Reformationsjubiläum in der Laufer Johanniskirche

Die frohe Botschaft und Gott an der Seite

Pfarrer Jan-Peter Hanstein, Dekan Stefan Alexander, Religionswissenschaftler Michael Blume, Pfarrerin Lisa Nikol-Eryazici und JohannisBrass-Leiter Hans Joachim Rahm vor dem Thesenportal mit neuen Ideen und Vorschlägen an der Johanniskirche. | Foto: Miehling2017/11/reformation-lauf-alle-pfarrer-miehl.jpg

LAUF — Mit Posaunen und Trompeten, Gesängen und Gebeten, mit dem Wort Gottes und einer Predigt und schließlich noch einem diskussionsreichen Treffen auf dem Platz vor der Johanniskirche und im Gemeindesaal feierte Laufs evangelische Kirchengemeinde das Reformationsjubiläum. In Erinnerung an den 31. Oktober 1517 standen Luthers 95 Thesen zwar im Blickpunkt, die gut einstündige Feier war erfüllt von viel Musik und vor allem „Gottes Wort“ sollte nicht zu kurz kommen.

Herbstferien, Brückentag, ein einmalig geschenkter, Feiertag und dann noch Allerheiligen: Wer befürchtet hatte zum Reformationstag in der Johanniskirche vor leeren Bänken zu stehen, musste zusehen, noch einen freien Platz mit guter Sicht zu bekommen. Selbst die Emporen waren sehr gut besetzt.

Schon Martin Luther verstand es, die Rolle der Musik zu nutzen. Er dichtete und komponierte eigene Lieder, darunter das 1529 entstandene „Ein feste Burg ist unser Gott“. Unter dem Dirigat von Hans Joachim Rahm hatte der Posaunenchor JohannisBrass ein halbes Jahr lang, Woche für Woche, für das Ereignis geprobt und konnte nun Luthers Choral in allen musikalischen Stilrichtungen zum Erklingen bringen.

Komponisten aller Epochen hatten das Lied der Reformation vertont. Nun ließen Rahm und JohannisBrass, jeweils eingeführt von Pfarrer i.R. Christoph Drescher, die Kompositionen von Bach, Telemann, Mendelsohn-Bartholdy, sowie den Komponisten neuerer Tage Thomas Riegler, Hans Werner Schneider und Rahm selbst erklingen. Den Strophengesang der Gemeinde begleitete Kantor Markus Kumpf in gewohnt spielsicherer Weise.

Gelebte Ökumene

Das Reformationsfest 2017 der Kirchengemeinde St. Johannis erwies sich keineswegs als Fest für kirchliche Insider. Laufs Stadtpfarrer Jan-Peter Hanstein konnte neben Pfarrerin Lisa Nikol-Eryazici Kirchenvorstände, haupt- und ehrenamtlich Engagierten, auch Laufs katholischen Pfarrer Dekan Stefan Alexander und Gemeindereferent Hans-Josef Aschemann begrüßen. Gewiss außergewöhnlich, dass in einem der ranghöchsten evangelischen Gottesdienste der katholische Pfarrer an zentraler Stelle das Evangelium vorliest.

Der Abschnitt aus dem 10. Kapitel des Matthäusevangeliums war gleichzeitig der Text für die Predigt. Dazu hatte Jan-Peter Hanstein den Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume eingeladen. Blume, 1976 im schwäbischen Filderstadt geboren, hat ostdeutsche Wurzeln. Diese waren längst nicht mehr christlich. Die Begegnung mit seiner späteren türkischstämmigen Frau weckte in ihm die Fragen nach dem Christentum. Mehr als das gedruckte Wort, sprach ihn der menschgewordene Christus an, wie er erzählt. Als Erwachsener getauft, stellte sich Blume weniger der Frage, wie Gottes Wort zu verstehen und auszulegen ist, sondern was Jesus heute tun würde.

