23-Jähriger sprengte Geldautomaten

Haft für Automatenknacker

Zweimal in kurzer Zeit wurde in der Sparkasse in Oberferrieden 2016 der Geldautomat gesprengt. Der verurteilte Österreicher ist für die erste Sprengung im Mai verantwortlich. | Foto: Blinten2018/03/Automatenknacker.jpg

OBERFERRIEDEN – Ein 23-jähriger Österreicher sprengte unter anderem im April 2016 in Oberferrieden einen Geldautomaten. Einige Monate später lieferte er sich eine filmreife Verfolgungsjagd mit der Polizei im Raum Hersbruck. Jetzt verurteilte ihn das Landgericht Nürnberg-Fürth zu fünf Jahren Gefängnis.

Die Sendung Aktenzeichen xy…ungelöst brachten den 23-Jährigen und seinen Kumpel auf die Idee, Geldautomaten zu sprengen. Mit dem Geld wollten die beiden jungen Männer aus dem Großraum Wien Schulden begleichen. Gemeinsam spähten sie in Süddeutschland Objekte aus.

Am 29. Mai 2016 schlug der 23-Jährige dann in der Sparkassenfiliale im Gewerbegebiet an der B8 bei Oberferrieden zu: Er leitete zunächst ein Gasgemisch in den Geldautomaten. Dann legte er mit Bremsreiniger eine Spur, zündete diese an und verursachte so eine Explosion. Die Verkleidung des Geräts flog durch den Raum.

Weitere Sprengung

Um an die Geldkassette zu kommen, führte R. eine weitere Sprengung durch. Allerdings vergeblich: Die über 100.000 Euro blieben gut gesichert, wo sie waren. Der Österreicher trollte sich ohne Beute. Er richtete aber Sachschaden von rund 35.000 Euro an.

Zwei weitere, ebenfalls erfolglose Anschläge folgten im Mai 2016 in Nördlingen und Dillingen. Insgesamt entstand ein Sachschaden von über 100.00 Euro. Für eine weitere Sprengung in der gerade frisch renovierten Filiale in Oberferrieden im Juni 2016 ist der Österreicher jedoch nicht verantwortlich.

PS-starke Autos

Im Herbst 2016 plante das niederösterreichische Duo weitere Raubzüge und schaffte extra für diesen Zweck einen PS-starken Audi mit Zusatztanks an. Allerdings heftete sich Polizei auf der A9 an die Fersen des 23-Jährigen. Am 27. November 2016 lieferte er sich eine mehrstündige Verfolgungsjagd mit der Polizei durch Oberfranken und das Nürnberger Land.

In Entmersberg raste der Fahrer nur wenige Meter an einer Polizeisperre vorbei. Ein Polizist konnte gerade aus dem Weg gehen. Auch in der Nürnberger Straße in Hersbruck hätte der Fahrer fast einen Polizeibeamten umgefahren, auch er konnte sich nur durch einen beherzten Sprung retten.

Auto krachte in Leitplanke

Erst auf der A3 bei Mögeldorf endete die Fahrt des glücklosen Bankräubers: Der Österreicher krachte in eine Leitplanke, flüchtete zu Fuß und versteckte sich in einem Abwasserrohr. Dort wurde er kurze darauf festgenommen. Seit 27. November 2016 saß der Mann nun in Untersuchungshaft, erst im Januar 2018 begann der Prozess gegen ihn.

Die ungewöhnlich lange Zeit bis zum Prozess ist auf einen justizinternen Streit zurückzuführen: Die Staatsanwaltschaft wertet die Verfolgungsjagd, bei der fast die Polizisten unter die Räder kamen, als versuchten Mord, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und unerlaubtes Entfernen vom Unfallort.

Das Schwurgericht, das für solche Fälle zuständig ist, sah jedoch keinen Mordversuch und gab die Anklage an eine allgemeine Strafkammer weiter. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein, diese wurde vom Oberlandesgericht jedoch abgelehnt.

Keine Tötungsabsicht

Die 13. Strafkammer des Landgerichts, aber auch die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger Tobias Schmidt und Till Wagler konnten am Ende der ausführlichen Beweisaufnahme über mehrere Verhandlungstage nicht erkennen, dass der 23-Jährige den Polizisten in Hersbruck absichtlich umfahren und töten wollte.

Sachverständige, die vergangene Woche ihre Gutachten erstattet haben, sagten, der Angeklagte konnte bei den schlechten Lichtverhältnissen den Beamten auf der Straße gar nicht rechtzeitig sehen. Grund ist ihrer Aussage nach eine verschmutzte Straßenlaterne an der Nürnberger Straße.

Verurteilt wurde der Österreicher, der bereits zu Prozessbeginn ein Geständnis abgelegt hatte, unter anderem wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und versuchten Diebstahls in drei Fällen sowie Gefährdung des Straßenverkehrs und unerlaubten Entfernens vom Unfallort.

Fünf Jahre Haft

Er muss für fünf Jahre hinter Gitter und darf sich die kommenden fünf Jahre in Deutschland nicht hinters Steuer setzten. Außerdem muss er dem Polizisten, den er in Hersbruck fast umgefahren hätte, 500 Euro Schmerzensgeld bezahlen. Den Beamten hat der Vorfall so mitgenommen, dass er unter psychischen Problemen leidet.

Der Kumpel des Angeklagten, der wohl die Idee zu den Automatensprengungen hatte, kam deutlich günstiger davon: Er wurde in Österreich wegen Beihilfe zum Diebstahl zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Aufgrund einer großzügigen Bewährungsregelung im Nachbarland musste er davon nur fünf Monate absitzen und it schon wieder auf freiem Fuß. 

N-Land Clara Grau
Clara Grau