Comedian Jörg Kaiser aus Burgthann ist der grummelnde Franke

„Was machst denn du da?“

Jörg Kaiser liebt Pointen, die ebenso schräg wie schwarz sind. Am Freitag, 23. November ist der Burgthanner mit seinem neuen Soloprogramm im Kulturraum der Pegnitz-Zeitung in Lauf. Foto: privat2018/11/Burgthann-Kaiser.jpg

BURGTHANN – Jörg Kaiser hat in den vergangenen Jahren viele Bühnen gesehen, große und kleine, in Montagehallen, Kneipen und Kulturräumen. Als Comedian und Kabarettist hat er sich in die Herzen seines Publikums gefrozzelt und von Burgthann aus die Comedy-Fan-Gemeinde von Bayreuth bis Berlin erobert, grummelnd, brummelnd, fränkelnd, im roten Polo-Hemd, immer a bisserle schlecht g‘launt. Und immer mit dem skeptischen Blick auf die Welt, der sich in Franken so g‘hört.

Ein Griesgram mit Sinn für Pointen, hat kürzlich ein Norddeutscher gesagt. Ein Franke, der auch mal laut wird und mit dem Mikro poltert und sein Publikum einbezieht in seine oft tiefschwarzen Gags.

Jetzt sitzt Jörg Kaiser also da am Wirtshaustisch und isst sein Schnitzel, trinkt sein Weizen dazu und wirkt im richtigen Leben so völlig anders als der grantelnde Frotzel-Franke, den er auf der Bühne gibt. Blaue blitzgescheite Augen, offener Blick, Kurzhaarfrisur, schlagfertig. Dass er ständig neue Ideen für sein Programm hat, dass deshalb immer sein Smart-Phone greifbar ist, um die Geistesblitze zu konservieren, erzählt er.

Morgens, auf dem Weg zur Arbeit beim Schaeffler, ist er am produktivsten. Ja, auf dem Weg zur Arbeit. Jörg Kaiser ist im Hauptberuf Konstrukteur. Die Bühne, das ist für ihn eine Teilzeitbeschäftigung, der er seit 2005 nachgeht, seit einer Bierlaune, die sich nach vier Seideln vom Einfachen einstellte und ihn leichtsinnig im Freundeskreis verkünden ließ, auf einer Rosenmontagsveranstaltung in die Bütt zu steigen.

Keine Rampensau

Ist ihm doch sicher leicht gefallen, oder? Zack, einen Witz nach dem anderen rauszuhauen und sein Faschingspublikum zu begeistern, damals, vor 13 Jahren, als er zum erstenmal da vor vielen Menschen stand und die Leute zum Lachen bringen wollte. Nein, sagt der Burgthanner Comedian, im Gegenteil. Er sei nämlich nicht die Rampensau, die man in ihm vermutet, wenn man heute seine Videoclips sieht.

Damals, 2005, auf der ersten Faschingsveranstaltung seiner Karriere, war das ein Test für einen eher introvertierten jungen Mann mit einem Comedy-Manuskript, das schon eine ganze Weile in der Schublade lag und dessen größtes Publikum bis dahin die Klasse in der Schule beim Deutsch-Referat war. Introvertiert? Na ja, ganz so verdruckst kann Jörg Kaiser damals bei seinem ersten Auftritt nicht daher gekommen sein, weil sein Vortrag so gut ankam, dass er von immer mehr Leuten Anfragen bekam, ob er nicht bei der oder jener Veranstaltung für Lacher sorgen wollte.

Apropos Witze raushauen: Jörg Kaiser erzählt keine Witze, er erzählt Geschichten, in denen sich das Publikum wieder erkennt. Vom Gutscheinbuch, der Ladies-Night oder dem Seniorentag auf dem Volksfest. Oder vom Vorsingen in der Schule: bei seiner kasachisch-stämmigen Lehrerin, deren Akzent er mit kasachisch-russisch-rollendem RRR rüberbringt.

Freikarten zu gewinnen

Mit dem Musik-Comedian Atze Bauer aus Höchstadt trifft sich Jörg Kaiser regelmäßig zu gemeinsamen Schandtaten, die die beiden dann als Videoclip festhalten. Wenn Atze mit einer Klampfe in einer leeren Gasse in einem noch leereren fränkischen Dorf sitzt und die beiden sich gegenseitig fragen „Was machst denn du da?“ dann hat das was von „Warten auf Godot“ auf fränkisch. Straßenmusik macht der Atze. Jörg geht derweil shoppen. Im Leeren, im Nichts. Die Situation passt nicht auf die Bühne, ist als Videoclip aber perfekt. Als Ein-Minuten-Clip.

Jörg Kaisers neues Bühnenprogramm „Schmarrnhinweise“ dagegen geht über zwei Stunden. Die Hinweise gibt das Teufelchen auf der Schulter des Comedian, das ihm alles mögliche einflüstert: Werde erwachsen, halte Diät, mache Sport, entspanne mit Kopfstand beim Yoga und dünste die veganen Gemüsebrätlinge am schadstoffarmen Heißluftgrill. Lässt Kaiser sich auf solchen Schmarrn ein? Natürlich nicht.

Wie er mit dem Teufel auf seiner Schulter umgeht, kann man sich am Freitag, 23. November, im Kulturraum der Pegnitz-Zeitung in Lauf, Nürnberger Straße 19, ansehen. Beginn ist um 19.30 Uhr, Tickets gibt es unter www.pz-kulturraum.de.

Die ersten beiden Anrufer, die sich in der Redaktion des Boten (09128/707234) unter dem Stichwort „Schmarrnhinweise“ melden, bekommen jeweils zwei Freikarten.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten