A3: Unfall von 2016 vor Gericht

Fahrfehler endet tödlich

Der Jeep war klein, hatte keinen Seitschutz und keine Gurte. Deshalb war die Wucht des Lkw-Aufpralls so schwerwiegend. | Foto: NEWS5 / Grundmann2017/09/Unfall-A3-.jpg

ALTDORF/HERSBRUCK – Im Juni 2016 fuhr ein Lkw auf der A3 so heftig auf einen Oldtimer-Militär-Jeep auf, dass eine Mitfahrerin auf die Straße hinausgeschleudert wurde und starb. Der Mann am Steuer erhielt später per Strafbefehl eine Geldstrafe, was er aber nicht akzeptierte. Gestern war am Hersbrucker Amtsgericht Hauptverhandlung, in der es letztlich aber nur um die Höhe der 120 Tagessätze ging.

Der Unfall geschah nachts um 1.37 Uhr auf der A3 bei Altdorf. Wie zwei Gutachten bestätigen, übersah der Lkw-Fahrer einen Willys MB, der vor ihm auf dem rechten Fahrstreifen mit 65 km/h unterwegs war. Er bremste zwar, erfasste aber doch noch mit 87 km/h eine Ecke des Anhängers, den der Jeep hinter sich her zog. Das Gespann geriet ins Schleudern, drehte sich und stieß gegen die Mittelleitplanke.

Das Fatale: Der Oldtimer hatte keine Türen und keine Sicherheitsgurte, so dass die Beifahrerin, eine 56-Jährige, herausgeschleudert wurde und starb. Ein Mann auf der Rückbank prellte sich die Rippen, der Fahrer blieb unverletzt.

Mit gesenktem Blick, aber gefasst, sitzt der Deggendorfer Lkw-Fahrer auf der Anklagebank und erzählt, dass er die tote Frau als Erster gefunden habe und dass er helfen wollte. „Ich werde das nicht vergessen“, sagt er. Und: „Ich bedaure das für die Familie, und ich möchte mich auch entschuldigen.“

Richterin Anja Grammel hat keine Schwierigkeiten, ihm das zu glauben, fragt aber: „Was ist Ihr Ziel?“ Staatsanwalt Daniel Wagner wundert sich auch: Durch seinen Fahrfehler sei ein Mensch gestorben, das sei schwerwiegend. 120 Tagessätze für fahrlässige Tötung und Körperverletzung sei keine hohe Strafe. Warum also akzeptierte er den Strafbefehl nicht?

Der Angeklagte antwortet: „Die Strafe ist zu hoch. Ich habe den langsamen Pkw mit dem Anhänger nicht gesehen. Dann wollte ich ausweichen, das hat aber nicht geklappt.“ Bei einem anderen Fahrzeug wäre der Unfall keinesfalls so schlimm ausgegangen, argumentiert er. Das sei „eine Verkettung unglücklicher Umstände“.

Der Staatsanwalt erwidert, dass genau das bereits berücksichtigt sei. Die Richterin stellt auch klar, dass die volle Verantwortung dennoch bei ihm liegt: „Ihnen kann nicht zugute kommen, dass es kein normales Auto war.“ Es stehe fest, dass er „viel zu spät reagierte, voll hätte bremsen müssen und schneller als 80 km/h war“. Der Staatsanwalt ergänzt: „Sie hätten die Lichter des Pkw sehen müssen.“

Nach kurzer Besprechung mit seinem Anwalt beschränkt der 42-jährige Familienvater seinen Einspruch auf die Tagessatzhöhe, weil er weniger Geld zur Verfügung habe, als das Gericht für den Strafbefehl geschätzt hatte. Statt 120 Tagessätze à 60 Euro muss er jetzt nur 120 mal 29 Euro bezahlen. Außerdem hat er für zwei Monate seinen Führerschein abgegeben.

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz