Jazz- und Kulturverein Burgthann rüsten sich für „Jazz in der Burg“

Ein Festival – drei Tage – viele Highlights

Interpretieren die Hits des King of Pop mit eigener Note: Rüdiger Baldauf und seine Musiker-Kollegen. | Foto: privat2017/06/Baldauf-1.jpg

BURGTHANN – Zum 39. Mal rüsten sich Mitglieder und viele Helfer des Jazz- und Kulturvereins Burgthann für ihr „Jazz-in-der-Burg-Fest“. Längst kein Geheimtipp mehr, zieht diese dreitägige Veranstaltung – heuer vom 30. Juni bis zum 2. Juli – die Jazz-, Blues-, Rock-Affinen und andere Musikbegeisterte aus der Umgebung in den Burghof der alten Ruine. Fast schon zu viele Highlights für ein Festival werden da heuer geboten. Und wieder haben die Strippenzieher mit den Connections zu den Künstlern für ein ausgewogenes Line-up gesorgt: Von wegen Jazzfest! Musikfest müsste das Event heißen, denn wie immer ist weit mehr als nur eine Stilrichtung geboten.

Dennoch ist der Headliner ein Jazzer, ein Swinger, noch dazu einer aus der Region, der dieses Jahr mit seinem 25-jährigen Bigband-Jubiläum ganz besonders im Zentrum der musikalischen Aufmerksamkeit steht – wir berichteten: Thilo Wolf, Komponist und Pianist, kommt am Freitag, 30. Juni, um 20 Uhr mit seinem Quartett zum Auftaktkonzert – unter freiem Himmel, wie auch die anderen acht Konzerte, so der Wettergott es will.

Verschiedene Genres

Aber da sind auch noch viele weitere Spitzenkünstler, die einen etwas anderen Geschmack bedienen und daher eben für ein anderes Publikum das Nonplusultra der zeitgenössischen oder auch älteren modernen Musik darstellen. Zum Beispiel das Ondrey Kabrna Trio aus Prag mit seinem Projekt „Hammond Fascination“. Der Chef des Trios ist Professor für Jazzpiano an der Musikhochschule in der tschechischen Hauptstadt und bringt die original Hammond H100 mit und einen Wahnsinns-Gitarristen sowie einen sensiblen Drummer, wenn er am Samstagabend um 18 Uhr die Bühne entert.

In eine ganz andere Richtung zielt ein weiteres Highlight: Rüdiger Baldaufs Jackson Trip präsentiert eine genial kreative Reise durch das Repertoire von Michael Jackson. Wenn ein angesagter Musiker die Band seiner Wahl zusammentrommelt, um ein paar Songs von Michael Jackson neu zu interpretieren, dann ist das keine Seltenheit. Wenn sich dies aber der Trompeter Baldauf mit seiner Mannschaft an Ausnahmemusikern vornimmt, der gleichzeitig seiner Leidenschaft für Funk und Soul treu bleibt und respektvoll mit den Riesenhits umgeht, dann entsteht dabei eine neue Qualität.

Nur drei Beispiele, die beweisen, dass die viel zitierte Phrase „für jeden etwas dabei“ beim Jazz-Burgfest auf jeden Fall zutrifft.

Programm

Aber der Reihe nach: Nachdem Thilo Wolf mit seinen Mitstreitern, darunter der geniale Altdorfer Norbert Nagel an Saxofon und Klarinette am Freitag gegen 20.30 Uhr den Musikreigen eröffnet hat, geht es am Samstag, 1. Juli, ab 16 Uhr mit Mo‘fazz in die Vollen. Jazzvarianten, Funk, Soul und Blues sind zu hören, also Clubjazz vom Feinsten. Zu erleben ist ein grooveorientierter Stil, der die Grenzen des Jazz über Funk und Latin bis zum Soul und Reggae erweitert und seinen modernen und abwechslungsreichen Sound in alle musikalischen Richtungen ausdehnt.

Gegen 18 Uhr kommt Ondrey Kabrna mit seinem Trio, der seine Hammond-Orgel ins Zentrum rückt und dem Kult-Instrument Originalklänge entlockt wie kaum ein anderer. Er spielt eigene Kompositionen, will aber auch ältere (meist) tschechische Musik spielen.

