Theaterstück in Feucht über Religionskonflikte

Alles Glaubenssache

Alle Charaktere scheitern schließlich an ihren Aufgaben, gelangen durch ihre Prüfungen aber zu wichtigen Erkenntnissen. | Foto: Walter2018/03/Feucht-Anders-als-du-glaubst.jpg

FEUCHT – Ein fester Glaube an einen Gott kann in schweren Lebenslagen oft hilfreich sein, doch was nach dem Tod kommt, weiß niemand so genau. Die Protagonisten des Theaterstückes „Anders als du glaubst“, der Theatergruppe „Berliner Compagnie“ durchleben in dem Stück ihr persönliches Dasein im Jenseits und stoßen dabei an so manche Grenze ihres Glaubens.

Der Feuchter Asylhelferkreis, der Kulturkreis der Marktgemeinde und weitere Organisatoren luden die Berliner Schauspielgruppe in die Reichswaldhalle ein. Das Stück sollte den Zuschauern vergegenwärtigen, dass die Schwierigkeiten, welche die großen Fluchtwellen aufgetan haben, noch immer aktuell sind, nicht zuletzt, da Ende 2016 laut UNO-Flüchtlingshilfe weltweit über 65 Millionen Menschen auf der Flucht waren.

Meist sind Konflikte und Verfolgung im Heimatland die Ursachen. Laut Mitorganisator Ernst Klier existieren auf der Erde momentan 17 Konflikte mit religiösen Hintergründen. Ist also der Glaube an ein höheres Wesen – egal ob Allah, Jahwe oder Gott, Schuld an all diesen Kriegen?

Religionen-Clash im Jenseits

Nach einem tödlichen Anschlag treffen ein Rabbiner, eine muslimische Lehrerin und eine gläubige Christin, gemeinsam mit einem linken Atheisten und einem rechtsgesinnten Islamkritiker im Jenseits aufeinander.

Schnell wird ihnen klar, dass niemand in seinem eigenen Paradies angekommen ist. Bevor sie ihre Ruhe finden können, werden sie von einem kindlichen Wesen vor eine große Aufgabe gestellt: irdischem Unglück mittels ihres Glaubens entgegenzuwirken.

So führt sie ihre Reise unter anderem nach Mali in ein Ausbildungslager der Al Quaida. Hier steht ein deutscher Terrorist vor seiner Hinrichtung durch einen fanatischen Islamisten.

Von Juden vertrieben

Die Muslima sieht sich gezwungen, dem Henker entgegenzutreten, um ihm seine Grausamkeit vor Augen zu führen. Der Krieger sieht es aber als seine Pflicht, den „Ungläubigen“ zu töten, doch die Muslima versucht ihm zu erklären, dass der Koran, ebenso wie Schriften anderer Religionen, nicht wörtlich zu verstehen ist.

„Der Koran muss im historischen Kontext betrachtet werden und die Mehrdeutigkeit der Verse darf nicht ignoriert werden“, erklärt die junge Frau, doch ihre Bemühungen scheitern.

Die Reise führt die fünf Protagonisten weiter zum Bruder des Rabbiners nach Israel. Die junge Muslima erkennt diesen Ort als Heimat ihrer palästinensischen Großeltern wieder.

Es stellt sich heraus, dass sie im Zuge des Israelischen Siedlungsbau von Juden vertrieben wurden und nun in einem Flüchtlingslager in Gaza leben müssen. Als der Rabbi seinen Bruder für diese Untat tadelt, wirft dieser ihm Antisemitismus und Leugnung des Wort Gottes vor, der den Juden das gelobte Land versprochen hatte.

Thema Kapitalismus

Auch der Kapitalismus nahm am Ende eine große Rolle ein: Ilse Aigner in ihrer ehemaligen Funktion als Landwirtschaftsministerin zu Gast in Ghana. Hier begleitet sie eine Hilfslieferung mit günstigem Hühnerfleisch. Doch nicht jeder der Dorfbewohner ist von dieser Geste begeistert; ein ghanaischer Geflügelzüchter wird aufgrund der günstigen Waren seiner Existenz beraubt und plant, sich das Leben zu nehmen.

Doch die Politikerin ermöglicht ihm eine neue Arbeit: die Verwertung und Verbrennung von europäischem Abfall. Eine vermeintliche Win-Win-Situation, doch den Preis zahlen die Bewohner mit der Verschmutzung ihrer Umwelt.

Alle fünf Charaktere scheitern schließlich, trotz ihres Glaubens an die ihnen gestellten Aufgaben. Als das kindliche Wesen sie nach dem Ergebnis ihrer Reise befragt, gestehen sie sich ein, dass noch einiges getan werden muss, um ein weltweit friedliches Miteinander der drei abrahamitischen Religionen zu ermöglichen.

Eine universelle Lösung religiöser Spannungen liefert das Stück nicht, viel mehr plädieren die Künstler für einen interreligiösen Dialog, um Vorurteile und Fanatismus im Keim zu ersticken. Die im Theaterstück stets wiederkehrende Kritik an Religionen beruht nicht nur darauf, die negativen Seiten eines Glaubens zu beleuchten, sondern alle Facetten gleichermaßen zu diskutieren.

Zu Beginn hatte Klier, Mitglied des Asylhelferkreises, gesagt, dass Glaube momentan für einiges herhalten müsse, doch das Stück bewies, dass eine Religion auch moralische Werte predigt, die ein gemeinsames Miteinander erleichtern können.

N-Land Robin Walter
Robin Walter