Volleyball 2. Bundesliga:

Dezimierter SV Schwaig beweist trotz Niederlage Klasse

Die Schwaiger Volleyballer – wie hier hinter dem Netz Jan Kolakowski (li.) und Christian Nowak gegen Angreifer Maximilian Meuter – boten den Gästen aus Freiburg zunächst stark Paroli, mussten sich in Minimalbesetzung aber letztlich doch geschlagen geben. | Foto: G. Santemiz2018/09/Volleyball_SV-Schwaig-FT-Freiburg-net.jpg

SCHWAIG — Die Zweitliga-Volleyballer des SV Schwaig gewannen gegen ihren ersten Saisongegner FT 1844 Freiburg zu Hause zwar nur den ersten Satz und keine Tabellenpunkte (25:18, 21:25, 20:25, 20:25). Doch unter den gegebenen Umständen war das 1:3 trotzdem ein mitreißendes Optimum – das Hoffnung macht für den Rest der Saison.

Samstagmittag, also kurz vor dem Start in die neue Spielzeit 2018/19, klingelten die Alarmglocken. Auf internen Wegen zwischen dem SVS und dem Europäischen Volleyball-Verband CEV war Kurioses passiert: Sämtliche „ausländischen“ Spieler – Diagonalangreifer Michal Dzierwa (ohnehin verletzt), Zuspieler Laurentio Vinaturo und „Außen“ Perica Stanic – hatten für diesen Auftaktspieltag keine rechtzeitige Lizenz erhalten, durften nicht ans Netz.
Mit anderen Worten, 220 Zuschauer in der Gelben Halle rieben sich die Augen. Denn Zweitliga-Rückkehrer und An-sich-Außenangreifer Christian Schwabe als (Ersatz-)Zuspieler hatten die meisten Fans noch nie gesehen, und allerlei Umstellungen auf weiteren Positionen ließen ein kurioses, außergewöhnliches Duell erwarten.
Mit einem siebenköpfigen Ensemble durfte sich also das Team des aus Eltmann nach Nürnberg zurückgekehrten Trainers Milan Maric mit ehrgeizigen Freiburgern messen –, die ohnehin, so der Schwaiger Coach, „sofern sie komplett sind, eines der besten Teams der Liga stellen“. Und das waren die Gäste an diesem 15. September, komplett und stark.

Starker erster Durchgang

Wohlgemut rückte der FT den Gelbblauen zu Leibe. Doch wer unter den Umständen vermutet hätte, dass die Gastgeber in Windeseile „baden gingen“, sah sich grandios getäuscht. Nicht nur, dass Schwabe klasse in seiner, oft in der zweiten Mannschaft praktizierten Rolle als Zuspieler agierte – und später dafür ein ausdrückliches Sonderlob von Maric erhielt. Auch die beiden Neulinge Jan Kolakowski und Christian Nowak trumpften auf, als hätten sie nie woanders als im ersten Herren-Ensemble gespielt.
Nichts ließ die dezimierte Truppe anbrennen – beim 17:16 gingen die Schwaiger sogar erstmals in Führung; das setzte sich ab dem 20:18 bis zum 25:18 binnen 22 Minuten fort. Die Halle am Mittelbügweg stand Kopf; es war beim 1:0 (noch) ein Duell auf Augenhöhe, und die Gelbblauen in sehenswerter kämpferischer Stimmung. Selbstverständlich war angesichts der personellen Unterbesetzung jede Auszeit wichtig, jedes Durchschnaufen, Kühlen und Massieren; viele Anweisungen musste Milan Maric allerdings gar nicht geben: Er, nicht in Anzug und Krawatte, sondern cool im weißen Shirt, sah die mentale Gewieftheit der Mittelfranken.

Jeder weitere Satz schwieriger

Nach dem Geschehen gab er zu Protokoll, dass seine „Jungs heute charakterliche Stärke gezeigt haben“, und das beobachteten auch die Fans. Ja, mit jedem weiteren Satz erlahmten zwar die Spieler-Kräfte, da keine Auswechslungen möglich waren, und ja, die Breisgauer holten mit starker Blockarbeit natürlich auf und setzen sich nach insgesamt 92 Minuten durch. „Völlig verdient“, wie der SVS-Coach unbedingt betont.
Doch was die Gelbblauen in den vier Sätzen an Kampf boten, hätte auch für drei Spiele gereicht. Jeder Punkt an diesem Abend zählte besonders, rechnerisch, als Motivation, als Ansporn. Bis zum Umfallen – im wahrsten Sinne – wollten sich die Gastgeber wehren. Christian Schwabe zeigte seine lautstarken Mitreißer-Qualitäten, als ob er nie weg gewesen wäre; Christian Starosczik, Kapitän Florian Tafelmayer (später zum Vize-MVP gewählt), Libero Jonathan Schönhagen und auch Yannick Klement gaben sich nicht geschlagen.
In jedem Satz holten die Gelbblauen folglich mindestens 20 Punkte, trotz Kräfteverschleiß. Das war in summa „aller Ehren wert“, freute sich später auch Abteilungsleiter Hans-Peter Ehrbar, der nach dem Spiel für seinen 60. Geburtstag mit einem Präsentkorb samt Gutscheinen beschenkt wurde.

Die Saison kann kommen

Die Wirkung des SVS – fürs nächste Duell beim Aufsteiger TSV Mimmenhausen sicherlich wieder vollständig – macht Hoffnung auf eine gute Saison. Die Zuschauer jedenfalls dankten den Akteuren mit stehenden Ovationen für ein außergewöhnliches Aufeinandertreffen und ein couragiertes Auftreten, das durchaus einen Tabellenpunkt verdient gehabt hätte.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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