Gehirn und Beten

Nach einer Ausbildung als Bankkaufmann wollte Blume mehr über Religion wissen. Er studierte Religionswissenschaft und promovierte mit einer neurowissenschaftlichen Untersuchung über das, „was in unserem Gehirn vorgeht, wenn wir beten“.

Michael Blume auf der Kanzel in St. Johannis. | Foto: Miehling2017/11/reformation-lauf-prediger-blume-miehl.jpg

Wissenschaft und Glauben sind für ihn keine Gegensätze. Blume sieht beide zusammen. „Wissenschaft erklärt wie etwas funktioniert, Religion fügt zusammen und stellt es in einen größeren Zusammenhang“ so Blume. Kernaussage und Bekenntnis für ihn ist: Gottes Wort ist in Jesus Christus Mensch geworden. Darauf entfaltete er in scholastischer und reformatorischer Tradition seine Thesen.

Etwa die: Jesus konnte lesen, hat aber nichts aufgeschrieben. Jesus hinterließ keine Schriften, ihm war die Haltung wichtig. Dennoch finden sich Jesu Leben und Worte zwischen Buchdeckeln, von Martin Luther ins damalige Deutsch übersetzt und mit Hilfe des Buchdrucks schnell und auflagenstark verbreitet, zum Lesen und darüber reden. Die wohl bedeutendste Erfindung im ausgehenden 15. Jahrhundert machte es möglich in kurzer Zeit Flugblätter und kleine Schriften, Thesen und Meinungen unter die Leute zu bringen.

Der Islam bleibt zurück

Doch ähnlich wie heute in den sozialen Medien wurden damals auch Fake News und Hassparolen gestreut. Das Osmanische Reich verbot Ende des 15. Jahrhunderts den Druck heiliger Schriften. Ab diesem Zeitpunkt war die Gelehrsamkeit des Islam auf nur wenige Schriftgelehrte beschränkt. Während sich Christen mit dem gedruckten und verfügbaren Wort Gottes auseinandersetzten gilt im Islam nur das, was die Gelehrten sagen.

„Bildung für alle“ bezeichnete Blume als den großen Gewinn der Reformation. Das evangelische Pfarrhaus wurde Zentrum der Bildung – für Männer wie für Frauen. Dass Bildung materiell wie finanziell voranbringt erkannte die katholische Kirche erst später und richtete als Reaktion Institute und Bildungsstätten ein. Das große osmanische Reich hingegen kam zum Stillstand. Heute sieht Blume dort eine halbierte Welt. „Es werden zwar Smartphones genutzt, aber der Analphabetismus herrscht vor. Männer machen schnelles Geld, aber Frauen wird der Zugang zur Bildung verwehrt.“

Frohe Botschaft als Chance

Zum Schluss warf Blume einen Blick auf die Chance des Protestantismus. „Kirche muss eine gute Botschaft verbreiten, egal ob in einer Predigt in der Kirche oder digital in den Medien. Kirche muss eine Kirche der Bildung bleiben und auf Jesus verweisen.“ Blume sieht dies bestätigt in einer wachsenden Zahl Ehrenamtlicher, die bezeugen, wie Jesus heute handeln würde. Schließlich rief Blume seine Zuhörer auf, keine Angst zu haben, weil Christen eine frohe Botschaft und Gott an ihrer Seite haben.

Wie Laufs evangelische Gemeinde in die Zukunft geht, zeigte sich am Ende Gottesdienstes. Pfarrer Hanstein lud ein, neue Thesen zu formulieren, aufzuschreiben und am Westportal der Johanniskirche anzubringen. Darauf waren Perspektiven für die Zukunft formuliert. Sie reichten von der Bewahrung der Schöpfung über mehr Toleranz und gegenseitige Wertschätzung bis zur Einheit von evangelischer und katholischer Kirche ohne Gleichmacherei.

Das Reformationsjubiläum mag zwar zu Ende sein. Nach all den Jubiläumsfeiern beginnt jetzt die Zeit das umzusetzen, was im Evangelium steht: was würde Jesus heute tun? Eine enorme Herausforderung für alle Christen.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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