Röthenbach hebt Entscheidung auf

Das Jugendzentrum wird nicht geschlossen

Das Aus für das Jugendzentrum war schon beschlossene Sache, jetzt hat die Einrichtung in der Fischbachstraße wieder eine Zukunft. „Jugendliche brauchen Räume“, heißt es in einem neuen Konzeptpapier. | Foto: Sichelstiel2017/11/juz-rothenbach-herbst.jpg

RÖTHENBACH — Der Röthenbacher Stadtrat hat seinen im Sommer 2016 gefällten und seither viel kritisierten Beschluss zurückgenommen: Das kommunale Jugendzentrum in der Fischbachstraße wird nicht geschlossen. Stattdessen soll die Jugendarbeit mit einem neuen Konzept fortgeführt werden.

Man musste erst entscheiden, das Jugendzentrum zu schließen, um zu einer Neuausrichtung der kommunalen Jugendarbeit zu kommen – auch wenn das neue Konzept jetzt vorsieht, dass das Jugendzentrum doch nicht geschlossen wird. Was ziemlich verquer klingt, ist für Röthenbachs Bürgermeister Klaus Hacker und Teile des Stadtrats nur logisch. Hacker rechtfertigt das Vorgehen so: Durch das drohende Aus für die Einrichtung sei eine Diskussion angestoßen worden, „die das Jugendzentrum wieder in den Fokus gerückt hat“. Das alles sei „nicht negativ“ gewesen, „wir haben ja nichts zugemacht“.

Nach Vorlage, ohne Diskussion also, hoben die Stadträte am Donnerstag dieser Woche einstimmig den Beschluss auf, der vor rund eineinhalb Jahren die Schließung festgeschrieben hatte. Sie war ursprünglich zum 31. Dezember 2016 geplant. Diese Fristsetzung begründeten die Befürworter des von sechs Stadträten aus den Fraktionen von CSU, SPD und Freien Wählern (FW) gestellten Antrags damals damit, dass auf diese Weise „zügig“ über eine Neuausrichtung der Jugendarbeit nachgedacht werden könne.

Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte sich allerdings schon abgezeichnet, dass die „Deadline“ (Heiko Scholl, FW) nicht einzuhalten war, weil ein neues Konzept nicht vorlag. Stattdessen gab es viel Kritik. So sammelten die Jusos bereits Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Der Kreisjugendring warnte vor einer Schließung ohne adäquaten Ersatz, während die Röthenbacher Jugendbeauftragte Eva Gottschalk (CSU) gemeinsam mit Jugendlichen Argumente für das Weiterbestehen des Jugendzentrums zusammentrug.

„Zukunftswerkstatt“ erfolgreich

Inzwischen hat die Kommune eine recht genaue Vorstellung davon, wie es weitergehen soll. Eine Neukonzeption hat der Ausschuss für Bildung, Umwelt, Soziales, Sport und Kultur vor der Stadtratssitzung beraten und abgesegnet. Zu verdanken ist sie unter anderem besagtem Kreisjugend­ring, der eine „Zukunftswerkstatt“ in Röthenbach veranstaltet hat, bei der mehr als 90 von rund 780 Jugendlichen, die in der Stadt leben, ihre Wünsche äußerten (die Pegnitz-Zeitung berichtete).

Das Jugendzentrum bleibt, so das Fazit, auch wenn es vielleicht einen neuen Namen bekommt. „Jugendliche brauchen Räume“, stellt Helmut Keller fest, einer der bislang zwei Sozialpädagogen der Einrichtung. Die Notwendigkeit einer „festen, geschützten und pädagogisch betreuten“ Anlaufstelle sei eines der Ergebnisse der „Zukunftswerkstatt“. Weil sein Kollege Tilo Stockinger im Sommer 2018 aus dem Dienst scheidet, braucht es neues Personal. Stockingers Stelle soll laut Konzeptpapier bei gleicher Stundenzahl auf zwei Mitarbeiter aufgeteilt werden.

Keller erklärt, dass ein neuer Schwerpunkt bei den Acht- bis Zwölfjährigen liegt, die verstärkt am Nachmittag ins Jugendzentrum kommen. Neue Formate, etwa die Nutzung des Gebäudes durch die Jugendabteilungen von Vereinen, sollen ebenfalls möglich sein.

Wie eine Stellenbeschreibung für Keller selbst klingt hingegen die Position eines Stadtjugendpflegers, die neu geschaffen werden soll. Er soll nicht nur Vereine, Kirchengemeinden und soziale Einrichtungen wie etwa das Mehrgenerationenhaus vernetzen, sondern auch Angebote wie das Internationale Bürgerfest, das Open-Air-Festival im Pegnitzgrund und das Kinderferienprogramm organisieren oder zumindest begleiten. Um viel davon kümmert sich Keller bereits jetzt.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel