Wie erlebten Geistliche den Heiligen Abend

Gibt es Besinnlichkeit für den Herrn Pfarrer?

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BURGTHANN/ALTDORF – An Weihnachten in die Kirche gehen – das gehört bei vielen zum Weihnachtsfest, wie Christbaum und Bescherung. Da der 24. Dezember dieses Jahr ein Sonntag ist, haben die meisten auch frei, ein Pfarrer hat allerdings gerade an diesem Tag viel zu tun. Wie bereitet sich ein Pfarrer auf Weihnachten vor und wie verbringt er selber diesen besonderen Tag?
Der Dekan der evangelischen Kirche Altdorf, Jörg Breu, beginnt bereits im November gezielt Texte zu lesen, die ihn für seine Predigt inspirieren. Er sucht nach Motiven und Inhalten, die er an Heiligabend den Kirchengängern vermitteln will. „Bei den Vorbereitungen setzt sich das Programm des Gottesdienstes wie ein Puzzle Stück für Stück zusammen, man benötigt viel Geduld“, sagt Breu. Trotz rechtzeitiger Planung ist noch nicht alles bereit, sagt Breu: „Aktuell befinden sich die Liedblätter noch im Druck, aber bis Heiligabend sind auch die fertig.“ Auch Burgthanns Pfarrer Bernhard Winkler bereitet sich möglichst früh vor: „Ich beginne damit, Ablauf, Lieder und viel Organisatorisches zu planen, das muss ich dann an mein inhaltliches Programm angleichen“, verrät er über seine Gottesdienstplanung.
„Sehr wichtig“
„Der Weihnachtsgottesdienst ist mir sehr wichtig“, sagt Dekan Breu, „denn an Weihnachten ist die Kirche meist voll und ich habe die Möglichkeit viele verschiedene Menschen an diesem Tag zu erreichen.“ Breu freut sich über jeden Besucher an Heiligabend, auch wenn viele Besucher nur an diesem Tag den Weg in die Kirche finden.
Sinnlich erlebbar
Der Altdorfer Dekan erklärt sich diesen geballten Ansturm auf die Kirchen an Weihnachten so, dass es das am sinnlichsten erlebbare christliche Fest ist und viele Menschen sich gerade in der kalten und dunklen Winterzeit nach Geborgenheit sehnen.
Pfarrer Winkler bemerkt ebenfalls, dass die Kirchen gerade an Weihnachten besonders voll sind. Aber man dürfe es sich nicht so vorstellen, dass sein Gotteshaus das restliche Jahr über leer sei: „Viele Menschen gehen regelmäßig in die Gottesdienste.“ Zudem sei seine Kirche auch zum Lutherjubiläum gut besucht gewesen. Winkler geht davon aus, dass der Kirchenbesuch häufig eine Familientradition sei.
Die Familie ist für beide Kirchenmänner an Weihnachten ein zentraler Punkt. „Heiligabend ist vielerorts ein Tag der Familie, deshalb beginnt für viele auch die weihnachtliche Besinnlichkeit erst beim gemeinsamen Kirchengang“, sagt Pfarrer Winkler, „Es ist gut, wenn man sich in der Gemeinschaft der Familie geborgen fühlen kann.“ Dekan Breu will versuchen, in seiner Messe Hoffnung zu vermitteln: „Hoffnung, dass es etwas Größeres gibt, das wir nicht wahrnehmen können, und Hoffnung auf mehr Gerechtigkeit.“
Klare Arbeitsteilung
Dekan Breu hat am 24. Dezember also allerhand zu tun, deshalb ist er froh, dass seine Frau ihn unterstützt, wo es nur geht: „Das ist klare Arbeitsteilung, sie sorgt für Weihnachtsdeko, Christbaum und Co, ich für einen schönen Gottesdienst.“ Doch bleibt einem Pfarrer an Weihnachten überhaupt Zeit, um selbst besinnliche Momente mit der Familie zu erleben? „Das klappt“, sagt Breu, „wir essen gemeinsam als Familie zu Abend und eine kleine Bescherung gibt es dann natürlich auch. Wir müssen uns aber nach den Gottesdiensten richten“. Pfarrer Winkler findet auch Zeit, um mit der Familie ein paar ruhige Augenblicke zu verbringen. „Richtig zur Ruhe komme ich aber erst am Tag danach“, sagt Winkler.

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