Landkreis verlängert Vertrag mit Nürnberg

Die „Müllehe“ hält

Ein Blick in die Schaltzentrale der Nürnberger Müllverbrennung. Hier wird auch der Restmüll aus dem Nürnberger Land entsorgt. | Foto: NN-Archiv/Hippel2017/09/mullverbrennung-nurnberg-steuerraum-beoabchtung-nn-stefan-hippel0001.jpg

NÜRNBERGER LAND — Die Müllentsorgung im Nürnberger Land ist teuer. Und das wird vorerst wohl auch so blieben. Ein Grund dafür ist die Müllverbrennung in Nürnberg, die deutlich kostenintensiver ist als andere Anlagen. Trotzdem hat der Landkreis seinen Vertrag mit der Stadt Nürnberg diese Woche um weitere 17 Jahre verlängert.

Etwa ein Fünftel der Kosten, die im Landkreis für die Abfallentsorgung anfallen – 17 Millionen Euro waren es 2016 – entsteht durch die Verbrennung der Restabfälle, die nicht weiterverwertet werden können. 3,6 Millionen Euro hat der Landkreis vergangenes Jahr an die Stadt Nürnberg überweisen. Dafür entsorgte diese in ihrer Verbrennungsanlage in Sandreuth 24 078 Tonnen Restmüll aus dem Nürnberger Land.

Nun wurde die „Müllehe“ mit Nürnberg über 2020 hinaus verlängert. Eine Entscheidung, die der Kreistag am Ende einstimmig traf. Auch wenn es im Vorfeld Diskussionen gegeben hatte. Der Beschluss, um 15 Jahre zu verlängern, war bereits am 30. Januar dieses Jahres gefallen. Am 17. Juli folgte eine Verlängerung um zwei weitere Jahre, bis 2037. Nürnberg hatte um diese Änderung gebeten, um die Vertragslaufzeit an die der Stadt Schwabach sowie der Stadt und des Landkreises Fürth anzugleichen.

Man sei zwar nicht der billigste, wohl aber ein verlässlicher, solider Partner, hatte Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly bei der Vertragsunterzeichnung für seine Stadt geworben. Dies sei nur einer der Gründe, warum man an der Verbindung mit Nürnberg festhalte, erklärt Michael Oberleiter, Sachgebietsleiter für Abfallwirtschaft am Landrats­amt Nürnberger Land, im Gespräch mit der PZ. Bisher sei die Zusammenarbeit immer „absolut reibungslos“ verlaufen. „Diese Entsorgungssicherheit ist wichtig und keinesfalls selbstverständlich“, betont er.

Keine Alternativen

Zudem mangele es schlicht an Alternativen. Die große Müllverbrennungsanlage in Schwandorf, in der beispielsweise die Nachbarlandkreise Amberg-Sulzbach und Neumarkt ihren Abfall vergleichsweise günstig entsorgen, sei schon seit Jahren komplett ausgelastet und nehme keine neuen Kunden mehr an. „Diese Situation haben wir momentan überall in Deutschland“, so Oberleiter. Einen „Mülltourismus“ in weiter entfernte Anlagen wolle im Nürnberger Land keiner. Auch dies spreche für die Stadt Nürnberg: „Das ist aus ökologischer Sicht das Sinnvollste.“

Das hatte am Ende auch die Kritiker im Kreistag überzeugt. „Uns blieb gar nichts anderes übrig, auch wenn wir natürlich nicht glücklich über die höheren Gebühren sein können“, sagt Cornelia Trinkl, Sprecherin der CSU-Fraktion, die sich in der Vergangenheit besonders kritisch über die langen Vertragslaufzeiten mit Nürnberg geäußert hatte.

Aber ist der Müll im Nürnberger Land nun wirklich so viel teurer? „Das ist wie Äpfel mit Birnen vergleichen“, sagt Oberleiter. Zum Beispiel sei das Angebot im Nürnberger Land auch größer. „In Amberg-Sulzbach gibt es keinen Gelben Sack. Da müssen die Bürger zum Wertstoffhof fahren, um ihren Plastikmüll abzugeben“, nennt er als Beispiel. Und auch das „Giftmobil“ sei eine besondere Leistung im hiesigen Landkreis.

Bei den Abfalltonnen gibt es teils gravierende Unterschiede. Kostet die 60-Liter-Restmülltonne im Kreis Amberg-Sulzbach nur 61,20 Euro im Jahr, im Landkreis Neumarkt sind es 60 Euro, werden im Nürnberger Land 141,72 Euro fällig – beziehungsweise sogar 174,12 Euro für denjenigen, der nicht selbst kompostiert.

Bioabfälle werden im Nürnberger Land dafür vergleichsweise günstig entsorgt. Die 120-Liter-Tonne kostet 48 Euro im Jahr – in Neumarkt ist es das Doppelte, in Amberg-Sulzbach gibt es dieses Angebot überhaupt nicht. Und auch für Altpapier zahlt der Bürger im Nürnberger Land jährlich nur 30 Euro für die 240-Liter-Tonne, während er im Kreis Amberg-Sulzbach 244,80 Euro hinlegen muss. In Neumarkt dagegen ist die Entsorgung komplett gebührenfrei.

„Unsere Preise sind in Ordnung“, zieht Oberleiter sein Fazit. Vor allem, nachdem die Müllgebühren bereits zum 1. Januar 2015 um rund 20 Prozent gesenkt wurden (wir berichteten). Drei Punkte waren hierfür ausschlaggebend: 2013 hatte der Landkreis die Bioabfallverwertung neu ausgeschrieben und dank einer damals günstigen Marktlage einen guten Preis bekommen. 2014 liefen dann die Verträge mit den Müllentsorger-Unternehmen aus, was der Landkreis dazu nutzte, neu zu verhandeln und seine Abfall-Verwertung zu optimieren. Und zu guter Letzt war auch die Stadt Nürnberg mit ihren Gebühren für die besagte Müllverbrennungsanlage ein ganzes Stück heruntergegangen – von 199 Euro auf 148 Euro pro Tonne. Für den Landkreis bedeutet das rund 900 000 Euro weniger Ausgaben im Jahr.

Neue Müllgebühren 2018

2018 wird der Kreistag erneut über die Gebühren entscheiden – die Preise werden immer für vier Jahre festgeschrieben. Ob die Bürger auf weitere Senkungen hoffen dürfen, kann Oberleiter derzeit nicht versprechen. Immerhin, die mittel- und langfristigen Aussichten sind nicht schlecht: Die Verbrennungsanlage in Nürnberg ist seit dem Jahr 2000 in Betrieb und wird bald abgeschrieben sein. „Wir dürfen also davon ausgehen, dass die Kosten weiter sinken werden“, so Oberleiter. Und weil die Abfallentsorgung aus rechtlicher Sicht kostendeckend ablaufen muss, würden auch diese Einsparungen über eine Gebührensenkung an den Bürger weitergegeben.

N-Land Tina Braun
Tina Braun