Haushalt Simmelsdorf

Durchschnaufen vor den nächsten, teuren Jahren

Drei der größten Kostenfaktoren im Simmelsdorfer Haushalt 2018: In der Mitte ist der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Hüttenbach zu sehen, der in diesem Jahr mit 650 000 Euro zu Buche schlägt. Links im Hintergrund (gelbes Haus) das zur Kita umgebaute Alte Schulhaus, für das heuer Restzahlungen von 180 000 Euro fällig werden. Den Anbau (rechts im Bild) für rund 100  000 Euro errichtet der Bauhof in Eigenregie. | Foto: Braun2018/05/huttenbach-simmelsdorf-haushalt-ffwhaus-bauhof-alte-schule.jpg

SIMMELSDORF — Große Investitionen sind in Simmelsdorf dieses Jahr nicht geplant. Neben einigen kleineren neuen Posten schlagen im Haushaltsplan 2018 vor allem die Restabrechnungen der Projekte aus den vergangenen Jahren zu Buche. Dafür kommt die Gemeinde ohne neue Kredite aus und kann sogar ordentlich Schulden tilgen. Und das ist auch gut so. Denn in den nächsten Jahren kommen auf die kleine Gemeinde im Oberland einige große Brocken zu, allen voran die teure Kanalsanierung.

Den Haushalt 2018 hat der Gemeinderat bereits einstimmig verabschiedet. Große Diskussionen blieben aus. Strittige Themen oder größere neue Projekte stehen ohnehin nicht auf der Agenda.

Für Investitionen sind 2,425 Millionen Euro im sogenannten Vermögenshaushalt veranschlagt. Als größte Ausgabe ist der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Hüttenbach mit 650 000 Euro aufgelistet, der schon 2017 begonnen hat. 2019 werden hier noch einmal 170 000 Euro fällig. Dann ist das Gebäude abbezahlt. Ursprünglich waren dafür 800 000 Euro angesetzt, am Ende wird man bei über 1,2 Millionen Euro landen. Schuld ist eine Kostensteigerung während der Bauzeit.

Teurer als geplant kommt auch der Umbau des Alten Schulhauses in Hüttenbach zur Kindertagesstätte. 1,4 statt ursprünglich angesetzten 1,2 Millionen Euro wird das am Ende gekostet haben. Im Haushalt 2018 sind hierfür 180 000 Euro an Restzahlungen eingeplant.

Der Bauhof schultert für 100 000 Euro zudem in Eigenregie einen Anbau an sein eigenes Gebäude in der St.-Martin-Straße, in dem dann Büro, Umkleideräume und sanitäre Anlagen untergebracht werden.

Überlaufbecken eingeplant

Als weitere Investition schlagen Wasserleitungsmaßnahmen mit 90 000 Euro zu Buche. Unter anderem sollen Ringleitungen in Simmelsdorf sowie zwischen Unterwindsberg und Hüttenbach gelegt werden. Ebenfalls 90 000 Euro zahlt die Gemeinde 2018 für das neue Regenüberlaufbecken in Oberndorf, für weitere Überlaufbecken sind 85 000 Euro fällig, 50 000 Euro für die Versickerungsanlage in Oberwindsberg.

Für Schallschutzmaßnahmen in zwei Klassenzimmern der Grundschule Bühl sowie Elektroanschaffungen werden 45 000 Euro ausgegeben, für einen neuen Server für die Gemeindeverwaltung 35 000 Euro. Ein neuer Wendehammer an der Oberen Weinleite in Unterwindsberg kostet rund 25 000 Euro.
Keine Mittel sind in diesem Jahr für den Breitbandausbau eingeplant. Hier soll es 2019 weitergehen. Verschoben wird auch der Ausbau der Ortsdurchfahrt Oberndorf. Hier geht das Straßenbauamt Nürnberg von einem Baustart im Jahr 2020 aus.

Ein dicker Brocken im Haushalt 2018 ist die Rückzahlung eines Überbrückungskredits über 650 000 Euro, den die Gemeinde aufgenommen hatte, um ihren Anteil an den Kosten für das zweite Nachklärbecken der Kläranlage Schnaittachtal zu bezahlen. Die insgesamt rund 800 000 Euro, die die Gemeinde hierfür und für das neue Regenüberlaufbecken in Oberndorf (330 000 Euro) ausgibt, müssen auf die Bürger umgelegt werden. Deshalb wurden bereits zum 1. Januar 2018 die Kanalgebühren angehoben, von 2,10 Euro auf 2,50 Euro pro Kubikmeter Abwasser.

