von mir, wie man hinterfotzige Texte schreibt.

Erreichst Du mit deinen Programmen das Publikum heute so wie vor Jahren? Was hat sich verändert?

Hans Well: Die Hallen sind nicht mehr so groß wie früher. Das hat den Vorteil, dass man mehr Kontakt zum Publikum hat und man Neues schneller ins Programm bringt. Und die Wellbappn sprechen auch jüngere Leute an. Sie sind außerdem garantiert weiblicher und schöner als die Biermösln.

Kabarett fristete lange ein Schattendasein im Fernsehen, unter anderem mit späten Sendezeiten. Jetzt läuft Satire auf allen Kanälen – eine Modeerscheinung mit Spaßfaktor?

Hans Well: Ich hab das Gefühl, dass die Qualität von Kabarett, oder guter Satire, mit der Quantität an Sendungen abnimmt. Die Substanz wird immer dünner und beliebiger. Die Wellbappn sind Gottseidank unbeschädigt vom Bayerischen Farb-Fernsehen.

Was erwartest du für 2019?

Hans Well: Dass das Bayrische Fernsehen für noch mehr „Schuhbeck“, „dahoam is dahoam“ und „Ringelstetter“ die Gebühren erhöht, dass der Bayerische Verkehrsminister ultimativ Dieselfahrer zum umweltgerechten Neukauf zwingt und die Bayerische Staatsregierung noch mehr grüne Energie durch permanentes Drehen und Wechseln ihrer Standpunkte erzeugt. Außerdem, dass sich die Bayerische SPD weiter selber in die Beine schießt, obwohl sie eh schon nicht mehr laufen kann und dass Google und Facebook sich zusammen mit der NSA für noch mehr Datensicherheit einsetzen. Und von der Bahn erwarte nicht nur ich das Übliche.

Wer Hans Well und seine Wellbappn mit ihrer Musik und frechen Texten live erleben möchte: Am 19. Januar spielen sie ihr aktuelles Programm „Gemeinsam – nicht einsam“ in der Feuchter Reichswaldhalle, Beginn 20 Uhr. Karten bei den üblichen Vorverkaufsstellen und bei Veranstalter kultur@spd-feucht.de oder www.spd-feucht.de

N-Land Dorothée Krätzer
Dorothée Krätzer