Mittelalterlicher Münzfund

Erfolgreiche Schatzsuche per Metalldetektor

Stefan Dietrich aus Erlangen (links) und sein Laufer Sondengänger-Kollege Julian Fischer haben den Galgenberg bei Betzenstein im Visier. „Da muss was rumliegen“, sind sie sich wegen der bewegten Geschichte des Areals sicher. | Foto: Trenz2019/01/schatzsucher-lauf-betzenstein.jpg

LAUF/BETZENSTEIN/ERLANGEN — Fast jeder hat schon einmal davon geträumt, einen Schatz zu finden. Julian Fischer aus Lauf und Stefan Dietrich aus Erlangen ist es geglückt. Zwischen Waiganz und Stierberg bei Betzenstein haben sie 14 mittelalterliche Silbermünzen gefunden. Sie wurden der Stadt Betzenstein als Dauerleihgabe überlassen. Ein kleiner Schatz.

Der 53-jährige Dietrich und sein 20 Jahre jüngerer Freund Fischer sind Sondengänger – Schatzsucher, die mit einem Metalldetektor, einer kleinen Schaufel und sonstigem Werkzeug unterwegs sind und nach Verborgenem in Äckern oder Wäldern suchen. Rund um das oberfränkische Betzenstein sieht man sie in letzter Zeit oft, mit Wissen der Stadt sowie der Besitzer der Grundstücke. Und des historischen Arbeitskreises, der die Leidenschaft der beiden Schatzsucher begrüßt, hat er doch mit Rainer Seitz aus Betzenstein selbst einen Sondengänger in seinen Reihen.

Das Auffinden des Münzhortes – so bezeichnet der Sondengänger einen Fund mehrerer Münzen an einer Stelle – ist für Seitz schon fast so etwas wie „ein Sechser im Lotto“. Denn alltäglich ist so etwas nicht, auch wenn die kleinen Münzen für den Laien nur aussehen wie unförmige, plattgedrückte Metallplättchen mit ein bisschen Muster drauf.

Schlachtfeld war ein Reinfall

Es müssen auch nicht immer gleich Münzen sein, die beim Schatzsucher Glücksgefühle auslösen. Ringe, Kreuze oder Beschläge sind das, was Dietrich und Fischer am meisten finden. Zurzeit haben sie den Galgenberg nördlich von Betzenstein im Visier. Besser gesagt, das Gebiet, wo man eine mittelalterliche Hinrichtungsstätte vermutet. Vor einigen Wochen haben die beiden ein angebliches Schlachtfeld aus der napoleonischen Zeit (1792–1815) bei Hüll unter die Lupe beziehungsweise unter die Sonde genommen. Ohne Erfolg. Aber auch damit muss der Schatzsucher leben. „Außer ein paar Musketenkugeln haben wir nichts gefunden“, sagen Dietrich und Fischer, „aber die können auch von einer Jagd stammen.“

Wie kommen die beiden auf Betzenstein? „Die Gegend ist historisch sehr interessant“, sagt Fischer. Dadurch, dass auch hier der 30-jährige Krieg gewütet hat, dass die französischen Truppen Napoleons hier waren und es hier mehrere Burgen gegeben hat – „da muss was rumliegen“. Seitz kann das als Heimathistoriker nur bestätigen. Betzenstein habe zwischen mehreren Burgen gelegen: dem Riegelsteiner Schloss, der Leupoldsteiner, Spieser, Stierberger und Betzensteiner Burg. „Da muss es Handelswege gegeben haben und Betzenstein lag im Zentrum.“ Der Münzhort mit den 14 Silbermünzen sei dafür ein Beweis.

Münzen werden bestimmt

Es ist nicht nur die Suche nach dem Schatz, die seriöse Sondengänger begeistert, sondern auch das, was vorher und nachher passiert. „Wir lesen sehr viel, sagt Dietrich, „alte Karten, Bücher und Dokumente“. Damit lässt sich eine Region als interessant oder eher uninteressant für den Schatzsucher bestimmen und auch das Suchgebiet einigermaßen eingrenzen. Nach dem Fund geht es dann um die Bestimmung seines Alters und um das Festhalten möglicher Zusammenhänge. In Sachen des Stierberger Münzhorts sieht man jetzt durch die Herkunft der Münzen bestätigt, dass die Burg Stierberg in pfälzischer Hand war. „Einen wissenschaftlich begründeten Zusammenhang sollen jedoch die Archäologen herstellen“, so die Schatzsucher.

Sechs der insgesamt 14 Silbermünzen. Der Hortfund ist im Maasenhaus in Betzenstein zu besichtigen. | Foto: Trenz2019/01/schatzsucher-betzenstein-munzen-lauf.jpg

Mit letzterem Berufszweig hätten die beiden gerne ein besseres Verhältnis, denn Archäologen beobachten ihre Unternehmungen mit Argusaugen. „Das liegt an den schwarzen Schafen unter den Sondengängern“, sagt Dietrich, von denen er und Fischer sich abgrenzen wollen. Dazu braucht es nicht viel. Das Begehen von Fluren mit dem Metalldetektor ist in Bayern legal, wenn man sich an die Regeln hält. Das heißt: Genehmigungen zur Begehung von den Grundstückseigentümern einholen, einen weiten Bogen um Bodendenkmäler machen und Funde, die aus der napoleonischen Zeit und vorher sind, dem Landesamt für Denkmalschutz melden und mit ihm zusammenarbeiten. Dietrich: „Ein Bodendenkmal ist für uns absolut tabu.“

Die beiden möchten ein Vertrauensverhältnis herstellen zwischen den Anwohnern, den Eigentümern und Pächtern, den Jägern und den Spaziergängern: „Dadurch haben sich schon viele Freundschaften gebildet, die bis heute andauern.“

Nach dem Fund wird geteilt

Laut Gesetz gehört ein Fund je zur Hälfte dem Grundstückseigentümer und dem Finder. „Bis dato hatten wir damit noch überhaupt kein Problem“, so Fischer und Dietrich. Kann der Wert eines Fundes taxiert werden, bezahlen sie dem eigentlichen Eigentümer die Hälfte des Werts aus. Einen Kasten Bier gibt es manchmal obendrein. Dass die beiden ihr Hobby nicht ausüben, um Geld damit zu verdienen, beweist die Überlassung der Münzen an die Stadt Betzenstein.

Vieles, vor allem die Kontaktaufnahme zu Grundstückseigentümern, läuft über Bürgermeister Claus Meyer, der auch Mitglied im historischen Arbeitskreis ist. „Für die Stadt und den historischen Arbeitskreis ist der Hortfund sehr wertvoll und aufschlussreich“, sagt Meyer: „Wir haben jetzt endlich mal etwas aus unserer Stadtgeschichte, was wir präsentieren können, worüber wir uns sehr freuen.“

Die 14 mittelalterlichen Silbermünzen sind im sogenannten Maasenhaus in Betzenstein ausgestellt. Weitere Informationen gibt es hier.

N-Land Klaus Trenz
Klaus Trenz