Mittelalterliches Essen nach dem Gottesdienst

Eingeladen zum Speisen an Luthers Tisch in Ottensoos

Wie im Hause Luthers: Katharina von Bora (Elfriede Deinzer) bedient „ihren Ehemann“ (Jürgen Schmidt) und den Ottensooser Pfarrer Albrecht Kessel. | Foto: Dorn2017/11/reformation-ottensoos-luther-vinzenz.jpg

OTTENSOOS — Der Ottensooser Pfarrer Albrecht Kessel begann seinen Gottesdienst zum Reformationsjubiäum mit den Worten „Hier stehe ich, ich kann nicht anders!“, die Martin Luther anlässlich seiner Anhörung beim Reichstag zu Worms 1521 gesagt haben soll.

Allerdings ist dieser Satz ebenso wenig sicher verbürgt, wie der Anschlag der Thesen an der Wittenberger Kirche am 31. Oktober 1517. Gefeiert wurde dieser Reformationstag dennoch schon bald nach Luthers Aktion in vielen Gemeinden; 100 Jahre später, 1617, gab es in den meisten lutherischen und reformierten Gebieten Gedenkgottesdienste. Johann Georg II. von Sachsen machte für sein Herrschaftsgebiet 1667, also nach 150 Jahren, den 31. Oktober einheitlich zum Gedenktag für alle Protestanten.

Ganz dem Geiste Luthers war es Pfarrer Kessel in St. Veit in Ottensoos wichtig, dass die Feierlichkeiten des letzten Jahres Reformations- und keine Lutherfeiern waren, „denn Luther hätte sich ganz bestimmt gegen diesen Persönlichkeitsrummel gewehrt“.

Der Gottesdienst wurde umrahmt vom Posaunenchor Ottensoos, der die Kirchenlieder wechselseitig instrumental und stimmlich unterstützte. Beeindruckend seine erst moderne und dann die von Bach gesetzte Variante von Luthers zentralem Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“.

Speisen wie an Luthers Tisch

Dem Gottesdienst folgte die Einladung, wie an Luthers Tisch zu speisen. Dieser halb begab sich eine erkleckliche Anzahl von Kirchgängern ins Gemeindehaus, wo die Tafel bereits geschmackvoll gedeckt auf Getränke und Mahlzeit wartete, getreu dem Lutherspruch: „Unser Herrgott gönnet uns gern, dass wir essen, trinken und fröhlich sind und alle Kreaturen brauchen, denn darum hat er sie alle geschaffen“.

Vor dem Kredenzen der Speisen aber wurde in einem vergnüglichen Historienspiel gezeigt, wie Luther mit Hilfe seines Vertrauten Leonhard die Nonnen aus dem Kloster Nimbschen befreite, seine Käthe ehelichte und mit ihr einen Haushalt gründete, an dem sich – wie auch heute – immer mehr hungrige Mäuler einfanden als eigentlich geplant war. Für die Akteure gab es reichlich Applaus, und den erneut, als diese in ihre weitere Rolle schlüpften und in ihren Kostümen Trinken und Essen für die Gäste auftrugen.

Ein Essen, wie es zur Zeit Luthers durchaus hätte serviert werden können. Das Hauptgericht – Gulasch mit Karottengemüse, Zwiebelmus und Krustenbrot – stammte aus dem Kochbuch „Wie man eyn teutsches Mannsbild bey Kraefften haelt“. Gekocht wurde das Essen bei Birgit Lehmeier in Rüblanden, die bewunderte Idee zu diesem historisch begründeten Beisammensein hatte Elfriede Deinzer, die zudem authentisch die Katharina von Bora, verheiratete Lutherin, gab. Angeregte Gespräche über den Lutherfilm des Vortags, kirchliche und weltliche Themen und immer wieder positive Kommentare zum guten Essen ließen die Zeit wie im Flug vergehen.

N-Land Reinhard Dorn
Reinhard Dorn