Vortrag über ‚Lernen durch Spielen‘ am Montag

Einfach nur spielen

Immer seltener können Kinder heute frei Spielen, sagt Torsten Heuer. | Foto: vejaa - stock.adobe.com2018/04/AdobeStock_158762225.jpeg

HERSBRUCK – Überall wird Bildung und Förderung gefordert. Es gibt Ganztagesschulen, Frühförderprogramme und jede Menge anderer Angebote, Kinder mit Wissen zu versorgen. Dabei kommt das freie und ungezwungene Spielen mit anderen Kindern oft zur kurz. Scheint das im Vergleich zu früher vielleicht nur so? Hat Spielen seinen Stellenwert verloren und was können Kinder im Spiel mit anderen eigentlich alles lernen? Über dieses Themenfeld hält Torsten Heuer am Montag, 9. April, um 19.30 Uhr den Vortrag „Das freie Spielen unserer Kinder – eine Lernsituation stirbt aus“. Der ASB Nürnberger Land lädt dazu alle Pädagogen und Eltern in die Hersbrucker Geru-Halle ein.

Der Vortrag lautet „Das freie Spielen unserer Kinder – eine Lernsituation stirbt aus“. Was meinen Sie damit?

Torsten Heuer: Wir leben in einer Gesellschaft, die Kinder fördern möchte, vor allem weil suggeriert wird, wir seien bildungsmäßig auf dem falschen Weg. Daher haben wir ein Bildungssystem entwickelt, in dem die Kinder geplant zu bestimmten Zeiten dies und das lernen müssen. Dabei vergessen wir, dass wir früher einfach draußen waren, mit anderen Kindern gespielt haben und beispielsweise reden mussten, um dabei sein zu können. Das war unsere lebensnahe Sprachförderung. Ich möchte mit dem Vortrag zeigen, was an Kreativität und Vielfalt im freien Spiel steckt.

Warum ist dieses freie Spielen so wichtig?

Eigentlich ist Spielen eine hoch ernste Geschichte, auch wenn man sie mit Spaß und Freude ausführt. Aber da steckt ein Trainingscharakter dahinter. Bestes Beispiel ist das Tierreich: Ein junger Wolf lernt spielerisch aggressives Verhalten und Jagen, imitiert seine Eltern. Und auch Kinder tun das. In Ihnen steckt Langmut, so dass sie Dinge wiederholen, bis diese sitzen, und sich erst dann neuen Sachen zuwenden. Zudem ist das Lernen von Älteren wichtig.

Welche Formen des Spiels gibt es denn?

Wir sprechen von vier Grundarten: im Rollenspiel imitieren wir die Welt um uns herum. Das Funktions- oder Übungsspiel kann aus Langeweile oder Freude über sich selbst entstehen. Da schlägt man zum Beispiel minutenlang mit dem Stock aufs Wasser. Das ist Voraussetzung für das Konstruktionsspiel, sozusagen ein Weg des Entdeckens und Entwickelns. Hier überlegen Kinder beispielsweise, was man mit Wasser noch machen kann, wie eine Staumauer bauen. Spielen Jungs und Mädels gemeinsam Gummi-Twist oder Himmel und Hölle, befinden sie sich im Regelspiel.

Warum hat sich der Stellenwert von Spielen so gewandelt?

Zum einen verbraucht der Faktor Medien viel Freizeit, aber das ist ein eigenes Thema. Zum anderen glauben Eltern heute, das Maß der Dinge zu sein. Als gute Eltern gilt man, wenn man möglichst viel mit seinem Nachwuchs macht. Hier wird mit dem schlechten Gewissen gearbeitet: Für eine gute Bildung muss frühkindliche Erziehung sein. Dabei sollten Eltern nur den Rahmen bilden für freies Spiel, das sich dann entwickeln muss. Daher ist es nicht gut, wenn man Spielen auf eine halbe Stunde beschränkt – da bleibt das Kind vielleicht im Funktionsspiel stecken – oder man dem Kind sagt, es solle dies oder das bauen.

Merkt man dem Nachwuchs das fehlende freie Spiel an?

Im Bereich der motorischen Entwicklung ist tatsächlich immer öfter bei der Einschulung festzustellen, dass Kinder nicht mehr auf einem Bein stehen können. Ihr Gleichgewicht und manch andere grundlegenden Fähigkeiten wurden im Vorfeld nicht mehr ausreichend trainiert. Darüber hinaus fehlt es manchen Kindern an Fantasie und Kreativität, Situationen zu gestalten oder zu verändern.

Was brauchen Kinder – und vielleicht auch Eltern – für mehr freies Spiel im Leben?

Ich denke, einfach mehr Gelassenheit. Eltern sollten sich an die eigene Kindheit erinnern und wenn sie Zeit haben, nicht in Aktionsmuster verfallen, sondern sich dem Nachwuchs zur Verfügung stellen oder Kinder einfach mal in Ruhe (spielen) lassen.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch