Raiba-Weihnachten

Mufo-Kinderchor und Viva Corda ließen Eppelein von Gailingen schon vor der Premiere hochleben

Musikalische Ritterstory zum Festspiel-Auftakt

Szene mit den beiden Ensembles und dem „Brautpaar Agnes und Volckamer“, hinter dem Eppelein bereits seine Pläne schmiedet. | Foto: Gisa Spandler2017/07/epp-kantate2.jpg

BURGTHANN – Eine einzige Eppelein-Aufführung am Tag reicht dem rührigen Festspielverein um Helmut Buchner nicht aus. Nicht nur den „Klassiker“ am Abend, sondern auch von und für Kinder am Nachmittag sollte es am Tag der Premiere eine musikalische Aufführung über den gerissenen Raubritter geben. Da traf es sich gut, dass der ehemalige Lehrer Lorenz Winter den Burgthannern seine 1986 von ihm komponierte und getextete Eppelein-von-Gailingen-Kantate für Kinderchor und Instrumente kostenlos zur Verfügung stellte. Brigitte Urdaneta als Leiterin des Kinderchors des Musikforums, und Bernd Fellmann, Leiter des Jugendorchesters Viva Corda des Neuen Burgthanner Streichensembles, schufen mit ihren begabten und motivierten jungen Musikern ein frisches, kindgerechtes und lebendiges Singspiel. Nicht nur der Komponist, der mit seiner Familie der Premiere beiwohnte, war hingerissen.

Er freue sich besonders, dass er die Aufführung gerade an der Stätte, an der dem berüchtigten Ritter sein vorletztes Stündlein geschlagen hat, erleben darf, versicherte Winter in seinem Grußwort, während Festspielleiter Buchner die Besucher auf der fast vollen Tribüne begrüßte.

Mit nur ganz wenig erwachsener Unterstützung stellten das Orchester und der Chor den Bösewicht vor, der nicht nur einer der gefährlichsten, sondern auch einer der humorvollsten Räuber seiner Zeit gewesen sein soll. Zunächst im Wechsel, dann gemeinsam musizierten Instrumentalisten und Chor die aufeinanderfolgenden Episoden, wobei Mitglieder des Chors die inhaltlichen Zusammenhänge und Übergänge vorlasen, während andere junge Kollegen die einzelnen Abschnitte in kurzen Szenen darstellten und auch kleine Sing- und Sprechrollen übernahmen, teils sehr zum Amüsement der Zuschauer.

Beachtliche Leistung der Kinder

Lorenz Winter konnte mit der Interpretation seines Werkes sehr zufrieden sein, was er auch nach der szenischen Aufführung versicherte. Die beiden Musikpädagogen holten Erstaunliches aus den Kindern heraus, die trotz der Bruthitze – teils in warmen Kostümen – sich keinerlei Schwächen anmerken ließen und eine beachtliche Leistung präsentierten.

Die etwas Älteren an den Streichinstrumenten zeigten die gewohnte Qualität, und die Jüngeren, ebenso engagiert bei der Sache, lockerten mit witzigen Einfällen das Geschehen auf der Bühne auf. Dass die Präsentation so mitriss, lag neben der Leistung der Ausführenden natürlich an der Komposition und den Songtexten. Einen besonderen Erkennungswert hatte beispielsweise die fanfarenähnliche Erkennungsmelodie, die sich durch das ganze Stück zog und von Streichern und Flöte gespielt wurde und – je nach Situation – auch in Abwandlungen zu hören war.

Und auch die Texte waren so gehalten, dass sie die Kinder nachvollziehen und – was ganz besonders zu loben ist – vollkommen auswendig nachsingen konnten. Nachdem in der kinderfreundlichen Version der Eppelein nicht am Galgen endet, sondern sein Leben mit dem legendären Sprung über den Burggraben rettet, gibt es für die Zuhörer auch noch eine Moral: Wenn ihr in einer ausweglosen Situation zu sein scheint, dann erinnert euch an den Eppelein und rettet, was zu retten ist. Kein schlechtes Motto und ein perfekter Auftakt für die aktuelle Festspielsaison.

Die Kantate wird wiederholt am Samstag, 22. Juli, um 17 Uhr, bei schlechtem Wetter in der katholischen Kirche.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler