Unterferriedener Kirchweihverein fühlt sich ernst genommen

„Damit können wir gut leben“

Es sieht gut aus für die „Unterferrieder Kärwaboum“ und ihre Madla: Die Gemeinde hat ihre Offenheit und Unterstützung zugesagt, sollte es in den kommenden Jahren wieder Probleme bei der Ausrichtung geben. Dem Engagement der jungen Leute, die auch die Kirchweih selber ausrichten würden, soll kein Stein in den Weg gelegt werden. | Foto: Gisa Spandler2019/01/Kaerwa-Unterferrieden-ganz-neu.jpg

UNTERFERRIEDEN – Das ging wirklich flott: In der Bürgerversammlung in Unterferrieden hatten sich die dortigen Kirchweihburschen und -mädchen über die unbefriedigende Situation der beiden zurückliegenden Kirchweihveranstaltungen beklagt und dabei auch die Haltung der Gemeinde kritisiert. Bürgermeister Heinz Meyer sah die Nöte der jungen Leute und versprach ein baldiges Treffen, in dem das Anliegen erörtert und eine Lösung, mit der alle Seiten leben können, angestrebt werden sollte. Noch im vergangenen Jahr hat dieses Gespräch nun stattgefunden, das Ergebnis stellt alle zufrieden.

Rückblick: Mit dem Pächterwechsel am Gasthof Wild Mitte 2017 begannen die Probleme. Auf dessen Gelände findet sei eh und je die Straßenkirchweih statt – mit Buden und kleinen Fahrgeschäften sowie der Verpflegung der Gäste im Gasthaus und im Freien, aber auch mit Tanz im Saal des Lokals und der Öffnung der Bar. Die neue Pächterfamilie konnte diesen Aufgaben aus verschiedenen Gründen weder 2017 noch 2018 nachkommen. Nachdem ihr Ausstieg wenige Tage vor Beginn der Kirchweih im vergangenen Jahr bekannt wurde, übernahmen die Kärwaleut’ kurzfristig in einer Hauruck-Aktion den Getränkeausschank.

Kein Wirt am Ort

Der Haken bei der Sache: Die Gemeinde hat eine Verordnung, die es Vereinen oder Caterern untersagt, die Bewirtung an der Kirchweih zu übernehmen, was ursprünglich zum Schutz der ortsansässigen Gastwirtsleute gedacht war. Ihnen sollte das Kirchweihgeschäft nicht vermiest werden. Genau diese Vorschrift war im vergangenen Jahr aber der Grund dafür, dass der Verein der Kärwaburschen die Getränke und Snacks nicht verkaufen, sondern nur gegen Spenden abgeben durfte. Das hat die Jungs und Mädels natürlich nicht zufrieden gestellt, so dass sie auf der Bürgerversammlung der Gemeindespitze neben ein paar anderen Ungereimtheiten mit auf den Weg gaben, doch mal über die Verordnung nachzudenken. Die werde nämlich dann sinnlos, so die jungen Unterferriedener, wenn es gar keinen Wirt am Ort mehr gibt, der zu schützen wäre, und gleichzeitig denjenigen, die den Erhalt der Kirchweihtradition in die Hand nehmen würden, Steine in den Weg gelegt werden.

Die Gemeinde sah den Handlungsbedarf und bot den jungen Leuten ein Gespräch im Rathaus an, das noch im Dezember stattfand. Darin ging es vorrangig um die Frage, wie man reagieren könne, wenn die Situation sich in Zukunft ähnlich darstellen werde, dass nämlich kein ortsansässiger Wirt die Verköstigung der Gäste übernehmen kann, der Verein der Kärwaboum aber an die besagte gemeindliche Verordnung gebunden ist und eigentlich nichts verkaufen darf.

In diesem Punkt kam die Gemeindespitze mit Bürgermeister Heinz Meyer und Hauptamtsleiter Johannes Strobel den Vertretern der Unterferriedener Kirchweih-Jugend, Oliver Wittmann und Alexander Mall, weit entgegen: Entschieden, wie verfahren wird, wird von Fall zu Fall. Die Verordnung bleibt bestehen, doch behält sich die Verwaltung vor, dem Verein der Kirchweihburschen gegebenenfalls freie Hand bei der Planung und Ausrichtung des traditionellen Fests zu lassen. „Meldet euch bei uns, wir können über alles reden“, signalisierte man den jungen Leuten Flexibilität im Rathaus.

Ein runder Erfolg

Für die ist das Ergebnis der Verhandlungen ein runder Erfolg. Die Verordnung zum Schutz der örtlichen Wirte bleibt bestehen, weil sie sinnvoll ist. Sollte es aber keinen Wirt geben, wird man den Verein der Kirchweihburschen in ihrem Bestreben, die Kirchweih selber zu stemmen, unterstützen.
Oliver Wittmann freut sich darüber, dass es ihm und seinen Gesinnungsgenossen überlassen bleibt, mit einem eventuellen neuen Betreiber der Gaststätte auszuhandeln, wie die Kirchweih gestaltet wird und wer die Bewirtung der Besucher letztendlich übernimmt.

Denn auf ein so kurzfristiges Einspringen wie im vergangenen Jahr will man sich nicht noch einmal einlassen. „Wir brauchen auch einen gewissen Vorlauf, wenn wir das Ganze planen und selber durchführen sollen“, stellt er fest.
Positiv sehen die Kärwaleut‘ auch die Tatsache, dass man ihnen keinen Festwirt mit Zelt vor die Nase setzt, der möglicherweise hauptsächlich seinen eigenen Gewinn im Auge hat: „Wir möchten schließlich die Traditionen so fortführen, wie sie in Unterferrieden bekannt und beliebt sind.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler