Schulterblick – Stiefkind der älteren Autofahrer?

Die Polizei gibt Tipps für Senioren

Polizeioberkommissar Helmut Hartmann von der Polizeiinspektion Hersbruck | Foto: Stefanie Camin2018/09/Polizist_bearbeitet.jpg

„Gefährlich“ und „zu langsam“ zählt zu den häufigsten Stempeln, die älteren Autofahrern gerne aufgedrückt werden. Ganz so einfach ist es nicht, schließlich gibt es auch genügend fitte Senioren, die gut sehen, schnell reagieren und sicher Auto fahren können. Aber dennoch: Obwohl viele ältere Menschen oft weniger und dafür vorsichtiger fahren, verursachen sie in der Relation viele Unfälle. Die PZ sprach mit Polizeioberkommissar Helmut Hartmann von der Polizeiinspektion Hersbruck, die gemeinsam mit dem Arbeitskreis Seniorenfreundliches Hersbruck und der Verkehrswacht ein Fahrfertigkeitstraining für Senioren ab 65 Jahren anbietet.

PZ: Welche sind die größten Auswirkungen des Altwerdens im Straßenverkehr?
Helmut Hartmann: Größtes Manko ist der fehlende Schulterblick durch die eingeschränkte Beweglichkeit. Aber das kann man zum Beispiel mit spezieller Gymnastik trainieren – davon profitiert derjenige ja auch insgesamt. Aber auch das Sehen oder Hören sind oft ein Problem.
Der Vater eines Bekannten von mir ist von der Polizei angehalten worden, weil er zu langsam gefahren ist. Das klingt zwar erst einmal lustig, aber dahinter steckt ja eine Unsicherheit, die für den „Schleicher“ nicht lustig ist.
Der Autofahrer sollte nicht über seine Verhältnisse fahren, aber natürlich auch kein Verkehrshindernis darstellen. Ich empfehle jedem, der sich am Steuer nicht wohlfühlt, zum Beispiel, weil er länger nicht gefahren ist, an einem Fahrfertigkeitstraining teilzunehmen. Danach sollte er ruhig längere Strecken fahren, um wieder ein Gefühl für das Auto, das Zusammenspiel von Gas und Kupplung und so weiter zu bekommen.
Lassen Sie uns über eine realistische Selbsteinschätzung des eigenen Fahrens reden. Das fällt wahrscheinlich dem einen oder anderen Senior schwer, weil er bei der entsprechenden Erkenntnis eventuell seine Freiheit am Steuer verliert.
Stimmt. Manchmal ist es auch so: Wenn derjenige von sich behauptet, seit 30 Jahren unfallfrei zu fahren, dann gleichen vielleicht seit zehn Jahren andere Autofahrer seine Fehler aus. Wenn jemand kaum noch laufen kann oder fast nicht mehr ins Auto kommt, sollte er darüber nachdenken, den Führerschein abzugeben. Ab und zu ein Taxi zu nehmen ist günstiger als ein ungenutztes Auto in der Garage stehen zu haben.
Gibt es eine Unfallursache Nummer 1?
Das ist nach wie vor Alkohol, dicht gefolgt von Ablenkung. In der Zeitung liest man dann das dann oft als „ungeklärte Ursache“. Das kann das Tippen am Handy sein oder an der Geschwindigkeit liegen. Nicht an einer überhöhten, sondern an einer nicht angepassten an das Können des jeweiligen Fahrers.
Wenn man bedenkt, dass Senioren weniger Kilometer fahren als Berufstätige, ist die Unfallquote von älteren Fahrern, vor allem ab 75 Jahren, erschreckend.
Immerhin rast ein Senior nicht so wie ein Fahranfänger. Wenn es einen Unfall gibt, dann haben ihn im Verhältnis aber sehr häufig ältere Autofahrer verursacht.
Nachtfahrten stellen für viele einen Alptraum dar. Alles ist dunkel und der Gegenverkehr blendet. Was kann der autofahrende Senior tun?
Der Fahrer sollte auf den Fahrbahnrand blicken, sich an den Leitpfosten orientieren und nicht in den Gegenverkehr sehen – da wird er nur geblendet. Grundsätzlich sollte jemand, der im Dunklen wenig sieht, Nachtfahrten vermeiden.
Welchen Tipp haben Sie noch?
Ein Automatikgetriebe nimmt die Arbeit ab und der Fahrer kann sich auf das Wesentliche konzentrieren – das erleichtert das Autofahren ungemein.

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin