Aufgescheuchtes Tier greift Joggerin an

Wildschwein-Attacke

Besonders gefährlich, wenn sie sich in die Enge getrieben fühlen: Eine Bache oder Rotte mit Nachwuchs. | Foto: Fotolia2017/03/wildschwein.jpg

UNTERFERRIEDEN – Nachdem ein Wildschwein sie am Ende ihrer Jogging-Runde in Unterferrieden attackierte, ist Helga Worthen total geschockt. Jäger Raimund Schiller erklärt, was die Ursache für den Angriff gewesen sein könnte und rät zu Vorsicht im Wald.

Wie gewohnt ging Helga Worthen ihre kurze Strecke durch den Wald bei Unterferrieden joggen. Auf dem Rückweg passierte sie den Kapplerhof und bog in den Radweg Richtung Ortsrand. Fast war sie Zuhause, als plötzlich laut hechelnd und schnaufend ein riesiges Tier auf sie zu schoss. Wie ein Teufel habe es ausgesehen, wie Kerberos, der Höllenhund, das gigantische Wildschwein, das auf Worthen zuraste. Die Unterferriederin sprang in die Böschung. Zum Glück: Das Tier überrannte sie nicht, rammte sie jedoch an der rechten Seite und warf sie zu Boden.

Eine Nachbarin eilte herbei. Im Schock beschloss Worthen selbst ins Krankenhaus zu fahren, wo ihr geschwollener Knöchel, ein Riss in der Wade und Abschürfungen versorgt wurden. „Ich habe ein Riesenglück gehabt“, sagte sie. Am nächsten Tag erfuhr Worthen, dass das Tier weiter in den Ort und dort in eine offene Garage gerannt sei, wo es sich verletzte und anschließend die Flucht in den Wald ergriff.

„Normalerweise bleiben Wildschweine auf Distanz“, sagt Jäger Raimund Schiller. „Nur wenn sie sich in die Enge getrieben fühlen und keine Fluchtmöglichkeit mehr sehen, greifen sie an.“ Dennoch verwunderte die Attacke Schiller nicht übermäßig – aus verschiedenen Gründen:

Frischlinge verlassen Kessel

Zurzeit ist besondere Vorsicht geboten. Denn besonders gefährlich können Bachen werden, die Frischlinge bei sich haben. In ihren ersten 14 Tagen trinken die Kleinen nur Milch und bleiben im Kessel, ihrem Versteck, zu dem die Mutter zurückkehrt. Wenn sie zwei bis drei Wochen alt sind, und das dürften viele Frischlinge laut Schiller nun sein, brauchen sie eiweißhaltige Nahrung. Dann verlassen sie gemeinsam mit der Mutter den Kessel.

Wenn eine Gefahrensituation entsteht und der Frischling dann einen bestimmten Ton von sich gibt, ein Angstquietschen, greift die Bache rücksichtslos an“, erklärt der Jäger. „Angreifende Wildschweine sind zu 90 Prozent Bachen mit Nachwuchs.“

Aber nicht nur die können zur Gefahr werden, sondern auch einjährige Frischlinge, die ihre Mutter verlassen müssen, weil die den nächsten Sprössling erwartet. „Diese Sauen sind sehr viel unterwegs, auch an Stellen, wo man sie nicht vermutet, weil sie noch kein festes Gebiet haben, in dem sie sich aufhalten und auskennen“, sagt Schiller. Da das Nahrungsangebot für Wildschweine, auch durch die Landwirtschaft, immer weiter wächst, bekommen die Tiere nicht mehr nur einmal im Jahr Junge, sondern zu verschiedenen Zeiten.

Wildschweine riechen

„Im Fall von Helga Worthen ist das Wildschwein sicher irgendwo aufgeschreckt worden und in Panik geraten“, vermutet der Jäger. Dafür spreche, dass es in hohem Tempo auf sie zu gerannt sei. Tagsüber ruhen die Tiere zwar, aber auch dann können sie erschreckt werden, etwa durch Holzarbeiten oder frei laufende Hunde.

Vollkommen gefeit werde man nie sein. Dennoch können Menschen einige Dinge beachten, um Wildschwein-Attacken zu vermeiden: Spaziergänger sollten auf den Wegen bleiben, denn die kennen und meiden die Tiere in der Regel. Hundebesitzer sollten ihren Hund unbedingt anleinen, „auch im Interesse des Hundes“.

Und noch einen Tipp hat Schiller: „Man kann Wildschweine riechen. Ihr Geruch ähnelt dem von Liebstöckel, Maggi oder Fondor.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung