Weihnachtspäckchen für Kinder aus armen Familien

Verpackte Freude

Eine Schule in der Ukraine: Jubelnd rennen die Kinder mit ihren Päckchen nach Hause. Für manche ist es das erste Geschenk ihres Lebens. | Foto: David Vogt2018/11/NL-Geschenkepaeckchen-Weihnachten-im-Schuhkarton.jpg

NÜRNBERGER LAND – Die Tage werden kürzer, die Nächte länger. In den Regalen der Supermärkte künden Zimtsterne, Magenbrot und Lebkuchen vom nahenden Weihnachtsfest. Doch nicht für alle Kinder ist Weihnachten ein Grund zur Vorfreude. Manche Eltern sind zu arm, um ihnen Geschenke zu machen. Im Nürnberger Land beteiligen sich daher Kirchengemeinden, Vereine und Privatpersonen an den Aktionen verschiedener Hilfsorganisationen – ein Überblick.

Weihnachten ohne Geschenke? Für viele Kinder ist das leider traurige Realität. Jutta Hochsam von der evangelischen Pfarrei Winkelhaid beschloss vor gut 20 Jahren, etwas dagegen zu unternehmen. Sie brachte ihre Gemeinde mit der christlichen Geschenkaktion Weihnachten im Schuhkarton in Kontakt, die heuer ihr 25-jähriges Jubiläum feiert.

Das Prinzip: Spender bekleben einen handelsüblichen Schuhkarton mit Geschenkpapier und füllen ihn mit schönen Kleinigkeiten fürs tägliche Leben: Von Zahnbürsten, Shampoo, Hautcreme über Buntstifte, Klebestifte, Malkasten bis hin zu Mützen, Pullovern und Schals ist alles gern gesehen, nur neu müssen die Sachen sein. Über Spielzeug, Süßigkeiten und ein kleines Kuscheltier freuen sich die beschenkten Kinder besonders. Anschließend kennzeichnen die Päckchenpacker die Geschenke: Sind sie für einen Jungen oder ein Mädchen bestimmt? Für welche Altersstufen sind sie geeignet: zwei bis vier, fünf bis neun oder zehn bis vierzehn Jahre?

Rekord: Über 700 Päckchen

„Der Zuspruch aus der Bevölkerung war überwältigend“, erinnert sich Hochsam. Über 700 Päckchen hat sie in einem der Anfangsjahre gesammelt. Die Winkelhaiderin Brigitte Wunder war von der Aktion so inspiriert, dass sie vor zwölf Jahren beschloss, sie ehrenamtlich zu betreuen. „Ich habe damals einen Film über die Verteilung der Päckchen gesehen. Die Freude der Kinder hat mich sehr berührt. Es macht mir sehr viel Spaß, dazu beitragen zu können“, begründet sie ihre Leidenschaft.

Leider geben mittlerweile immer weniger Leute ihre Weihnachtspakete bei ihr ab. 200 Päckchen seien viel. Hochsam und Wunder freuen sich dennoch über jedes einzelne. „Ich denke auch nicht, dass die Spendenbereitschaft insgesamt zurückgegangen ist. Es gibt heute einfach mehr Angebot an solchen Aktionen. Da verteilt sich das ganz anders“, schätzt Hochsam die Lage ein.

Sie empfiehlt Menschen, die helfen möchten auf das Gütesiegel für seriöse Spendenorganisationen des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) zu achten. „Darauf kann man sich verlassen. Die Organisationen werden dort auf Herz und Nieren geprüft“, sagt sie.

In der Tat ist Weihnachten im Schuhkarton bei weitem nicht als einzige Hilfsorganisation im südlichen Nürnberger Land tätig. Die Aktion Geschenk mit Herz von Humedica funktioniert genau so. An ihr beteiligen sich etwa die Freiwillige Feuerwehr Mimberg und die Kindergärten Stankt Josef aus Altdorf, die Kleinen Strolche aus Unterferrieden und Die Ezelmäuse aus Ezelsdorf. Auch sie sammeln schön verzierte Kartons, die weltweit an verarmte Familien geschickt werden.

Auch in Burgthann sind die Weihnachtsvorbereitungen schon angelaufen: Burgthann hilft betreut seit letztem Jahr viele Kinder in einer von der Hilforganisation gegründeten Schule in Mombasa, Kenia. Dieses Jahr möchten die Organisatoren die Kinder das erste Mal mit kleinen Weihnachtstütchen überraschen. Diese Geschenktüten sollten folgende Dinge enthalten: eine Stofftüte, einen festen Gummi, eine Zahnbürste, ein kleines Stofftier, einen Luftballon, zehn Malstifte, ein kleines Malbuch. Eine Weihnachtskarte mit Grüßen oder einem Bild runden die Sache ab.

Das erste Geschenk im Leben

Renate Endreß vom Frauenkreis der evangelischen Kirche Leinburg sammelt etwa Weihnachtspakete für Hoffnung für eine neue Generation. Jährlich schickt sie rund 200 Päckchen an bedürftige Kinder in Rumänien. „Die können ganz unterschiedlich aussehen. Manche sind riesengroß für ganze Familien, andere fallen eher klein aus. Die sind dann für einzelne Kinder bestimmt“, sagt die Leinburgerin.

Besonders willkommen sind Lebensmittel, Süßigkeiten, Hygieneartikel, Spielsachen, Malbücher und Stifte. Auch gut erhaltene Winterkleidung wie Schals, Mützen und Handschuhe sowie Handtücher und Waschlappen kommen gut an. Auf dem Paket sollte schließlich vermerkt werden, ob es für ein Mädchen oder einen Jungen, Erwachsene oder eine Familie gedacht ist.

Ein deutsches Team verteilt zwei Wochen lang die Pakete mit Hilfe örtlicher Mitarbeiter in Rumänien persönlich an die Betroffenen und die 44 Kindergärten des Hilfwerks Hoffnung. Endreß selbst hat bereits Transporte nach Rumänien begleitet. Es sei herzerwärmend zu sehen, wie einfache Dinge Kindern so viel Freude bereiten, sagt sie. „Für manche ist es das erste Geschenk, das sie je erhalten.“

N-Land Magdalena Mock
Magdalena Mock