Erholungssuchende entsetzt über massive Hiebsmaßnahme im Staatswald

Heftiger Holzeinschlag – muss das sein?

Immer wieder entstanden bei dem Einschlag lichte Stellen - ein Eindruck, der bei Kiefern auch schon bei kleineren Eingriffen entsteht. | Foto: Gisa Spandler2017/01/Einschlag-unterferrieden3.jpg

UNTERFERRIEDEN – Winterzeit ist Holzerntezeit, das ist bekannt. Was aber in diesem Winter im Wald des Ortedreiecks Unterferrieden – Lindelburg – Pfeifferhütte geschlagen wurde, geht weit über das Übliche hinaus, finden Spaziergänger, die sich über den unschönen Anblick und die von großen Harvestern zerstörten Waldwege beklagen. „Bis auf ein paar wenige kleine Stellen vertretbar“ findet die Maßnahme dagegen Klaus Oblinger vom Forstrevier Altdorf.

Die vorherrschende Annahme, das Gebiet sei im Privatbesitz, ist irrig. Der betroffene Wald gehört den Bayerischen Staatsforsten, zuständig ist das Revier Neumarkt. Hier greifen offensichtlich die Vorgaben des Forstbetriebs, der einen Holzeinschlag aus wirtschaftlichen Gründen fordert.
Doch muss der gleich so massiv aussehen, fragt sich eine Spaziergängerin, die fast täglich mit ihren Hunden die besagte Gegend besucht. Ihr seien die Tränen gekommen, als sie die Verwüstung an mehreren Stellen vor Weihnachten gesehen habe, berichtet uns eine Leserin. Und denkt dabei nicht nur an die idyllische Waldlandschaft, die das Auge gewohnt war, sondern auch an die Bewohner des Forsts, bis hin zu den Kleinstlebewesen. Jahrzehnte dauere es, bis wieder Bäume in der Größe der geschlagenen heranwüchsen. Vornehmlich Kiefern und Fichten lagen da, teils kreuz und quer, teils bereits fertig gestapelt zum Abtransport. Dass durch den Einschlag und den Einsatz der großen Erntemaschinen die Böden ruiniert und auch der niedere Bewuchs in Bodennähe, wie Moose und Flechten, die als Wasserspeicher gelten, zerstört wurden, scheint dabei niemand beachtet zu haben, ärgert sich ein anderer Waldbesucher.

Aufforstung ist Pflicht
Hier beruhigt Klaus Oblinger: „Wie jeder Waldbesitzer müssen auch die Staatsforsten nach stärkeren Hiebsmaßnahmen wieder aufforsten“ und „Ein Kahlschlag liegt nicht vor“, urteilt der Fachmann. Dass an manchen Stellen der Eindruck richtiggehender Freiflächen entstanden ist, läge daran, dass bei Kiefern auch schon bei schwächeren Eingriffen der Eindruck relativ lichter Stellen entstünde.
Für manche Kritiker ist das keine befriedigende Erklärung, und auch Naturschutz-Organisationen wie der Landesbund für Vogelschutz (LBV) kritisieren das ihrer Meinung nach rein wirtschaftlich motivierte Vorgehen. Hier gebe es durchaus auch unterschiedliche Ansichten unter den Förstern, „wobei bei der ihnen von oben diktierten Doktrin von nachhaltiger Bewirtschaftung meist nicht die Rede sein kann“, wie Bernd Michl, der erste Vorsitzende der LBV-Regionalgruppe Feucht, feststellt.
Dass der Zustand des Waldes allerdings so unansehnlich bleiben wird, muss niemand befürchten. Bei jeder Hiebsmaßnahme werden Wege ramponiert, aber nach dem Holzabtransport wieder hergerichtet, versichert der Förster.
Allerdings dürfe man auch nicht vergessen, dass die Wege in erster Linie der Waldbewirtschaftung dienen. Und das Ausmaß des Einschlags? „Über die Eingriffsstärke lässt sich immer diskutieren“, weiß der Wald-Experte. Dass die Erholungssuchenden da nicht auf der Linie derer liegen, die den Wald als Wirtschaftsfaktor sehen müssen, liegt auf der Hand.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler