Feuchter Schulhofsanierung deutlich teurer

Bitteres Pausenbrot

Noch gleichen große Teile des Pausenhofs einer Baustelle. Die Gesamtabnahme ist für Mitte August geplant. Dann wird die Sanierung knapp 735 000 Euro gekostet haben. | Foto: Geist2017/07/Feucht-Schulzentrum-Pausenhof_online.jpg

FEUCHT – Zähneknirschend hat sich der Bauausschuss dafür ausgesprochen, weiteres Geld in die Sanierung der Pausenhöfe am Schulzentrum zu investieren. Auf den Markt Feucht kommen nun Kosten von knapp 735 000 Euro zu. Beim Beschluss im September 2015 ging man von gerade mal 530 000 Euro aus. Dem Architekten warfen mehrere Ausschuss-Mitglieder massive Fehlplanung vor. Und der Pausenhof ist nicht das einzige Bauprojekt in Feucht, das mehr Geld verschlingt als geplant.

Fundamente für eine Lärmschutzwand, die nicht genügen. Wurzelstöcke im Erdreich, die man dort nicht vermutet hätte. Robinienhocker und ein gut 10 000 Euro teures Sonnensegel, die sich die Mittelschule für ein Freiluftklassenzimmer wünschen. Die Verwaltung legte den Ausschuss-Mitgliedern in der Sitzung am Donnerstagabend eine mehrere Seiten füllende Liste mit Mängeln, Macken und Schönheitsfehlern vor. Nachdem der Marktgemeinderat bereits im Juni 2016 eine Aufstockung um 120 000 Euro beschlossen hatte, kippte nun die Stimmung.

„Das stinkt mir gewaltig“

„Ich bin entsetzt. Das kommt mir vor wie in einem Selbstbedienungsladen. Die Architekten kommen, geben ihre Kostenschätzung ab und wir satteln nachher auf, satteln auf und satteln auf. So geht das nicht. Das stinkt mir gewaltig“, polterte CSU-Fraktionsvorsitzende Karin Reiwe über die Art, wie unter dem Vorwand „alles für die Kinder“ Kasse gemacht werde. Abschließend meinte sie: „Wenn ich könnte, würde ich das ablehnen.“ Tatsächlich hätte Reiwe zwar gegen den Beschlussvorschlag der Verwaltung stimmen können – die meisten der Maßnahmen wurden auf kurzem Dienstweg jedoch bereits bewilligt und in die Tat umgesetzt. „Ansonsten hätten wir die Bauzeit unterbrechen oder Sondersitzungen einberufen müssen“, erklärte Bauamts-Leiter Andreas Brandmann.

„Planer komplett versagt“

Die Wurzeln aus dem Erdreich etwa sind längst entfernt: für 4500 Euro zusätzlich. „Die Bäume dort stehen seit 50 Jahren. Da ist doch klar, dass da Wurzeln liegen. Hier hat das Planungsbüro komplett versagt“, meinte Horst Käppner (CSU) und forderte, dass sich in solchen Fällen der Planer künftig persönlich vor dem Ausschuss zu rechtfertigen habe. Anstelle des Nürnberger Ingenieurbüros Adler und Olesch hatte Brandmann allein die Mehrkosten zu erklären. Vonseiten der SPD kritisierte Lothar Trapp kostensteigernde Planungsfehler und Petra Fischer sprach von einem Umgang mit Geld, wie er nur bei öffentlichen Aufträgen zu beobachten sei.

Neben dem Planungsbüro nahm Rita Bogner (Grüne) auch die Schulen in die Pflicht: „Die Betroffenen sollen sich künftig bitte genau überlegen, was sie wirklich brauchen und nicht immer wieder nachtarocken.“ Damit meinte sie zweifelsohne den Wunsch der Schule, ein Freiluftklassenzimmer mit Robinienhockern und Sonnensegel nachzurüsten: für 1300 beziehungsweise 10 100 Euro.

„Da könnte ein LKW dagegenfahren“

Die Frage, ob es ein solches Segel überhaupt brauche, erstickte Brandmann abrupt. Das an vier Masten aufgehängte Tuch hängt nämlich schon an Ort und Stelle. Blieb die Frage nach den Kosten. „Privat kostet mich so ein Segel keine 2000 Euro. Aber das hat nun Fundamente, da könnte ein Lkw dagegenfahren“, meinte Brandmann. Es müsse eben gänzlich ausgeschlossen werden, dass ein Träger fallen und ein Kind treffen könnte. Weitere fast 10 000 Euro flossen als Beton in die Fundamente einer Schall- und Sichtschutzwand zum Wohle der Anwohner. Der Bedarf an sich erzürnte Grünen-Marktgemeinderätin Bogner dabei fast noch mehr als die Kosten. „Wenn ich das schon höre: Lärmschutzwand für Kinder. Da stehen mir die Nackenhaare zu Berge. Kinder verursachen keinen Lärm, aber das ist offensichtlich noch nicht bei jedem angekommen.“

Für Mitte August ist nun die Gesamtabnahme des Projekts geplant. Bevor der Ausschuss der Auftragserweiterung zustimmte, verkündete Brandmann noch die gute Nachricht des Abends: „Das ist jetzt definitiv die Maximalsumme.“

Straßensanierung wird teurer

Neben dem Pausenhof stand noch ein zweites Sorgenkind auf der Tagesordnung des Bauausschusses: die inzwischen abgeschlossene Sanierung der Regensburger Straße. Diese kostet insgesamt nun 1 360 000 Euro und wird damit gut 330 000 Euro teurer als geplant. Schuld daran sind zum einen die Beschaffenheit des Straßenunterbaus sowie die Lage vorhandener Kabel und Leerrohre. Zum anderen ein Planungsfehler des Ingenieurbüros: Unter anderem hatten sich die Verantwortlichen bei der Verkehrssicherung, beim Trennen von Pflasterstein und beim Ausbau der vorhandenen Randeinfassung verrechnet.

N-Land Christian Geist
Christian Geist
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