Raiba-Weihnachten

SC Feucht startet in die neue Saison

Auf der Suche nach alter Größe

Fotoshooting in ungewohnter Kulisse: Für sein Mannschaftsfoto hat der SC Feucht um seinen neuen Trainer Rainer Zietsch (2. Reihe 2. v. l.) diesmal die gewohnte Umgebung Waldstadion verlassen und sich mitten in Feucht am Platz vor der Sparkasse ablichten lassen. | Foto: SCF2017/07/IMG_7780.jpg

Tradition auf neuen Wegen! Die letzte Saison begann für den 1. SC Feucht mit dem berühmten Spieler
exodus und endete mit dem Abstieg aus der Bayernliga. Jetzt soll ein neues Trainerteam und Management den altehrwürdigen Sportclub aus der Zeidlergemeinde in der Landesliga Nord Ost zu alter Größe zurückführen.

FEUCHT – Der SC Feucht im Sommer – gemessen an den Ereignissen der letzten Jahre (Stichwort: „Hochzeitsaffäre“, „Spielerexodus“) ist die Vorbereitung im Waldstadion dieses mal außergewöhnlich ruhig verlaufen. Spieler kamen und gingen, allerdings ohne die zuletzt fast schon üblichen Nebengeräusche. Einzig der Wechsel auf der Trainerposition von Klaus Mösle zu Rainer Zietsch sorgte für Aufsehen. Aber selbst das nur kurzzeitig, so dass der SC Feucht heuer ohne großes Tamtam, dafür aber hoch fokussiert das Abenteuer Landesliga angehen kann.

So blauäugig, dass sie glauben, die neue Spielzeit eine Etage tiefer würde deshalb zum Selbstläufer und der direkte Wiederaufstieg sei quasi schon gebucht, sind die SC-Verantwortlichen freilich nicht. Dafür haben Zietsch und Co. im Moment noch mit zu vielen Problemen zu kämpfen, die sich wohl kurzfristig auch nicht lösen lassen.

Zu kurze Regenerationsphase

Zum einen wäre da die viel zu kurze Sommerpause für die Spieler. Nach dem Relegationsmarathon, der bekanntlicherweise mit dem mentalen Tiefschlag endete, hatte die Mannschaft gerade mal neun Tage Zeit bevor sie am 19. Juni wieder in die Vorbereitung startete. Die fehlende Erholungsphase schlägt sich in der langen Verletztenliste nieder. Bis auf Fabian Diesner, der immer noch an den Auswirkungen seines Kreuzbandrisses laboriert und wohl erst im September wieder zum Team zurückkehrt, haben die meisten Ausfälle zwar nur muskuläre Probleme zur Ursache, aber von einer eingespielten Stammelf ist man beim SC aktuell noch weit entfernt. In den Test- und zwei Pokalspielen musste Zietsch immer wieder improvisieren, konnte nie dieselbe Elf aufs Feld schicken. Dass sie trotzdem in der ersten Pokal-Runde gegen den direkten Ligakonkurrenten Quelle Fürth mit einem 2:1 einen Achtungserfolg verbuchen konnten, stimmt die Verantwortlichen jedoch einigermaßen zuversichtlich.

Zietsch, der „Chefausbilder“

Darüber hinaus ist die Landesliga für zahlreiche Spieler wie auch für den Trainer Neuland. Zietsch bringt zwar als ehemaliger Fußballprofi (unter anderem 1. FC Nürnberg, VfB Stuttgart, Bayer 05 Uerdingen) und langjähriger Leiter den Club-Nachwuchsleistungszentrums eine Menge Fußballsachverstand mit, war aber bisher nur einmal für kurze Zeit als Trainer im Amateurfußball (bei BSC Erlangen) aktiv. Für die SC-Macher um Neu-Manager Björn Benke und Vorstand Ralph Stefan muss das kein Manko sein.

Angespannter Blick nach vorn: Rainer Zietsch weiß noch nicht genau, was ihn und seine Mannschaft in der neuen Liga erwartet. | Foto: Zink2017/07/20140920_raiffeisen_jugendcup_dama_025.jpg

Ihr absoluter Wunschkandidat, den Benke noch aus gemeinsamen Zeiten im NLZ kennt, ist nebenher Co-Trainer der deutschen U17-Nationalmannschaft, macht gerade zusätzlich in Köln seinen Fußballlehrer und soll das dort erworbene Knowhow direkt beim SC umsetzen. Und vor allem an seine beiden Co-Trainer Benedikt Thier und Marco Christ weitergeben. Denn Zietsch, der aktuell nur donnerstags das Training leiten kann und bei den Spielen dabei ist, soll für die beiden als eine Art „Chefausbilder“ (O-Ton Stefan) wirken. Oder wie es Benke kurz und knapp formuliert: „Rainer Zietsch passt für unser Konzept am besten.“ Nach und nach sollen Thier und Christ unter dem 52-Jährigen in die Chefrolle hineinwachsen.

Feuchter setzen auf Spielkultur

Bis dahin ist Christ, der vom Regionalligisten SV Seligenporten in den Nachbarlandkreis gewechselt ist, vor allem auf dem Platz gefordert. Der ehemalige Profi (u.a. Fortuna Düsseldorf) soll im SC-Orchester die Schlüsselrolle übernehmen und im offensiven Mittelfeld den Taktstock schwingen, bzw. für die nötige Spielkultur sorgen. Darauf legt sein Chef nämlich besonders wert. Auch wenn er weiß, dass es in der Landesliga bisweilen rustikal zugeht, will Zietsch sich „nicht an der Liga orientieren. Meine Idee ist es gerade nicht zu holzen, sondern wir wollen fußballerische Lösungen finden“.

Weitere Neuzugänge im Fokus

Die größte Sorge bereitet Feuchts neuem Trainer daher auch weniger die Umstellung auf die neue Liga als der recht kleine Kader. Zietsch: „Wir haben zwar einige Spieler mit Bayernligaerfahrung und viel Qualität in der Mannschaft, aber im Moment auch viele Verletzte. Wahrscheinlich werden wir nach drei bis vier Spielen erst wissen, ob wir personell noch etwas machen müssen.“ Die Betonung liegt auf „müssen“. Denn bei allem Understatement, dass sie beim SC derzeit an den Tag legen, offiziell gibt man sich zwei Jahre Zeit, um wieder aufzusteigen, lässt sich die Favoritenstellung nicht wegdiskutieren. Diesem Anspruch möchte man auch gerecht werden. „Selbstverständlich nehmen wir als Bayernligaabsteiger diese Rolle an“, betont Zietsch, „aber wir müssen es auf dem Platz dann auch beweisen“.

Die erste Gelegenheit dazu haben die Feuchter gleich am Freitag (Anpfiff: 19 Uhr) beim prestigeträchtigen Eröffnungsspiel der Landesliga Nord Ost in Schwabach gegen den örtlichen SC 04.

So könnte die Startelf des SC Feucht aussehen: Andreas Sponsel – Marco Wittmann (Neuzugang), Alex Nikopoulos, Christopher Uwadia (Neuzugang), Kaya Yasar (Neuzugang) – Philipp Mandelkow (Neuzugang), Felix Spielbühler – Michael Eckert, Marco Christ (Neuzugang), Fatih Boynügriolu – Michal Nowak

N-Land Krischan Kaufmann
Krischan Kaufmann