Bürgerversammlung im St.-Otto-Saal

Der Verkehr ist das Thema Nr. 1 in Lauf links

Mutiert die Ottogasse zur „Rennstrecke“, wenn das soziale Wohnungsbauprojekt der Caritas (in der Bildmitte) fertiggestellt ist? Wohl eher nicht, glaubt Bürgermeister Benedikt Bisping. | Foto: Sichelstiel2018/10/burgerversammlung-lauf-ottogasse.jpg

LAUF — Ob Raser oder Falschparker: Der Verkehr war das Thema Nr. 1 in der diesjährigen Bürgerversammlung für den Laufer Stadtteil links der Pegnitz im Pfarrsaal von St. Otto. Debattiert wurde aber auch über die immer teureren Immobilienpreise.

„In der Regel setzt sich der freie Markt durch“: Der Laufer Bürgermeister konnte den rund 70 Anwesenden auf die Frage nach den hohen Immobilienpreisen nicht viel Hoffnung machen – „die Preise werden vorerst weiter steigen“. Die Kommune selbst hat weder passende Flächen zum Bebauen noch gibt es ausreichend öffentliche Förderung für den Sozialwohnungsbau. Grundstücke in Privatbesitz, die noch unbebaut sind, stehen oft nicht zum Verkauf, „sie eignen sich im Augenblick als Geldanlage“, sagte Annette Nürnberger, die Leiterin des Bauamts.

Eine erste Reaktion auf diese Situation ist das sogenannte Laufer Wohnraumprogramm. Der Rathaus­chef bewarb es in seinem rund einstündigen Vortrag zu Beginn der Bürgerversammlung nach Kräften. Unter anderem sollen länger leerstehende Areale aus dem Flächennutzungsplan herausgenommen werden. Sie würden dadurch an Wert verlieren – ein Druckmittel also. Das Wort „Enteignung“ will Bürgermeister Bisping aber nicht hören, es handle sich vielmehr um „moderne Stadt­entwicklungspolitik“.

Die Stadt will außerdem die Nachverdichtung fördern, dafür, so Bis­ping, habe man unter anderem die Stellplatz- und die Abstandsflächensatzung geändert.

Viele Autos in der Ottogasse?

Raser und Falschparker sind bei jeder Bürgerversammlung ein Thema, so auch in Lauf links. Ein Anwohner der Ottogasse zum Beispiel sorgte sich um den zusätzlichen Verkehr, den das Wohnungsbauprojekt der Caritas am Kreisverkehr mit sich bringt. Die 15 Wohneinheiten sind über die schmale Ottogasse erschlossen, die ein verkehrsberuhigter Bereich ist. Der Bürgermeister relativierte: „Nicht jeder der neuen Bewohner wird mit drei Ferraris einziehen.“ Die Wohnungen werden nach sozialen Kriterien vergeben. „Der Antragssteller hat sich an den Bebauungsplan gehalten“, so Nürnberger vom Bauamt. Geschwindigkeitskontrolle allerdings sicherten die Stadtvertreter zu. Immerhin habe man ja inzwischen eine kommunale Verkehrsüberwachung, so Bisping. Auch der Wunsch des Anwohners nach einer Überwachung „nicht nur nachmittags, wenn niemand unterwegs ist“, soll erfüllt werden.

Tempokontrollen am Hämmernplatz sicherte Bisping ebenso zu wie einen kritischen Blick auf die Parksituation in der Siegfriedstraße. Er könne ja, so der Vorschlag eines Feuerwehrmanns, den Kommandanten mitsamt der Drehleiter mitnehmen, dann sehe er, wie gut man an manchen Stellen im Stadtviertel um die Kurve komme. Parkprobleme gibt es daneben auch in der Lindnerschmidtstraße, wie ein anderer Bürger feststellte. Vor allem Transporter und Kleinlastwagen parkten beide Seiten der schmalen Straße zu, mit einem Kinderwagen oder als Rollstuhlfahrer komme man auf dem Gehsteig oft nicht mehr durch und im Kurvenbereich müssten Verkehrs­teilnehmer häufig rangieren.

Ob es sich um eine „Aktion zum sozialverträglichen Frühableben“ handle, vor dem Senioren-Aktivplatz am Justin-Wunder-Steg im Winter nur Splitt statt Salz zu streuen, wollte derselbe Bürger wissen, „dort ist es spiegelglatt“. Bis­ping versprach hier eine Überprüfung – genauso wie die Kommune die Fußgängerampel nahe der S-Bahn-Unterführung unter die Lupe nehmen wird. Dort sei der Asphalt „in einem katastrophalen Zustand“, berichtete ein Anwohner.

Tempo 30 vor Kindergarten

„Kindergärten mit Tiefgarage gibt es noch nicht“, stellte Bisping anschließend fest, als es um die Verkehrssituation am „Kindergarten Brücke Regenbogen“ ging. Bereits vor dem laufenden Umbau ging es dort morgens eng zu, bald gibt es zwei weitere Gruppen. „Wir müssen hoffen, dass die Eltern vernünftiger werden und ihre Kinder nicht mehr so oft mit dem Auto bringen“, appellierte Bauamtsleiterin Nürnberger an die Eigenverantwortung. Bereits beschlossene Sache ist aber, dass die Luitpoldstraße vor dem Kindergarten zur Tempo-30-Zone wird, sobald dieser wieder öffnet.

Schnelle Abhilfe könnte es im Oskar-Sembach-Ring geben. „Dort schaut es furchtbar aus“, kritisierte ein Bürger. Lastwagenfahrer stünden dort oft über Nacht und hinterließen ihren Müll. Die Stadt überlegt, Abfallkörbe aufzustellen – „aber wir wollen natürlich keinen Autobahnparkplatz schaffen“, so Bisping. Das Gewerbegebiet am Oskar-Sembach-Ring liegt in unmittelbarer Nähe zur A9.

Auch über eine weitere Hundetoilette in Schönberg lässt sich laut Verwaltung reden, „aber grundsätzlich ist natürlich jeder für das Geschäft seines eigenen Vierbeiners verantwortlich“. Schon schwieriger ist der Wunsch nach einer Fahrradstreife der Polizei zu realisieren. Man habe, so Bisping, bereits im Polizeipräsidium angefragt, aber eine negative Auskunft bekommen.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel