Ökosiedlung Mimberg

„Zu dicht, zu monoton“ – Nachbesserung nötig

Hier wird das neue Wohngebiet entstehen, wenn denn die neuen Planungen Gnade vor den Augen der Gemeinderäte finden. Die alte Fensterfabrik ist immerhin bereits zurückgebaut, die zweite Anbindung über den Kiefernweg genehmigt. | Foto: Gisa Spandler2019/01/Mimberg-Am-Muehlbach.jpg

MIMBERG – Die geplante Öko-Siedlung im Mühlbachgrund in Mimberg erweist sich als schwieriges Terrain für die Planer. Auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde auch der aktuelle und überarbeitete Entwurf der beauftragten Planer mehrheitlich abgelehnt. Hauptsächlich aus Kostengründen war nach Meinung der Fachleute eine stattliche Verdichtung des auf 30 000 Quadratmeter Grund (bereinigt 12 500 Quadratmeter) vorgesehenen Wohngebiets nötig geworden, jetzt ist die Planung vielen Gemeinderäten zu eng und kleinteilig. Gegen vier Stimmen wurde auch dieses Konzept abgelehnt, die Einwendungen von Bürgern und Trägern öffentlicher Belange nach der jüngsten Auslegung spielten dabei eine untergeordnete Rolle. Der Ökomodell-Charakter der Siedlung solle jedoch in jedem Fall wie ursprünglich geplant erhalten bleiben, auch die nun abgelehnte Umarbeitung hätte daran nichts geändert.

Claus Peteranderl von Peteranderl Architekten GmbH, der beauftragte Gebäudeplaner des Investors UDI, stellte den Gemeinderäten die eigentlich geplanten Änderungen seines Büros vor. Die wichtigsten Abweichungen vom bisherigen Plan seien Reihenhäuser im nördlichen und westlichen Bereich des als Rechteck angelegten Bebauungskomplexes. Ursprünglich waren dort auch – wie mehrheitlich im restlichen Quartier – Einfamilienhäuser vorgesehen.

Mit den Ursachen für die notwendig gewordene Umplanung hielt der Planer zunächst hinter dem Berg und nannte „wirtschaftliche Gründe“. Dass die ursprünglich geplanten 22 Wohneinheiten sich dadurch auf 34 erhöhen würden, wodurch dem Investor die Möglichkeit gegeben werde, auch kleinere und preisgünstigere Wohngelegenheiten anzubieten, stellte er als Vorteil des neuen Entwurfs dar. Er betonte auch den „geordneteren Charakter“ der Fronten, die sich durch farbige Akzente und Begrünung auflockern ließen.

Die zehn zweigeschossigen Reihenhäuser seien für den westlichen Bereich vorgesehen, etwas größere mit zweieinhalb Geschossen, die ein weiteres Zimmer und eine Dachterrasse umfassen, für den nördlichen. Dort habe man ein weiteres Haus aus der Planung genommen, um einen Spielplatz unterzubringen. Die gute Nachricht für die Anwohner lautete, dass die zweite Anbindung über den Kiefernweg nun sicher sei. Man hatte sich nämlich gesorgt, die Zufahrt über die schmale Industriestraße beziehungsweise den Birkenweg sei zu eng.

Weitere Informationen erhielt das Gremium von Bernhard Walk vom Planungsbüro Grosser-Seeger & Partner, das mit der Erstellung des Bebauungsplanes beauftragt war. Er ging auf die Reaktionen nach der Auslegung der Pläne im vergangenen Jahr ein und fasste diese kurz zusammen, als „Rückmeldungen, die erwartet worden waren“.

Da es mittlerweile eine Umplanung gegeben hat, die jedoch am Ende der Sitzung ebenfalls wieder Makulatur war, hielt der Experte seine Ausführungen zu den Einwänden knapp. Weil aber auch nach jeder weiteren Auslegung die gleichen Beiträge zu erwarten seien, ging er kurz auf die Themen Ersatzaufforstung, Abstand zum Wald, Entwässerungsproblematik und Bodenschutz ein. Auch die Sorgen zweier privater Anlieger konnten durch private vertragliche Vereinbarungen entkräftet werden.

Was ändert sich?

Wesentlich mehr interessierten die Gemeinderäte und die zahlreich erschienenen Zuhörer in der Sitzung die Änderungen, die man nach der zweiten Überarbeitung der Entwurfsplanung vorgenommen hatte. Neben den neuen Reihenhäuserzeilen sollte das Zentrum des Karrees in seiner ursprünglichen Planung erhalten bleiben, was bedeutet, dass dort größere Gebäude mit Eigentumswohnungen entstehen sollen.

Neu wäre aber die Abstufung am Waldrand im Westen, so wie das bisher schon im Süden vorgesehen war. Dort werden in Bebauungsnähe niedere Bäume zugelassen, höhere Bepflanzung erst in einer gewissen Distanz zu den Häusern, damit bei Sturmereignissen keine Bäume auf die Häuser stürzen und schlimme Schäden anrichten könnten.

Nach den Vorstellungen der Planer hätte nun eine Diskussion der Gemeinderäte und eine Billigung des neuen Planentwurfs stattfinden sowie die erneute Auslegung der Pläne beschlossen werden sollen.
Doch die kritischen Nachfragen der Räte schmissen diese Vorgehensweise um. Sie störten sich an der monotonen Darstellung vor allem der Reihenhäuserstange im Westen (Heinz Holzammer), die laut Peteranderl nur gestalterisch aufgelockert werden könnte.

Die starke Verdichtung war mehreren Gemeinderäten ein Dorn im Auge (Alexander Bock, Günther Nedvidek, Reinhard Graf, Klaus Wagner, Peter Müller, Georg Reither). Statt der ursprünglich geplanten 23 Wohneinheiten sind es nun 34, die aus 26 Häusern, davon zwölf Einfamilienhäuser und 22 Reihenhäuser, bestehen. Auf die Frage von Wolfgang Lahm, was noch von dem ökologischen Baukonzept übrig geblieben sei, antwortete Peteranderl überzeugt: „Alles.“

Dr. Eckhard Töpert (SPD) gehörte neben den Vertretern der Grünen zu den Befürwortern der neuen Planung: „Vorher war es ein Baugebiet für die Reichen, jetzt könnten sich auch die anderen hier ein Haus leisten.“ Klaus Wagner störte sich an den monotonen Reihenhäusern, aber Wolfgang Seitz (Grüne) fand es vorteilhaft, dass bei einer dichteren Bauweise der Flächenverbrauch geringer wäre.

Exorbitante Preisentwicklung

Seinem bedrängten Kollegen sprang schließlich Hans Hartmann-Thoma vom Büro Hartmann-Thoma plan werk GmbH zur Seite und legte die Fakten, sprich die Gründe für die Planungsverdichtung, auf den Tisch: Durch die gewünschte Anbindung des Kiefernwegs an das Baugebiet mit diversen Problemen, darunter das starke Gefälle und eine problematische Entwässerungsstiuation sowie die „exorbitante Baupreisentwicklung“ der letzten Jahre sei ein enormer Kostendruck entstanden.

Wirtschaftlichkeit sei für den Investor in der ursprünglichen Planung in keiner Weise mehr gegeben, so dass hier durch eine vielfältigere Planung nachgebessert werden musste, bekannte er. Ebenso wie Claus Peteranderl („Ich habe meinen Frieden mit der Planung gemacht“) gab auch Hartmann-Thoma zu, dass er die Reihenhauszeile im Westen nicht gerade schön finde, dennoch gab er zu bedenken: „Das bleibt eine ökologische Siedlung und sie ist immer noch als Siedlung zu erkennen.“

Doch auch dieses Plädoyer half nicht und auch Wolfgang Lahm (SPD) forderte eine Auflockerung des westlichen Reihenhausblocks ebenso wie Heinz Holzammer und die Kollegen von der CSU und den Freien Wählern. Sie forderten schließlich die Herausnahme eines einzelnen Reihenhauses aus der Zeile und eine Aufteilung der verbleibenden neun Wohneinheiten in Dreier-Komplexe zur optischen Entspannung. Gegen vier Stimmen (Grüne und Dr. Töpert) wurde die Planung zurück an die enttäuschten Planer verwiesen mit der Maßgabe, hier nachzubessern.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler