Kooperation bei Entsorgung von Klärschlamm

Kein Müll, sondern Energieträger

Klärschlamm aus der Kläranlage wird bislang als Abfall auf Felder gekippt oder verbrannt. Der Gesetzgeber sieht in der Masse jetzt einen Energieträger. Phosphor kann daraus gewonnen oder Ameisensäure hergestellt werden. Bei der Behandlung der Schlämme wollen die Kommunen im Nürnberger Land künftig zusammen arbeiten. | Foto: Fotolia2018/03/Klaerschlamm.jpg
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BURGTHANN – Der im Landkreis anfallende Klärschlamm soll künftig im Nürnberger Land behandelt, als Energieträger verwandt und entsorgt werden. Darin sind sich die Bürgermeister des Landkreises einig. Welche Vorarbeiten dazu nötig sind, sollen Professor Markus Brautsch vom Institut für Energietechnik Amberg und der Geschäftsführer der Energie Projektagentur Nürnberger Land, Carsten Eckardt, ermitteln.

Hintergrund der angestrebten Kooperation ist eine Vorgabe des Gesetzgebers, die künftig die Ausbringung von Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Flächen verbietet. Böden und Grundwasser sollen geschützt werden.

Im Nürnberger Land wird zwar nur noch 15 Prozent des hier anfallenden Klärschlamms auf Felder gekippt. Trotzdem sind die Kläranlagen-Betreiber jetzt im Zugzwang, weil die Verbrennungskapazitäten für Klärschlamm knapp werden. Für den Gesetzgeber ist die in den Klärwerken anfallende Masse nicht mehr primär zu entsorgender Abfall, sondern Rohstoff zur Energiegewinnung.

Vorreiter Landkreis Bamberg

Brautsch hat im Landkreis Bamberg eine Kooperation der dort arbeitenden Kläranlagen auf die Schiene gestellt. In dem oberfränkischen Kreis wurde bislang relativ viel Klärschlamm auf die Felder gekippt, Johann Kalb, Landrat im Landkreis Bamberg, musste also schnell handeln.

Jetzt gewinnt man in Klabs Landkreis aus Klärschlamm Gas und daraus Strom. In der Erprobung sind noch Verfahren zur Herstellung von Ameisensäure aus Klärschlamm. Ausgereift dagegen sind Methoden zur Phosphorgewinnung.

Bei der interkommunalen Klärschlammentsorgung, darauf wies Brautsch usdrücklich hin, geht es um Abstimmung unter den Klärwerkbetreibern. Die technischen Daten müssen abgeglichen und geprüft werden – und man muss sich darüber einig werden, wo der Schlamm getrocknet werden kann.

Verbrennungskapazitäten fehlen

Die Erhebung der Daten und die Vorarbeiten finanziert das Bayerische Wirtschaftsministerium mit einem Zuschuss von 70 Prozent. Die restlichen 30 Prozent – für das Nürnberger Land wären das rund 20.000 Euro – würde der Landkreis übernehmen, versichert Landrat Armin Kroder„Jetzt nichts zu tun, wäre ein großer Fehler.“

Bei den anstehenden Problemen können die Gemeinden nur bestehen, wenn sie zusammen arbeiten. Carsten Eckardt von der Energie Projekt-agentur machte deutlich, dass die Klärschlammentsorgung in Zukunft sehr viel teurer wird, weil die Verbrennungskapazitäten fehlen. „Sie müssen jetzt übergreifend gemeinsame Lösungen finden“, appellierte er an die Bürgermeister.

„Müssen uns einig sein“

Heinz Meyer, Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags, wollte dann auch von seinen Kollegen wissen, wie sie zu den Ausführungen von Brautsch und Eckhardt stehen. „Wir müssen uns einig sein, ob wir das im Landkreis wollen.“

Zustimmung zu einer interkommunalen Klärschlammentsorgung signalisierten die Bürgermeister Klaus Hacker aus Röthenbach, Werner Wolter aus Hartenstein, Benedikt Bisping aus Lauf, Robert Ilg aus Hersbruck sowie Klaus Falk aus Ottensoos.

Winkelhaids Bürgermeister Michael Schmidt regte an, beim Thema unbedingt mit der Stadt Nürnberg zu reden. Vielleicht ergebe sich ja eine Kooperation mit der Noris. Ablehnende Stimmen gab es unter den Bürgermeistern nicht, so dass Brautsch jetzt tätig werden kann.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten