Jasmin Tabatabai bei den Laufer Literaturtagen

Charismatisches Multitalent und Star zum Anfassen

Jasmin Tabatabai verewigt sich auf der Unterschriftenwand der Stadtbücherei. | Foto: Camin2018/11/lesung-tabatabai.jpg

LAUF — Im Nu ausverkaufte Karten, Parkplatzmangel rund um die Bertleinschule, eine proppenvolle Aula und eine lange Schlange bei der anschließenden Buchsignierung – wenn Jasmin Tabatabai im Rahmen der Laufer Literaturtage nach Lauf kommt, will eben jeder dabei sein. Aus ihrem Buch „Rosenjahre“ las sie kaum vor, dafür unterhielt sie die Zuschauer lieber mit Anekdoten aus ihrem Leben. Zum Beispiel, wie sie vom Luftgitarrespielen auf einer Party zum Film „Bandits“ kam, der sie 1997 berühmt machte.

Um sie und ihre Vielseitigkeit vorzustellen, braucht es einen langen Atem – und den hat Renate Grabmeier von der Stadtbücherei Lauf bei ihren Einführungsworten, in denen sie dem Publikum die Schauspielerin, Sängerin, Autorin und dreifache Mutter näherbringt. Lächelnd auf den Boden blickend, lauscht die ganz in Schwarz gekleidete Jasmin Tabatabai der Lobeshymne und streicht sich mit einer fast schüchtern wirkenden Geste die schwarzen Haare aus dem Gesicht.

In „Rosenjahre“ verbindet sie die Liebesgeschichte ihrer deutschen Mutter und ihres persischen Vaters mit ihren eigenen Kindheitserinnerungen aus dem Teheran der 70er Jahre, bevor die Familie 1979 nach Deutschland kam. Bevor sie aus ihrem Buch liest, erzählt Tabatabai lieber aus ihrem Leben. So zum Beispiel, dass ihr eingangs des Abends gespieltes persisches Lied sie an ihren Vater erinnere, wie er im Iran rauchend Radio gehört und dabei geweint habe. Gerade als sich ein Schleier der Sentimentalität über das Publikum legen will, strahlt die 51-Jährige: „Persische Männer weinen bei einem guten Lied. Aber ich weiß: Deutsche Männer weinen nur beim Fußball!“

Die Fragen des Moderators Dirk Kruse beantwortet sie nur zu gerne, so erzählt sie beispielsweise, wie ihre Eltern sich auf dem Oktoberfest kennengelernt haben, und wie Freunde die Mutter gewarnt haben, „sie werde in einen Harem verkauft“, sobald sie im Iran sei.

Der Empfang am persischen Flughafen war für ihre Mutter Rose ein Kulturschock, als 40 – und das waren nur die engsten – Familienmitglieder sie begrüßen wollten. Lächelnd verrät Tabatabai die Strategie ihrer Mutter, mit derlei Problemen umzugehen: Verdrängung und frische Luft. Überhaupt, so findet sie, sollte jeder seine Verwandten nach deren Geschichte fragen – solange das noch geht, spielt sie auf die Vergänglichkeit des Lebens an.

Bandits

Der große Erfolg von „Bandits“ verlangt danach, angesprochen zu werden – Moderator Kruse tut es endlich und fragt danach. Tabatabai erinnert sich, wie sie auf einer Party Luftgitarre gespielt und damit die Regisseurin Katja von Garnier auf sich aufmerksam machte. Mit ihr und den beiden anderen Hauptdarstellerinnen Katja Riemann und Nicolette Krebitz ist sie immer noch befreundet, verrät sie.

Ein kurzes Aufzucken zeigt, dass Tabatabai auch anders kann. Nach der Pause spielt der Tontechniker das Anfangslied erneut, obwohl sie ein anderes angekündigt hat. Mit einem genervten wie harten „Nein!“ kommt eine andere Seite zutage, bevor sie sich sekundenschnell fängt und mit einem „mal weiterdrücken!“ wieder ganz in ihrer Rolle der charmanten Frau aufgeht. Diese plaudert dann munter weiter und gibt noch ein bisschen mehr von sich preis. Dass sie sich als musikalische Autodidaktin bezeichnet zum Beispiel, oder dass sie keine Noten lesen kann.

N-Land Stefanie Camin
Stefanie Camin