Hohe Kosten für Kanal

Doch damit ist das Thema nicht beendet. Denn die Gemeinde Simmelsdorf muss in den kommenden Jahren ihr komplettes Kanalnetz überprüfen und gegebenenfalls sanieren lassen. Für die Kanalverfilmung sind 2018 120 000 Euro eingeplant. Doch Kämmerer Hansmartin Schramm rechnet hier in den kommenden Jahren mit insgesamt rund 3,9 Millionen. Eine genaue Kostenschätzung sei aber schwierig. „Es kommt eben ganz darauf an, was bei den Kanalüberprüfungen rauskommt“, erklärt er.

Die Kosten jedenfalls, so viel ist sicher, muss die Gemeinde entweder über Beitragszahlungen oder Gebührenerhöhungen auf die Bürger umlegen. Das Problem dabei: „Wir haben in Simmelsdorf sehr lange Leitungen, die zum Teil durch schwieriges Gelände gelegt werden müssen, an denen aber nur wenige Anschlussteilnehmer hängen“, so Schramm. Das treibe die Kosten für den Einzelnen in die Höhe. Eine weitere Schwierigkeit sei zudem, eine Firma dafür zu finden. „Weil alle Gemeinden diese Überprüfung machen müssen, sind die gut ausgelastet“, sagt Schramm.

Eine Aufgabe, die ebenfalls auf alle Kommunen zukommt, ist die Erstellung eines Sicherheitskonzepts. Die Anfangskosten lägen zwar nur bei rund 4000 Euro, doch für den jährlichen Wartungsaufwand kommen auch in den Folgejahren Kosten in gleicher Höhe dazu.

Die Steuern sprudeln

Immerhin entwickelt sich auch die Einnahmesituation der Gemeinde positiv. Der Anteil an der Einkommensteuer steigt um 4,2 Prozent auf 1,887 Millionen Euro (2017: 1,811 Mio.), die Gewerbesteuer bleibt mit 540 000 Euro ebenso konstant wie die Grundsteuer mit 255 000 Euro. Auch bei den Schlüsselzuweisungen, die Simmelsdorf vom Freistaat Bayern bekommt, kann Schramm ein Plus von 10,4 Prozent auf 958 000 Euro verbuchen (2017: 868 000 Euro). Doch mit den Steuereinnahmen steigt auch die Summe, die die Gemeinde anteilig über die sogenannte Kreisumlage an den Landkreis weitergeben muss. In diesem Jahr sind das 1,361 Millionen Euro.

Angezogen haben auch die laufenden Kosten, die im sogenannten Verwaltungshaushalt verbucht sind. Sein Volumen steigt um 455 000 Euro (8,1 Prozent) auf 6,075 Millionen Euro. Nach Abzug aller Kosten kann die Gemeinde 575 000 Euro in den Vermögenshaushalt übertragen, die dort für Investitionen zur Verfügung stehen.

Weniger Schulden

Neue Kredite muss Simmelsdorf nicht aufnehmen und weil neben dem Überbrückungskredit für das Nachklärbecken (siehe oben) auch 65 000 Euro allgemeine Darlehensschulden getilgt werden, ergibt sich zum Ende des Jahres ein voraussichtlicher Schuldenstand von 900 300 Euro (2017: 1,616 Mio. Euro) – das sind 275,15 Euro pro Kopf. Der bayerische Landesdurchschnitt vergleichbarer Gemeinden liegt mit 653 Euro deutlich darüber.

Allerdings: Um alle Ausgaben stemmen zu können, entnimmt die Gemeinde 70000 Euro aus ihren Rücklagen, die damit auf rund 67 000 Euro abschmelzen. Da Simmelsdorf verpflichtet ist, immer eine Mindestrücklage von rund 53 000 Euro vorzuhalten, ist für das kommende Jahr kaum noch Spielraum vorhanden.

N-Land Tina Braun
Tina Braun