Um 20.30 Uhr ist Rüdiger Baldaufs Jackson Trip in der Burg zu erleben. Der Musiker zelebriert mit seinen Kollegen modernsten Pop-Jazz, super-kreativ und technisch versiert bis ins kleinste Detail. Die Vier standen schon mit allen möglichen Größen des Musik Business auf der Bühne bzw. vor der Fernseh-Kamera. Baldauf selbst zum Beispiel sorgte von 2003 bis zur Einstellung der Sendung 2015 in Stefan Raabs Late-Night-Show TV total als Teil der heavytones für den richtigen Ton zur schrägen Sendung.

Local heroes sind am Sonntag zu hören, wenn bereits um 11 Uhr der traditionelle Frühschoppen die Feierwütigen zum Schmausen und Lauschen ruft. Dieses Jahr kommt die Frankenbänd als musikalische Begleiter von Bratwurst und Bier. Die Band macht seit über 35 Jahren fränkische Musik. Zum Glück ist sie nicht zu einer dieser engstirnigen Brauchtumspflege-Kapellen verkommen, sondern lebt trotz traditioneller Fundamente von ihrer ganz speziellen Originalität. Vom Kärwa-Liedla über den Dreher bis hin zu eigenen originellen fränkischen Texten ist alles dabei.

Um 13.30 Uhr übernimmt das Sound Orchester Burgthann (SOB), das schon seit vielen Jahren seinen Beitrag liefert und immer noch wächst, zahlenmäßig sowie an Erfahrung und Qualität. Der Sound des SOB ist vielfältig und für jeden Anlass passend, denn die mehr als 80 Jungs und Mädels sind flexibel und haben aktuelle Hits, Filmmelodien, Evergreens aus der Musicalwelt oder Traditionelles im Repertoire.

Pete‘s Garage featuring Andi Blüml dürfte nicht nur den Eingeweihten etwas sagen. Die Truppe kommt gegen 15 Uhr in den Burghof und bringt auch eine Jazzförderpreisträgerin mit: Als die Sängerin Christina Jung diese Auszeichnung der Stadt Ingolstadt erhielt, hatte sie bereits das Debut-Album „Das Leben mit 25“ veröffentlicht. Mit ihrem crossover pop-jazzigen Stil überzeugte die junge Künstlerin nicht nur Kritiker, sondern auch bei vielen Konzerten ihr Livepublikum. Angetan von Christinas „straightem“ Gesang ließ sich die Band „Pete’s Garage“ die Chance, mit ihr ein Projekt ins Leben zu rufen, nicht entgehen.

Mit Müller & Friends rücken ab 17.30 Uhr Blues und Rock in den Vordergrund. Der Sound aus Instrumentals und Vocals, der sich auch bei Soul oder Jazz-Fusion bedient, lässt Köpfe nicken und Füße wippen, nicht nur zum Takt von bekannten Tunes dieser Genres, sondern auch zu den eigenen, stimmungsvollen Songs der Band. An den Vocals präsentieren diese Hanna “Isi” Iser und der britischen Sänger John Marshall.

Den Abschluss eines grandiosen Programms bildet gegen 20.30 Uhr wieder einmal die Keller Mountain Blues Band, die alle Schattierungen der Bluesmusik auf der Pfanne hat und seit 1985 die regionale Musikszene durch ihre griffigen Nummern aufmischt. Zwei stimmgewaltige Shouter, eine ordentliche Rhythmus-Gruppe und dazu die fünfköpfige Bläser-Abteilung machen allerhand her, haben noch jedes Publikum von den Sitzen gerissen, verstehen es aber auch wieder meisterlich, musikalisch auf ganz kleiner Flamme zu kochen, ohne jemals etwas anbrennen zu lassen.

Heiß wird es in der Burg an diesem Wochenende also auf jeden Fall, ganz unabhängig von den Witterungsverhältnissen. Das liegt natürlich auch an dem romantische Ambiente, das vielfältige kulinarische Angebot und das lässig-familiäre Miteinander von Organisatoren, Helfern, Gästen und Künstlern. Schief gehen kann da eigentlich nichts. Sollte das Wetter nicht mitspielen, trifft man sich im überdachten Rittersaal und trotzt solchen Boykott-Versuchen mit demonstrativer Gelassenheit.

Karten gibt es wie immer nur an der Tageskasse.

www.jazzinderburg.com

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler