Amtsgericht Hersbruck

38-Jähriger fühlte sich von Prostitutierter betrogen

Vor dem Amtsgericht Hersbruck fand ein Prozess wegen versuchter Erpressung statt. | Foto: recht_schoen - Fotolia2018/04/AdobeStock_23385960.jpg

FEUCHT/HERSBRUCK – Aus Frust wollte ein 38-Jähriger eine Nebenerwerbsprostituierte aus Feucht erpressen, machte dabei aber einen dummen Fehler. Das Amtsgericht Hersbruck verurteilte ihn jetzt zu einer Geldstrafe.

Der 38-jährige korpulente Hilpoltsteiner machte gleich zu Beginn der Verhandlung klar: „Der Sachverhalt stimmt genau so, wie von der Staatsanwältin vorgetragen.“ Demnach hatte er im April eine Prostituierte aufgesucht und, nachdem er von dieser abgewiesen wurde, sie zu erpressen versucht. Per Brief soll er 4000 Euro von ihr gefordert haben und im Falle der Nichterfüllung damit gedroht haben, pikante Fotos von ihr zu veröffentlichen, die er sich aus dem Internet besorgt hatte. Dies war deshalb pikant, weil sie ihm erzählt hatte, sie sei verheiratet und mache das Ganze nur nebenbei.

Der ebenfalls verheiratete Angeklagte erklärte: „Es ging mir nicht ums Geld, die Abweisung und die falschen Versprechungen der Dame waren Ursache für meine Verzweiflungstat.“ Schnell wurde dann im weiteren Verlauf der Verhandlung allerdings klar, dass der Erpresserbrief im Briefkasten der völlig unbeteiligten Nachbarin in Feucht landete. Aus Versehen.

Emotional sehr bewegt
Geld floss nicht, wenngleich der Angeklagte bald darauf noch einmal auftauchte, um zu fragen, ob sie seiner Forderung nachkommen würde. Die verdutzte Nachbarin verständigte die Polizei, die den Erpressungsversuch aufklärte. Während der Verhandlung und seiner Schilderungen war der Angeklagte emotional sehr bewegt, berichtete von derzeit großen persönlichen Problemen. Er entschuldigte sich bei der als Zeugin erschienenen Nachbarin.

Staatsanwältin Anne Neckermann plädierte auf „schuldig der versuchten Erpressung“ und attestierte dem 38-Jährigen eine durchaus hohe kriminelle Energie. Sie bewertete das Geständnis und die Entschuldigung positiv und plädierte auf 150 Tagessätze von 35 Euro. Auch die Verteidigerin räumte ein, dass „Erpressung – wenn auch im Versuch stecken geblieben – eine erhebliche Straftat ist“. Sie hob hervor, dass ihr Mandant bisher keinerlei Einträge im Bundeszentralregister hatte. 100 Tagessätze seien ausreichend.

Letztlich verurteilte Richter Andrè Gläßl den Hilpoltsteiner wegen versuchter Erpressung zu 120 Tagessätzen à 35 Euro. Somit gilt der 38-Jährige als vorbestraft und wird wohl seinen neu angestrebten Beruf nicht antreten können.

N-Land Helmut Neitz
Helmut Neitz