Verärgerte Postkunden in Feucht

Briefe und Postsendungen blieben tagelang liegen

Die Grippewelle und eine gewaltig gestiegene Menge an Online-Sendungen waren in den vergangenen Wochen laut Postsprecher Erwin Nier ursächlich für verspätet zugestellte Briefe in Feucht. | Foto: Blinten2018/04/Briefzustellung.jpg
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FEUCHT – Was ist nur mit der Postzustellung in Feucht los? Briefe bleiben tagelang liegen, bevor sie beim Adressaten eintreffen, darunter wichtige amtliche Schreiben oder Rechungen. Immer wieder kritisieren Postkunden auch, dass in ihren Briefkästen Sendungen landen, die für die Nachbarschaft bestimmt sind. Abonnenten von Zeitschriften, die per Post zugestellt werden, haben bereits ihre Abos gekündigt, weil die Magazine erst mit mehrtägiger Verspätung geliefert wurden.

Anwohner im Baugebiet Parkside berichten, dass sie tagelang keine Post erhielten, dann aufeinmal war der Briefkasten voll mit Sendungen, deren Stempel zeigten, dass sie bereits fünf- oder sechs Tage zuvor aufgegeben worden waren.

Erwin Nier, Pressesprecher der Post für Bayern, räumt unumwunden ein, dass in der Marktgemeinde in den vergangenen Wochen nicht alles rund lief. Los ging es Ende Februar/Anfang März mit der damals grassierenden Grippe, die einen Teil des Feuchter Zustellerteams außer Gefecht setzte.

„Der personelle Engpass war dann zeitweise so krass, dass unsere Leute regelrecht auf dem Zahnfleisch gekrochen sind“, schildert Nier die Situation im März. Man habe zwar alle zur Verfügung stehenden Reserven mobilisiert, sei aber mit der Zustellung nicht in dem erforderlichen Maß nachgekommen.

Sondersituation vor Ostern

Vor Ostern spitzte sich die Situation dann noch einmal aus einem laut Nier nicht vorhersehbaren Grund dramatisch zu. Nie zuvor gab es vor den Osterfeiertagen eine derart rasant angewachsene Zahl von online bestellten Päckchen und Paketen, die ausgeliefert werden mussten.

Weil die Online-Sendungen in der Weihnachtszeit bei der Post jede Menge Mehrarbeit erfordern, stellt das Unternehmen im November und Dezember rund 10.000 zusätzliche Mitarbeiter deutschlandweit ein. Die helfen dann, die Menge an Online-Sendungen zu bewältigen.

Um mehr als das doppelte steigt in der Adventszeit die Zahl der Pakete, die die Postler täglich ausfahren: von 4,3 auf 10 Millionen. Kurz vor Ostern beobachteten die Verantwortlichen bei der Post nun eine ähnliche Entwicklung wie in der Weihnachtszeit, ein Trend, den es so in den vergangenen Jahren nicht gab, wie Postsprecher Nier betont.

Und genau in dieser Situation musste in Feucht für den Bereich Parkside auch noch ein neuer Zusteller eingearbeitet werden. Der war zwar Postler, war aber bisher nicht in der Zustellung tätig. „Da kam dann der Mitarbeiter schnell an seine Grenzen, bei zehn Stunden ist halt Schicht im Schacht“, sagt Nier, der auch einräumt, dass sich die Probleme in Feucht nicht auf den Bereich Parkside beschränkten.

In anderen Gegenden der Marktgemeinde klagten die Bürger ebenfalls über Mängel bei der Postzustellung. Das liege am Krankenstand beim Personal, sagt der Postsprecher. In Feucht arbeiten derzeit 15 Zusteller.

Zu enge Personaldecke?

Kann es also sein, dass die Personaldecke zu kurz ist? Dazu kommt von Nier ein klares Jein. Zum einen wolle die Post sich beim Ostergeschäft des Online-Handels im kommenden Jahr nicht erneut überraschen lassen, sondern werde vielmehr mit zusätzlichen Mitarbeitern vorbauen, mit Saisonkräften, die etwa bereits in der Weihnachtszeit zusätzlich eingestellt wurden. Andererseits könne man aber die Zustellteams nicht prophylaktisch personell aufstocken, weil irgendwann einmal wegen Erkrankungen ein Engpass entsteht.

Für Anton Hirtreiter, bei der Gewerkschaft Verdi zuständig für die Postdienste in Bayern, liegen die Mängel in Feucht in einer falschen Organisation der Zustellbezirke begründet.

Probleme auch in Lauf

„Wir sehen sowohl in Feucht als auch in Lauf erhebliche Probleme“, sagt Hirtreiter. „In Feucht schaffen die Kollegen die Arbeit nicht mehr, weil die Bezirke zu groß sind, damit sind sie ständig überlastet.“ Die Folge sei ein hoher Krankenstand. Der Gewerkschaftssekretär fordert deshalb, die Zustellbezirke neu einzuteilen.

In den sozialen Netzwerken machen die Feuchter derweil ihrem Ärger über die Post Luft, einige kündigten an, Unterschriften zu sammeln und Druck zu machen.

Nier beruhigt aber die verärgerten Feuchter Postkunden: Seit Montag, so versichert er, klappe die Paket- und Briefzustellung wieder reibungslos.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten