Auch Hersbrucker Krankenhaus protestiert mit

Gegen Pflegenotstand

Laut der Gewerkschaft ver. di fehlen in Deutschland 162 000 Beschäftigte in Krankenhäusern. Um das zu demonstrieren, hielten auch in Hersbruck Krankenhausmitarbeiter jeweils eine dieser Zahlen nach oben. Foto: Will2015/06/5_2_1_2_20150625_PFLEGE.jpg

HERSBRUCK – Es ist nur ein Beispiel, aber es könnte sich genau so am Hersbrucker Krankenhaus zutragen: Eine Fachkrankenschwester beginnt ihren Dienst um 21 Uhr. Bis 8.15 Uhr muss sie sich alleine um 35 Patienten kümmern, von denen 13 absolut pflegebedürftig, sechs bedingt pflegebedürftig sind und einer intensiv überwacht werden muss.

Dazu kommen drei Patienten, die sich in einem verwirrten Zustand befinden. In der Nacht sind drei Patienten gestürzt, die Krankenschwester kann alle nur minimal versorgen. Genau gegen diese Zustände richtete sich gestern ein bundesweiter Protest, an dem sich auch Mitarbeiter des Hersbrucker Krankenhauses und der Frankenalbklinik in Engelthal beteiligten.

Im Vergleich zu Pflegekräften in der Schweiz oder den Niederlanden, so die Gewerkschaft ver.di, versorgt eine deutsche Pflegekraft pro Schicht doppelt so viele Patienten. Es fehlten in Deutschland 162.000 Mitarbeiter, um gute Arbeit in den Kliniken zu leisten. Allein in der Krankenpflege sind es laut ver.di 70.000. Das führt zu jenen Zuständen auf den Stationen, die die Hersbrucker Betriebsrätin Kerstin Weißmüller beschreibt: „Es fehlen viele Stellen, und wenn einer ausfällt, läuft die Station am Limit. Die Kollegen arbeiten zehn Tage am Stück in drei Schichten.“ Die Forderung der Protestierenden: Sie wollen eine gesetzliche Personalbemessung. „Die Patienten“, so Kerstin Weißmüller, „sind wie unsere Angehörigen – die wollen wir adäquat behandeln.“

Seit dem 28. April liegt der Entwurf für eine „Krankenhausreform“ vor. Als Maßnahme gegen den Personalnotstand ist darin lediglich ein Pflegeförderprogramm vorgesehen, so ver.di, was für 2016 gerade mal eine Pflegestelle pro Krankenhaus, in drei Jahren durchschnittlich maximal drei Stellen bringe. „Was der Gesetzentwurf an Verbesserungen für die Pflege vorsieht, ist eine Mogelpackung und erbärmlich, für andere Berufsgruppen ist gar nichts vorgesehen“, kritisiert ver.di-Sekretär Peter Schmitt-Moritz.

Deshalb rief die Gewerkschaft zum Protest auf. In allen Krankenhäusern Deutschland gingen die Angestellten heute vor die Tür und hielten Zahlen nach oben. Das Motto: „162.000 für 162.000 – Mehr von uns ist besser für alle“.

N-Land Susanne Will
Susanne Will