Taufe Bayerische Pflanze und Gemüse des Jahres in Röthenbach

Eine Blume mit viel Herz

Cornelia Trinkl und Armin Kroder tauften die Pflanze und das Gemüse des Jahres mit Sekt (vorn). Dahinter von links: Josef Hofbauer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth, Frank Philipps vom Bayerischen Gärtnerei-Verband, Bürgermeister Klaus Hacker und das Inhaber-Ehepaar Aleksandra und Christian Werner. | Foto: Cichon2017/05/Wahl-Blume_Pflanze-des-Jahres-2017-Blumen-Werner-Rothenbach-ci.jpg

RÖTHENBACH/NÜRNBERGER LAND — „Sinnliche Sissi“ und „Dulcita“: So heißen die Bayerische Pflanze und das Bayerische Gemüse des Jahres. In der Gärtnerei Blumen Werner in Röthenbach tauften Landrat Armin Kroder und seine Stellvertreterin Cornelia Trinkl die Pflanzen.

Dass die seit Jahren etablierte Veranstaltung heuer in Röthenbach stattfand, lag an einem Zufall: Weil ein Erlanger Florist die in jedem Regierungsbezirk abgehaltene Pflanzentaufe kurzfristig absagen musste, sprang Christian Werner aus Röthenbach ein. Die Wahl der Taufpaten sei sehr passend, denn: Landrat Armin Kroder sei „dem Gärtnerischen verbunden“ und seine Stellvertreterin Cornelia Trinkl „war einmal Blumenkönigin in Röthenbach“, stellte Werner, seit 2009 Inhaber der Gärtnerei, trocken fest.

„Herz ist Trumpf, das gilt in diesem Jahr auch für Bayerns Gärten und Balkone“, befand Cornelia Trinkl. Denn die Blütenblätter der „Sinnlichen Sissi“, der Pflanze des Jahres, haben purpurrote Herzen auf hellgelbem Grund. Für die CSU-Kreisrätin sei es eine besondere Ehre, die Petuniensorte zu taufen.

Schon für ihre Facharbeit im Leistungskurs Geschichte hatte sich Trinkl mit der österreichischen Kaiserin ausgiebig beschäftigt. Beim Ortstermin wusste sie gleich mit Fachwissen zu glänzen: Denn „Sissi“ schrieb sich selbst Sisi, gab die ehemalige Blumenkönigin zu Protokoll.

Allerdings habe sie sich damals keine Gedanken darüber gemacht, wie sinnlich die österreichische Kaiserin war. Diese sei aber sehr belesen und schriftstellerisch tätig gewesen. Aus Sisis literarischem Tagebuch zitierte Trinkl das melancholische Gedicht „Die Pflanze“: „Schon fünfzig Jahre such ich sie, die wunderbare Pflanze; ich bände sie zum Kranze, doch ach! Ich finde sie ja nie.“ Das „Pflänzchen Dankbarkeit“ fand die Kaiserin zwar nie, aber die „Sinnliche Sissi“ hätte ihr sicherlich viel Freude bereitet.

Nicht nur die Pflanze des Jahres, sondern auch das Gemüse des Jahres wurde in Röthenbach feierlich mit Sekt gegossen. In diesem Jahr ist es die „Dulcita“, eine süße Naschpaprika. Ihre orangenen Früchte haben kaum Kerne und können direkt vom Strauch gegessen werden.

„Zufriedenheit und glücklich sein ist wichtig im Leben. Wer ein ganzes Leben lang glücklich sein will, muss sich einen Garten anschaffen,“ meinte „Taufpate“ Landrat Armin Kroder in seiner Rede. Ihm gefalle die Kombination aus Zierpflanze, der „Sinnlichen Sissi“, und Nutzpflanze, der „Dulcita“. Kroder mutmaßte, dass die Zuteilung der Taufpaten streng nach traditionellen Rollenbildern erfolgte. „Aber Männer können auch Sinn für Schönes haben und Frauen auch Sinn für Nützliches.“

Frank Phillips, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Gärtnerei-Verbands (BGV) für Mittelfranken, sitzt seit elf Jahren im Gremium, das die Pflanze und das Gemüse des Jahres aussucht. Er zählte die Kriterien auf, bei denen die „Sinnliche Sissi“ gepunktet hat: „Sie ist pflegeleicht, blüht ab Mitte April den ganzen Sommer lang und ist etwas Besonderes.“

Der Gärtnermeister empfahl, Blumen nicht zu früh zu pflanzen. Im Zweifel könne man auch bei der Gärtnerei vor Ort nachfragen, wann die Zeit reif ist. Dort seien Pflanzen nämlich erst im Handel, wenn sie aktuell blühen. Er warnte vor den Eisheiligen im Mai. „Dann muss man die Pflanzen schützen. Viele sind nicht aus Deutschland und erfrieren dann in kürzester Zeit“, erklärte Phillips.

Die Pflanze des Jahres wird seit 2001 prämiert. Eine Gärtnerei aus Niederbayern hatte die Idee zu der Aktion. Rund 300 Betriebe in Bayern beteiligen sich daran. Seit 2009 wird auch das Gemüse des Jahres gewählt.

N-Land Anne Cichon
Anne Cichon