Anbauten im Burghof: Bürgermeister verteidigt Stahl-Konstruktionen

Käfighaltung auf der Burgthanner Burg

Sorgen bei vielen Besuchern der Burg für Empörung: die Metallanbauten an Burgthurm und Mauer (Foto unten)2015/04/Burg-verschandelt.jpg

BURGTHANN – Wer die Burgthanner Burg kennt und schätzt, hat in den vergangenen Tagen beim Betreten des Burghofs eine Erfahrung der besonderen Art gemacht: Zwei Gitterkästen umhüllen Teile des historischen Ensembles, dazwischen andeutungsweise Außentreppen, die in zwei Etagen nach oben bzw. auf die Burgmauer führen. Wer nun geglaubt hat, dieses Gerüst sei vorübergehend dort angebracht, weil bekanntermaßen Sicherheits- und Brandschutzmaßnahmen vorgenommen werden müssen, hat sich getäuscht. Die Kästen sollen bleiben. Die Meinungen dazu sind geteilt.

Bürgermeister Heinz Meyer sieht das Ergebnis positiv, nennt es „einen Gewinn“. Gebaut wurde genau so, wie das Architekturbüro geplant hatte. „So wurde das im Gemeinderat vorgestellt und so wurde es dort abgesegnet“, erinnert er sich. Ob er denn ein positives Feedback erhalte? Anscheinend vorwiegend. Viele freuten sich, dass man die stählerne Vorrichtung nun begehen und ins Schwarzachtal blicken könne. Dass die Architektur des Anbaus „Ansichtssache“ sei, räumt er ein. Doch die Brandschutzmaßnahmen sind mit dem Denkmalschutz abgestimmt und werden mit Sicherheit so bleiben, ist sich der Rathauschef sicher. So mancher wäre zwar von der Optik des Rohbaus erschrocken gewesen, jetzt aber sei der Tenor bei vielen: „Ihr habt euch wenigstens was getraut!“

Zuerst „nicht begeistert“

Betty Püntzner, Vorsitzende der Fördergemeinschaft Burg Burgthann, war zuerst „nicht begeistert“. Mittlerweile bemüht sie sich aber, die Vorteile des Umbaus zu sehen. Ähnlich ginge es den Besuchern, die erstmals mit den neuen Außentreppen und ihren umgebenden Gerüsten konfrontiert werden: „Zunächst stutzen sie, dann aber wird die Möglichkeit, nach oben zu steigen und die Aussicht zu genießen, super gut angenommen.“ Dies war zu beobachten, als am vergangenen Wochenende Gäste da waren. Bisher war es nur an rund 25 Tagen im Jahr möglich, durch das Museum auf den Turm zu steigen, jetzt können die Burgbesucher jederzeit gefahrlos auf die beiden Terrassen klettern und in die Ferne blicken. Mit dem Material der Konstruktion wird man sich wohl noch anfreunden müssen, findet sie.

Da sind sich die Architekten ganz sicher. Die Verkleidung des Balkons wird bald nachsilbern und der Stahl ebenfalls eine natürliche Korrodierung aufweisen, so dass der Anbau auch optisch in kurzer Zeit wieder eine Einheit bildet, versichern Reinhard Graf und Matthias Hoppe vom Architekturbüro Graf Architekten in Oberferrieden. Aus Sicherheitsgründen sei die Burg kurz vor der Stilllegung gestanden, so die beiden Brandschutzexperten. Die Auswahl der Materialien hätte sich dadurch schon sehr eingeschränkt. Holz ginge aus Brandschutzgründen nicht, Mauern und Beton wollte man nicht. „Warum sollte man hier nicht mit zeitgemäßen Materialien arbeiten?“, fragt Graf, schließlich garantieren die, dass man möglichst wenig Eingriffe in den alten Bestand vornehmen muss, und auch die kritischen Fachstellen Denkmalschutz und Städtebau gingen diesen Weg mit. Denn die Alternative, die eine optisch ansprechendere Fassade ermöglicht hätte, hätte eine Verlegung der Rettungstreppen in das Innere des Gebäudes bedeutet, was der Nutzung der Räumlichkeiten für das Museum ein Ende bereitet hätte. Aber warum muss das Ganze wie ein Käfig anmuten, fragen manche Bürger. Um den massiven Eindruck zu vermeiden, der sich im Zustand des Rohbaus ohne das Stahlnetz über das alte Gebäude gelegt hatte, so Graf und Hoppe. Je nach Lichteinfall träten die Treppen beim Betrachter in den Vordergrund und man sähe den Gitterkasten kaum noch. Die verrosteten Stahlteile und nicht zuletzt der Gewohnheitseffekt würden ein Übriges tun.

„Eppelein ist tot“

Helmut Buchner, Intendant und Spiritus Rector der Eppelein-Festspiele, ist in der Bredouille. Wie soll man die häßlichen Metallkonstruktionen in die Aufführungen integrieren? Geht das überhaupt? Er habe sich da viele Gedanken gemacht, sagt Buchner auf Nachfrage des Boten. Die Balkonszenen müssen geändert und die Tribüne verkleinert werden. Und die Käfige will man mit Transparenten verhängen. Buchner ärgert sich zwar auch über die Metallanbauten in der Burg, bleibt aber diplomatisch: Als Herausforderung betrachte man das Ganze. „Aber wir schaffen das schon.“

Weit weniger diplomatisch und gelassen blieben da Buchners Mitstreiter bei den Eppeleinfestspielen, als sie den Baufortschritt auf der Burg beobachteten. Das kann doch nicht wahr sein, was hier geschieht, war der allgemeine Tenor. Von Affenkäfig und Ritterzoo war die Rede, von Klettergarten und Aprilscherz. Als Eppelein-Schauspieler bei Buchner nachfragten, ob die Käfige denn so bleiben würden, ob das denn nicht vielleicht nur Gerüste seien, die wieder abgebaut würden, konnte der nur resigniert mit den Achseln zucken. Eppelein sei gestorben, mit Affenkäfigen im Burghof sei kein Festspiel mehr möglich, waren sich viele der Darsteller einig. Um eine Burg zu zerstören, habe man früher Kanonen eingesetzt, heutzutage gelinge das auch mit den „richtigen“ technischen Planern, postete ein verärgerter Schauspieler auf Facebook. Seine Werbetexte für die Festspiele hat Helmut Buchner zwischenzeitlich jedenfalls geändert. Das Wort „romantisch“ hat er überall da gestrichen, wo von der Burg und deren Innenhof die Rede ist.

Kommentar

Der Burghof in Burgthann ist verschandelt. Hässliche Metallkäfige verhunzen die gute Stube der Gemeinde, in Auftrag gegeben vom Gemeinderat, geplant von einem Architekten, der Mitglied dieses Gremiums ist. Als Brandschutzmaßnahme. Dass Besucher der Burg jetzt die Hände über den Köpfen zusammenschlagen und fragen, ob die Burgthanner denn noch recht bei Trost sind, verwundert nicht. Schlimmer hätte es nicht kommen können, auch wenn einige jetzt versuchen, um die Sache herum und die metallenen Fremdkörper schönzureden.

Betty Püntzner, die Vorsitzende des Burgvereins, hatte Tränen in den Augen, als sie das ganze Ausmaß der Verunstaltung sah. Über Jahrzehnte haben sich die Mitglieder ihres Vereins um den Erhalt und die Sanierung der Burg bemüht – und jetzt das.

Der Brandschutz rechtfertigt vieles, auch solche zerstörerischen Eingriffe in ein Denkmal. Angesichts der scheußlichen Käfige in der Burgthanner Burg ist es allerdings an der Zeit, einfach einmal nachzufragen, ob hier noch das rechte Maß gewahrt wurde.

Brechen wir eine Lanze für die Gemeinderäte und den Bürgermeister und vermuten einfach mal, dass ihnen nicht bewusst war, wie schrecklich die Baumaßnahme ausgehen würde, als sie dafür grünes Licht gaben. Jetzt aber, da offensichtlich ist, was im Burghof angerichtet wurde, sollten sie laut und deutlich ihre Stimme erheben und die Beseitigung der Monstrositäten fordern. Der Burghof gehört den Burgthannern. Sie sollten Brandschutz- und Sicherheitsfanatikern nicht kampflos das Feld überlassen. Alex Blinten

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler/Alex Blinten