Raiba-Weihnachten

Ezelsdorfer schlägt Gemeinde besonderen Deal vor

Kostenloser grüner Strom für Schnell-Ladestation?

Nicht nur die Familien-Fahrzeuge sollen von seinem Solarstrom profitieren, sondern jeder, der ihn für sein Elektro-Auto braucht, findet Andreas Haehnel. | Foto: Spandler2017/10/ezelsdorf-ladestation-haehnel.jpg

EZELSDORF – Der Vorschlag hat Charme: Andreas Haehnel aus dem St. Ruprecht Ring hat auf dem Dach seines Hauses die nach seinen Angaben größte private Photovoltaik-Anlage Deutschlands und würde den dort produzierten sauberen Strom der Gemeinde kostenlos für eine Schnell-Ladetankstelle für Elektro-Autos zur Verfügung stellen, wenn sie denn eine solche vor seinem Grundstück errichtet. Im Gemeinde- und Umwelt-Ausschuss stellte er seine Anlage und das Konzept für die Station vor. Die Räte waren zum Teil „fasziniert“, zum Teil sprachlos, Bürgermeister Heinz Meyer reagierte reserviert.

103 Solarmodule hat Haehnel auf dem Dach seines Hauses und auf dem Carport, auch auf der Nordseite, wenngleich dort natürlich kein besonders hoher Ertrag zu erzielen ist. Bereits seit 2000 liegen sämtliche Anschlüsse auf seinem Grundstück, die er für das Lade-Projekt bräuchte, die PV-Anlage selber läuft seit 2013. Der kostenlose Strom vom Dach sorgt im Haehnelschen Haushalt für 90 Prozent Autarkie, „nur“ 90 Prozent deshalb, weil der Schnee im Winter für eine unvermeidbare Produktionslücke sorgt. Auf dem Dach hat er zudem ein Windrad angebracht, das aus seiner Sicht allerdings eher eine symbolische Wirkung erzielt. 34 Kilowatt Peak weist die Anlage auf dem Dach auf und erzielt an einem guten Tag 170 Kilowatt Ertrag.

Das Haehnelsche Anwesen mit Sonnenkollektoren und Windrad. Nach den Vorstellungen des Besitzers sollte vor dem Grundstück die Schnell-Ladestation durch die Gemeinde errichtet werden. | Foto: Spandler2017/10/Ezelsdorf-haehnel-anwesen.jpg

Nun möchte er die Anlage „öffentlich machen“, und da er weiß, dass der Bürgermeister selbst ein Elektro-Auto als Dienstwagen fährt und mit der Ladestation am Rathaus nicht ganz zufrieden ist, schlägt er den Deal mit seinem Solarstrom vor.

Er selbst nutzt die Energie vom Dach unter anderem für die beiden Elektro-Autos in der Familie, denn seit 2009 fährt man keine Verbrenner mehr.

Riesiger Speicher im Keller

Um die Fahrzeuge jederzeit – nicht nur nachts – laden zu können, gibt es im Keller seines Anwesens einen riesigen Speicher für 33 Kilowattstunden mit Lithiumbatterien, zudem hat er einen Wechselrichter, der den erzeugten Gleichstrom auf den benötigten Wechselstrom umspannt. Den Speicher braucht er unter anderem für den Fall, dass beide Fahrzeuge leer sind und gleichzeitig geladen werden sollen.

Da er weit mehr Strom erzeugt als er verbrauchen kann – obwohl er auch schon den Gasbrenner in seinem Haus auf Strom umgestellt hat – und das Einspeisen ins öffentliche Stromnetz aus seiner Sicht kaum mehr Sinn macht, möchte er Bürger mit Elektro-Autos, nicht nur solche aus Burgthann, von einer Schnell-Ladestation profitieren lassen.

Viele Gründe führte der Ezelsdorfer für sein Vorhaben an. Neben dem ganz praktischen, dass er über mehr grünen Strom verfügt als er selber benötigt, möchte er natürlich im Sinne der Energiewende wirken und seine Zeitgenossen dazu animieren, mehr regenerative Energie zu nutzen. Auch verwies er darauf, dass die bestehende Ladesäule am Rathaus viel zu langsam sei, was der Bürgermeister unumwunden bestätigte. Die moderne Technologie bringe zudem das Image der Gemeinde voran, denn viele solcher Schnell-Ladestationen gibt es noch nicht, und hole E-Auto-Halter nach Burgthann, zum Laden und vielleicht auch zu einer Führung durch Andreas Haehnel, in der er seine PV-Anlage vorstellt. Die von ihm anvisierte Station ist eine so genannte „CCS-Schnell-Ladetankstelle“, die längst nicht so langsam auflädt wie die bereits vorhandene. Als besonderes Zuckerl bot er an, den Strom aus seinem Keller der Gemeinde lebenslang kostenlos zur Verfügung zu stellen.

„Rentiert sich bald“

Erst am Ende seiner Ausführungen kam er auf die Preisfrage zu sprechen. Die Kommune wäre nach seiner Berechnung mit 18 969,07 Euro dabei, was zweifellos eine stattliche Summe sei. Haehnel ist allerdings überzeugt, dass sich das rentiert: „In ein paar Jahren haben viel mehr Menschen ein Elektro-Auto, zum Beispiel als Zweitwagen“, gab er sich überzeugt.

Wolfgang Lahm (SPD) fand das Konzept bestechend, störte sich allerdings an der Randlage der Station in Ezelsdorf. Aus Sicht Haehnels kein Problem, weil sich Elektrowagen-Besitzer immer im Internet nach der nächstgelegenen Ladestelle erkundigen. Lahm wollte außerdem wissen, wie schnell die Station errichtet werden könnte und wie viele Ladeanschlüsse geplant seien. Er könne jederzeit beginnen, erklärte Haehnel, vorgesehen sei eine Ladesäule.

Keine passenden Kabel verlegt

Skeptischer äußerte sich Bürgermeister Meyer: „Der Standort ist nicht gut, der Bedarf ist nicht groß.“ In der folgenden kurzen Diskussion biss sich die Katze allerdings in den Schwanz: Die Nutzung der Station am Rathaus ist wohl deshalb so schwach, weil die Ladezeit, etwa für den gemeindlichen BMW i3, etwa vier Stunden dauert, stellte sich heraus. Für eine Schnell-Ladestation sind in dörflichen Gegenden aber keine passenden Kabel verlegt, so dass attraktivere Ladezeiten an öffentlichen Ladestationen nicht machbar sind. Vor Haehnels Grundstück wäre das anders, er würde die entsprechenden Kabel auf eigene Kosten bis zum gemeindlichen Grund verlegen, die Ladezeit des BMW mit einem CCS-Stecker würde nur etwa eine Stunde dauern.

Präzedenzfall schaffen?

Auf die Frage von Bernd Michl (Grüne), ob denn für die Anschaffung Fördertöpfe zur Verfügung stünden, erwiderten Meyer und Haehnel, es gebe Zuschüsse in Höhe von bis zu 12 000 Euro. Zurückhaltend äußerte sich auch Peter Müller (CSU), der meinte, man müsse daran denken, dass man mit einer Zustimmung zu diesem Antrag auch einen Präzedenzfall schaffe: „Wenn wir damit anfangen, kommt bald der nächste.“

Der Bürgermeister sah vor allem die Notwendigkeit, einen Vertrag, wenn denn einer zustande kommt, sehr gründlich auszuarbeiten, um alle Eventualitäten abzudecken. Gänzlich abgeneigt schien er nicht: „Emotional bin ich begeistert, aber dafür werde ich nicht bezahlt“, begründete er seine Vorsicht. Eines der Risiken sah er darin, dass Haehnel irgendwann aus dem Haus ausziehen könnte: „Was ist dann?“, fragte der Gemeindechef, der letztlich weitere Beratungen ankündigte und auf einen Beschluss im Gremium verzichtete.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler