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Keine Post in Schwaig und Leinburg

Eine Woche ohne Briefträger

In manchen Ecken Schwaigs zuletzt kein täglicher Anblick: der Zusteller. | Foto: kzenon/gettyimages.de2018/05/getty-images-post-stock.jpg

SCHWAIG/LEINBURG — In Schwaig und Teilen Leinburgs gab es in den vergangenen Wochen massive Probleme bei der Briefzustellung. Einzelne Haushalte und Unternehmen erhielten entweder nur unregelmäßig oder sogar bis zu einer Woche lang überhaupt keine Post. Schuld sei eine „hohe Ausfallquote“ bei den Zustellern, so die Deutsche Post AG. Sie gelobt Besserung.

Werner Schrodberger aus Schwaig ist auf die Post angewiesen. Der Diplom-Sozialpädagoge hat eine Betreuungskanzlei, er bekommt regelmäßig Schreiben von Ämtern und Gerichten. „Da sind Fristen zu berücksichtigen“, sagt Schrodberger, „ich kann es mir nicht leisten, länger als eine Woche nicht auf solche Briefe zu reagieren“. Doch die Post hat ihn zuletzt im Stich gelassen. Schrod­berger hat sich notiert, wann sein Briefkasten gefüllt wurde: am 3. Mai, danach am 7. Mai und schließlich erst eine Woche später wieder, am 14. Mai. Eine ganze Woche, ohne dass der Zusteller vorbeikommt? „Das hat Ausmaße angenommen, die einen Fortbestand des Geschäftsbetriebs gefährden“, so der Berufsbetreuer.

Schrodbergers Kanzlei liegt in einer Ecke Schwaigs, in der es in den vergangenen Wochen immer wieder Probleme mit der Post gab. Die Pegnitz-Zeitung hat darüber bereits im März berichtet. Seither melden sich fast täglich Betroffene. Aus dem Mittelbügweg zum Beispiel berichtet eine Anwohnerin, sie erhalte seit geraumer Zeit nur zwei- bis dreimal pro Woche Post – „einmal gab es dann 32 Briefe auf einmal“. Immer wieder kämen Mahnungen, weil auch Rechnungen nur mit Verspätung einträfen, so die Frau.

„Die Zustellung hat mindestens einmal werktäglich zu erfolgen“: Das steht in den von der Bundesregierung per Verordnung definierten „Qualitätsmerkmalen der Briefbeförderung“. Die Deutsche Post AG hat sich verpflichtet, diese einzuhalten, dafür sind ihre Briefdienstleistungen von der Umsatzsteuer befreit.

Doch nicht nur in Schwaig scheint es bei der werktäglichen Zustellung zu hapern. Auch Beate Schmidt aus dem Leinburger Ortsteil Reuth berichtet von Problemen. Sie erhalte seit Wochen „sehr unregelmäßig“ Post, sagt sie, „etwa alle zwei Tage“. Zweimal ist Schmidt, die einen landwirtschaftlichen Betrieb hat, deshalb schon zum sogenannten Zustellstützpunkt nach Leinburg gefahren und hat dringende Schreiben selbst abgeholt.

Zentraler Stützpunkt

Diesen Zustellstützpunkt gibt es seit einigen Tagen nicht mehr. Die Post hat ihn – wie übrigens auch jenen in Schwaig – geschlossen und verteilt Briefe und Pakete von Röthenbach aus. Der zen­trale Stützpunkt soll Lastwagenfahrten ersparen, sagt Unternehmenssprecher Erwin Nier. Er mag Anlaufschwierigkeiten nicht ausschließen. Allerdings streitet er ab, dass die Zusteller durch den Umzug viel länger als bisher unterwegs zu ihren Bezirken sind und deshalb oft nicht oder zu spät kommen, wie die Reutherin Schmidt vermutet. „Das sind vielleicht zehn Minuten Verzögerung, die spart man an anderer Stelle wieder ein“, so Nier.

Laut dem Sprecher der Post haben die Schwierigkeiten in Schwaig und Leinburg eine andere Ursache: die hohe Krankheitsquote bei den Zustellern. „Ende März und Anfang April hatten wir Probleme mit der Grippewelle, aber seither geht es weiter mit Ausfällen.“ Bei der Betreuungskanzlei „müssen wir – auf gut Bayrisch – die Hosen runterlassen und in aller Form um Entschuldigung bitten“, sagt Nier. Wegen der vielen Ausfälle habe man in diesem Zustellbezirk „nicht so versiertes Personal“ einsetzen müssen. Die Aushilfen seien wiederholt nicht mit ihren Touren fertiggeworden. Am nächsten Tag hätten sie dann, statt an der Stelle weiterzumachen, an der sie am Vortag abbrechen mussten, einfach wieder von vorne begonnen. Schrodbergers Kanzlei liegt am Ende eines Bezirks – deshalb kamen die Aushilfen eine Woche lang nicht bei ihm
an.

Die Deutsche Post AG verspricht Besserung

Nier gelobt Besserung. Das Unternehmen will sicherstellen, dass es „nicht wieder dazu kommt“. Allerdings weist Nier auch darauf hin, dass die Post derzeit Personalsorgen hat. Regelmäßig schalte man Stellenanzeigen, „aber Zusteller ist ein verantwortungsvoller und körperlich anspruchsvoller Job – es ist schwierig, Leute zu finden“.

Ende vergangener Woche kam die Nachricht, dass der Konzern trotz vehementer Kritik an seiner Praxis festhalten will, Arbeitsverträge nur dann zu entfristen, wenn Angestellte auf nicht mehr als 20 Krankheitstage binnen zwei Jahren kommen. Die Kriterien „haben sich bewährt“ und seien „arbeitsrechtlich nicht zu beanstanden“, so Personalvorstand Thomas Ogilvie in der Süddeutschen Zeitung.

N-Land Andreas Sichelstiel
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