Doku-Theater erinnert an Reichspogromnacht

„Es geht darum, Bewusstsein zu schaffen“

Martina Switalski | Foto: Privat2018/11/Martina-Switalski-Portrait-2017.jpg

FORTH/SCHNAITTACH/HÜTTENBACH/OTTENSOOS — Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, die sogenannte Reichspogromnacht, war die Kriegserklärung der Nationalsozialisten gegen Deutsche jüdischen Glaubens. 80 Jahre später erinnert ein Doku-Theater an Schicksale der jüdischen Mitbürger in Forth, Schnaittach, Hüttenbach und Ottensoos. Die Idee dazu hatte die Historikerin Martina Switalski aus Forth, die seit vielen Jahren die Jüdische Geschichte ihres Heimatortes erforscht.

PZ: Warum ausgerechnet ein Theaterstück über die Pogromnacht?
Switalski: Theater ist ja soziale Kunst. Sie involviert sowohl diejenigen, die spielen und dozieren, als auch die, die das Stück rezipieren. Wir wollten eine möglichst authentische und nachvollziehbare Aufarbeitung der Geschehnisse der Pogromnacht und hoffen, dass wir mit der unmittelbaren Form des Wandeltheaters einen Zugang und ein Bewusstsein bei den Zuschauern schaffen.

Wie war die Resonanz auf ihren Vorschlag?
Switalski: Sehr gut. Alle vier Gemeinden waren von Anfang offen und haben ihre Unterstützung zugesagt. Seit Januar sind wir am Planen, um alles unter einen Hut zu bringen. Die Zusammenarbeit war von Anfang an toll. Das freut mich sehr Die Thematik ist wichtig. Ich bin gespannt, ob das, was wir vorhaben, auch funktioniert. Das Ganze steht auf vielen ehrenamtlichen Beinen.

Sie verstehen das Stück auch als Protest gegen aktuelle rechte Umtriebe in der Gesellschaft.
Switalski: Genau so ist es. Es geht nicht nur um die Erinnerungskultur, auch wenn die wichtig ist. Wir sind sehr stolz, dass wir Nachfahren der Vetriebenen und Ermordeten gewinnen konnten, die für das Heute stehen. Es geht darum, ein Bewusstsein zu schaffen, dass sich so etwas nie wiederholt.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger