Trassengegner befürchten Ausbau der Leitung von Schnaittach bis Leinburg

Kommen hohe Strommasten durch die Hintertür?

Die 110-kV-Leitung, die derzeit von Eckental durch das Schnaittachtal bis Leinburg führt. Trassengegner befürchten einmal mehr einen Ausbau der Leitung auf 380 kV und dann damit notwendigen höheren Masten. | Foto: Sichelstiel/PZ-Archiv2017/02/hochspannungsmasten-stromtrasse-speik.jpg

SCHNAITTACH/LEINBURG —Ein Interview der bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner sorgt für Unruhe und Ärger beim heimischen „Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Stromtrasse“. Weil Aigner einem Ausbau von Bestands­trassen den Vorzug vor neuen Hochspannungsleitungen gebe, so die Trassengegner, fürchten diese, dass die Leitung, die schon von Eckental über Schnaittach nach Leinburg und weiter führt, ausgebaut und mit höheren Masten ausgestattet wird. Aus der Leitung mit bisher 110 Kilovolt (kV), die in Schnaittach beispielsweise direkt über Häuser führt, würde dann eine Hochspannungstrasse mit hohen Masten und 380 kV.

Im Ende Januar neu erschienenen Netzentwicklungsplan (NEP) ist diese Wechselstromtrasse, die sogenannte P44mod (für modifiziert), erneut enthalten. Nach Aussage Ilse Aigners habe diese Trasse nun Vorrang vor der in Richtung Grafen­rheinfeld verlaufenden Leitung P44, so kritisieren Trassengegner. Das Aktionsbündnis von Bürgermeistern und Bürgerinitiativen der betroffenen Gemeinden im Nürnberger Land  kündigt scharfen Protest an.

Noch im Dezember 2016 habe die CSU im Nürnberger Land auf ihrer Website die Bevölkerung beruhigt: „Die befürchtete Trasse P44mod durch das Schnaittachtal, Ottensoos und Leinburg wird durch den Freistaat abgelehnt und ist quasi vom Tisch“, hieß es hier. Auch vorher schon hatte die Bayerische Staatsregierung wiederholt betont, man werde „harten Widerstand“ gegen die Projekte P44 und P44mod leisten, die weite Teile Nordbayerns in Mitleidenschaft ziehen würden.

Aigner bevorzugt Bestandstrassen

Im nun erschienenen Netzentwicklungsplan 2030 ist diese Höchstspannungsleitung jedoch weiterhin enthalten. Aber nicht nur das, Wirtschaftsministerin Aigner spricht in einem Interview des Bayerischen Rundfunks vom 31. Januar sogar von einer Bevorzugung der Trassenführung durch den Landkreis. Wörtlich sagte sie: „Es gilt nach wie vor, dass es keine Überbündelung in Grafenrheinfeld geben darf und dass Bestandstrassen hier im Vordergrund sind, und da müssen auch noch Gespräche geführt werden.“ Die P44 wäre im Gegensatz zur Alternativstrecke P44mod im Nürnberger Land ein Neubau.

Martina Baumann, Bürgermeisterin in Neunkirchen, fragt sich, wie es sein könne, dass sich die Meinung des bayerischen Kabinetts so grundlegend ändert, trotz der wiederholten Beteuerungen, man brauche sich in den betroffenen Regionen keine Sorgen zu machen. Baumann hatte im vergangenen Jahr zusammen mit weiteren Bürgermeistern der Region und Bürgerinitiativen gegen Stromtrassen zu einem Bündnis eingeladen, das sich gegen den ihrer Meinung nach überdimensionierten Netzausbau und für eine dezentral ausgerichtete Energiewende einsetzt.

„Man baut diese Netze für den internationalen Stromhandel durch unsere Landschaft und beeinträchtigt die Lebensqualität unserer Bürger. ‚Neubau in bestehender Trasse‘ ist eine unzulässige Verharmlosung. Die Masten werden wesentlich höher und die Spannung auch!“

Auch Dörte Hamann, Sprecherin der Bürgerinitiativen, kritisiert das Verhalten von Politik und Netzbetreibern scharf: „Alles, was man macht, ist Hinterzimmerpolitik in kleinen Gesprächskreisen. Aber die Verantwortlichen kommen nicht ins Trassen-Widerstandsgebiet, um endlich mit den Bürgern zu sprechen!“ Netzbetreiber Tennet hatte im letzten Jahr die Teilnahme an einer Veranstaltung mit dem Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse kurzfristig abgesagt und bislang nicht nachgeholt, trotz schriftlich vorliegendem Versprechen. Auch der jährliche Münchner Energiedialog im Wirtschaftsministerium, bei dem Vertreter der Bürgerinitiativen eingeladen waren, wurde verschoben.

Die Leitung P44mod soll von Altenfeld über Würgau bis nach Ludersheim bei Altdorf verlaufen. Laut neuesten Informationen von Netzbetreiber Tennet soll in der Nähe einer schon bestehenden Trasse eine zweite Wechselstromleitung gebaut werden. Diese ist mit 380 Kilovolt eine Höchstspannungsleitung, die Masten werden deutlich höher als die der Bestandstrasse. Sie kann nicht als Erdkabel verlegt werden, da die gesetzliche Grundlage dafür bei Wechselstromtrassen fehlt. Diskussionen gab und gibt es darüber, ob die von der bayerischen Staatsregierung genannten 400 Meter Entfernung einer Hochvolt-Leitung nur für komplette Neubauten oder eben auch für Bestandsleitungen gilt. Dann nämlich müsste eine aufgerüstete Leitung im Nürnberger Land an vielen Stellen komplett neu verlegt werden.

Die P44mod steht in Zusammenhang mit dem Ausbau von großen Gleichstromleitungen (HGÜ) wie dem SuedOstLink. Im Falle einer Störung soll die Leitung für ausreichend Transportkapazität sorgen.

N-Land Pegnitz-Zeitung
Pegnitz-Zeitung