Laufer Literaturtage: Andreas Martin Hofmeir

Erinnerungen eines Tubisten

Tubist Andreas Martin Hofmeir und Pianist Tim Alloff unterhielten das Publikum mit Musik und Anekdoten. | Foto: Dorn2017/11/Literaturtage-Hofmeir-an-der-Tuba.jpg

LAUF — Ihren Namen hat sich die Tuba vom lateinischen Wort für „Rohr“ geborgt. Weil der Erfinder, ein Berliner mit Namen Wieprecht, dieses Rohr wahrscheinlich aus praktischen Erwägungen mehrfach gebogen hat, kann man durch dieses Rohr nicht hindurchschauen. Man schaut buchstäblich in die Röhre. Da die Tuba aufgrund ihrer Technik tonal etwas beschränkt ist und der Autor der heutigen Lesung seinen Musikschullehrer mit den Worten „So eine faule Sau habe ich noch nie gesehen!“ zitiert, könnte sich dieser Bericht daran ein Beispiel nehmen und hier enden.

Das tut er aber nicht, und zwar aus drei Gründen: Erstens liest Andreas Martin Hofmeir, der frühere Tubist der doch ziemlich bekannten Gruppe „LaBrassBanda“. Zweitens gibt es da Ungereimtheiten zwischen Lebenslauf und behaupteter Faulheit. Hofmeir ist Professor am Mozarteum in Salzburg, Mitbegründer von „LaBrassBanda“ (die er 2013 verließ), hat in mehr als 30 national und international renommierten Orchestern mitgespielt, etliche Preise gewonnen und tourt aktuell mit seiner Lesung „Kein Aufwand“, einer vogelwilden Melange aus Lesung, Kabarett und Konzert durch die deutschsprachige Geografie. Drittens hat er den E-Piano-Jazzer Tim Alloff mitgebracht, weil Gitarrist André Schwager erkrankt ist. Und die Musik macht Laune.

Beinahe unglaubliche Jugenderlebnisse

Auf der Laufer Bühne sitzt er barfuß im Drei-Streifen-T-Shirt, das seine stämmige Figur so recht zur Geltung bringt. Im Nu verbreitet er bayerische Stammtischgemütlichkeit, wobei der Dialekt eine wesentliche Rolle spielt. Die Lesung selbst lebt von den beinahe unglaublichen Jugenderlebnissen und sparsamen, eindeutig-vieldeutigen Grimassen. Weil er das Publikum im ausverkauften Haus gern direkt – fast schon penetrant nachfragend – anspricht, entsteht schnell eine kumpelhafte Vertrautheit, bei der sein strotztrockener, erdiger Humor gut ankommt.

Bloß kein Aufwand; der Buchtitel prägt die gesamte verbale Veranstaltung. Was mit der Zeit ermüdet, sind die künstlichen Pausen und die ewigen Wiederholungsschleifen mit oberlehrerhaften Tendenzen.

Vielseitige „Fanny“

Die schrägen Situationen konterkariert ihre fantastische Musik. Tim Alloff spielt ein lässiges E-Piano und Hofmeirs Tuba „Fanny“ erweist sich als erstaunlich vielseitig. In der Musik spürt man sein Können. Mit vui Gfui, also mal gefühlvoll, mal temperamentvoll, präsentiert das Duo Stücke aus vielen Weltgegenden, aber nach Hofmeir „alles brasilianische Liebeslieder“. Wundervoll interpretiert wie das Flötenkonzert von Telemann, umfunktioniert für die Tuba, oder melancholisch wie „Since you left“ bringen sie das Auditorium erst zum atemlosen Zuhören und dann zum frenetischen Klatschen. Nur beim flotten „Deixa“ haut die Publikumsbeteiligung nicht hin, weil es „geht so“ bedeutet, im Bayerischen eben „passt scho“ – das aber ist im Fränkischen halt ein deutliches Lob.

Das Vexierspiel, das Verwirren der Zuhörer beherrscht Hofmeir perfekt. Genüsslich und hinterfotzig mengt er glaubhaft wahre Geschichten mit offensichtlich Falschem und vielem, bei dem der Wahrheitsgehalt unklar bleibt.
Schließlich trägt er – bereits in den Zugaben – ein Gedicht in „Starckdeutsch“ vor, welches eben wegen der gewählten Sprechweise kaum verständlich und inhaltlich scharf am Nonsens vorbeischrammt. So bleibt ein sehr differenziertes Fazit, trotz des lautstarken Applauses:

Hofmeirs Musik ist purer Ohrenschmaus, die Lesung hat ihren Fun-Faktor, aber auch notwendigerweise Längen – weil er ein kleines Buch mit aneinandergereihten Anekdoten zu einer zweiteiligen Show aufmotzt (der zweite Teil folgt im Februar 2018 in Nürnberg). So viel Substanz gibt das Buch aber bei aller Liebe nicht her. Insbesondere die „starckdeutschen“ Gedichte dürften nur einem kleinen Personenkreis gefallen. Ein Tipp dazu: Wie bei Mundart-Texten fällt das Verständnis leichter, wenn die Verse laut gelesen werden.


N-Land Reinhard Dorn
Reinhard Dorn