Entwicklungsminister Müller in Feucht

Bananen für 99 Cent – doch zu welchem Preis?

Gekauft hat er zwar nichts. Dennoch war Gerhard Müller (2. von links) angetan von den Produkten des Fairen Jakob. | Foto: Geist2017/09/Feucht-Faire-Woche-Minister-Mueller-1.jpg
Raiba Fallback

FEUCHT – Bundesentwicklungsminister Gerhard Müller (CSU) hat Handel und Verbraucher in die Pflicht genommen, für ökologische und soziale Standards in Entwicklungsländern zu sorgen. Bei einem Besuch des Feuchter Weltladens sprach er mit MdB Marlene Mortler und den Betreibern des Fairen Jakob über Probleme wie Ausbeutung, Kinderarbeit, Drogenanbau – und wie der Faire Handel diesen Missständen entgegenwirken könne.

Er habe während seiner Amtszeit selbst Textilfabriken wie die 2013 eingestürzte Rana-Plaza in Bangladesch besucht. „Dort verlassen Hosen zum selben Preis die selbe Fabrik. Und bei uns verkauft H&M sie dann für 30 und Hugo Boss für 130 Euro“, sagte Müller und machte damit klar, dass Fairer Handel nicht immer eine Frage des Preises ist. Vom Handel forderte er, Strukturen zu schaffen, damit fair gehandelte Produkte überhaupt in Geschäften außerhalb der Weltläden zu haben sind. Von den Verbrauchern erwartet er auf der anderen Seite, einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und Konsum. Er appellierte an alle Bürger, fair und regional einzukaufen und über Preis und Produkt nachzudenken: „Wenn das Kilo Bananen 99 Cent kostet, kann am Anfang der Produktionskette kein existenzsichernder Lohn gezahlt werden.“ Hiesige Billigpreise förderten letztlich Kinderarbeit und Flucht aus wirtschaftlichen Gründen.

„Der Ehrlichkeit auf der Spur“

„Wir wollen aber, dass die Menschen wieder eine Zukunft in ihren Ländern sehen und nicht Geld und Leben in die Hände von Schleppern geben und in Boote steigen“, sagte Müller und lobte in diesem Zusammenhang das Engagement der Weltladen-Mitarbeiter Claudia Friedrich und Helmut Schleif. „Sie waren Ihrer Zeit Jahrzehnte voraus und haben durchgehalten“, sagte Müller und Mortler ergänzte: „Es gibt Menschen, die wollen, dass es ehrlich zugeht auf der Welt. Und Sie sind der Ehrlichkeit sehr gut auf der Spur.“

Mortler und Müller tauschten sich mit dem Weltladen-Team auch über den Drogenanbau in Kolumbien und Afghanistan aus. „Die Bauern erzielen den fünf- bis zehnfachen Ertrag, wenn sie Drogen anstelle normaler Pflanzen anbauen“, meinte Müller und rechnete vor, dass zwei Drittel des europäischen Rauschgifts auf den Feldern Afghanistans wachse. Mortler wiederum berichtete von Besuchen in Kolumbien während der Friedensgespräche zwischen Regierung und Farc-Miliz. „Dort gibt es keine Familie, die in 50 Jahren Drogenkrieg keinen Angehörigen verloren hat.“ Im Fairen Handel sehen beide CSU-Politiker einen Schritt in Richtung fairer Bezahlung und Erhalt der Lebensgrundlage in den Ländern der sogenannten Dritten Welt.

N-Land Christian Geist
Christian Geist