Zum 40. Mal – Freiluft-Jazzfest in der Burg

Burgthanner Jazz- und Kulturverein hat Grund zum Feiern

Thilo Wolf (am Klavier) und Norbert Nagel (Saxofon) sind beim runden Jazz-Burgfest wieder mit von der Partie. | Foto: Spandler2018/04/Thilo-Wolf3.jpg

BURGTHANN – Ein rundes Jubiläum steht beim Jazz- und Kulturverein in Burgthann dieses Jahr an: Der Verein selber hat zwar nur einen Schnapszahl-Geburtstag und wird 33 Jahre alt, das beliebte Burgfest aber, das dreitägige Highlight im „Dschässer“-Jahr, findet heuer bereits zum 40. Mal statt.

Für die Verantwortlichen Grund genug, dieses besondere Jubiläum herauszustellen, gebührend zu feiern und zurückzublicken auf die Anfänge – auch darauf, wie es zu der Verschiebung zwischen Vereinsgründung und der Burgfest-Tradition gekommen ist.

Erster Vorsitzender Helmuth Steinmetz ist einer, der von Anfang an dabei war, Olaf Forkel ist der im Vorstand, der das Programm macht. Beide erinnern sich an etliche Stationen in der langen Zeit, schauen auf die Entwicklung, die die Einrichtung genommen hat, zurück und auf so manches Highlight oder Andekdötchen.

Helmuth Steinmetz (links), erster Vorsitzender des Jazz- und Kulturvereins, und Olaf Forkel, Vorstandsmitglied und Programm-Macher des Vereins. | Foto: Spandler2018/04/Burgthann-Olaf_Helmuth-Kopie.jpg

Entwickelt hat sich der Verein wie viele andere aus einer Privat-Initiative. 1979 wurde Helmuth Steinmetz zusammen mit anderen durch Zufall Bewohner der altehrwürdigen Burg Burgthann. Wo sich heute Räume des Burgmuseums befinden. Gleich neben dem Turm lebte der Musik-Fan in dem alten Gemäuer, das damals noch in amerikanischer Hand war. Andere junge Leute hatten das sogenannte Hexenhäusle und die Räume über der Kapelle bezogen. Gemeinsam saß man oft im Burghof und träumte davon, an diesem idyllischen Ort ein Musikfest zu veranstalten.

Und unkompliziert wie die Jazzer damals schon waren, wurde die erste Freiluft-Veranstaltung dieser Art organisiert, zunächst einmal nur für einen Tag, aber schon wie heute mit Bier und Bratwurst, damit es einen kleinen Erlös gab, mit dem man die Künstler – darunter damals auch eine Kindertheatergruppe – bezahlte. Musikgruppen der ersten Stunde waren Marizikosch und die NC Brown Blues Band, Kapellen, die es im übrigen danach im Laufe der Jahrzehnte immer wieder in die Burg zog.

Immer größer und beliebter

Von Jahr zu Jahr wurde das 1979 gegründete Festival größer, bekannter und beliebter, bis eines Tages klar war: Privatleute konnten das nicht mehr stemmen. Folglich wurde die Vereinsgründung in Angriff genommen, die 1985 mit 13 Mitgliedern über die Bühne ging, seit diesem Jahr ist Steinmetz der erste Vorsitzende.

Wenige Jahre später stieß Olaf Forkel dazu, der dem Verein 1993 beitrat und sich seit fünf Jahren, nach dem plötzlichen Tod des Programm-Managers Ferdl Müller, um die Engagements der Musiker kümmert. Die kommen gern aus der näheren Umgebung, aber auch aus Übersee und besonders häufig aus den Jazz-Hochburgen in Teschechien, Polen und der Slowakei. Mehr als nur „geschäftliche“ Beziehungen sind dabei über die Jahre entstanden, viele der Künstler sind echte Freunde geworden und kommen regelmäßig bei ihren Touren in Burgthann vorbei.

Helmuth Steinmetz nennt hier den slowakischen Trompeter Laco Deczi, der lange schon in New York lebt und zu dessen 80. Geburtstag er erst vor wenigen Wochen in Prag eingeladen war, den Kontrabassisten Frantisek Uhlir, den Drummer Josef Vejvoda oder den Pianisten und Bandleader Milan Svoboda mit seinen verschiedenen Formationen.

Aber auch an die regionalen Größen ist hier zu denken wie an die Truppe der NC Brown Band, den Soulmaster Rudi Madsius, den Pianisten Dieter Köhnlein und Saxofonspieler Norbert Nagel. Nicht zu vergessen ist hier natürlich die belgische New Orleans Train Jazzband, die jedes Jahr an Himmfahrt zum „Vatertagsausflug“ anreist. Die Liste ließe sich noch unendlich fortsetzen.

Die Qualität der Bands, aber auch die Tatsache, dass der Jazzverein sich um das Genre Jazz im allerweitesten Sinn kümmert, also auch gern mal Blueser, Folk-Musiker, experimentierfreudige Künstler oder klassische Rocker einlädt, und natürlich das romantische Ambiente in der Burg haben den Veranstaltern einen sehr hohen Bekanntheitsgrad in der Musikszene verschafft, stellt Forkel fest. Was sich darin äußert, dass nicht die Burgthanner den Musikern hinterherlaufen müssen, damit sie in die Burg kommen, sondern dass ungekehrt die Künstler fragen, wann sie denn mal in Burgthann spielen könnten.

„Das macht es schon schwieriger“, findet der Programm-Macher, der an die 20 Gruppen im Jahr unter Vertrag nimmt, während sich 80 bis 100 bewerben. „Und die lokalen wollen wir ja auch nicht vergessen“, versichert er. Da fällt die Auswahl mitunter schwer.

Gemeinsame Unternehmungen

Dass die „Dschässer“ um den Vorstand, zum Teil auch langjährige, treue Mitglieder und Helfer, bei allen Veranstaltungen mehr als nur eine Interessensgemeinschaft bilden, zeigen die häufigen Aktivitäten, die über den Verein hinausgehen. „Familiär“ klingt ein wenig banal, trifft den Charakter und Umgang der Burgthanner Musikfreunde untereinander aber am besten. Da gab und gibt es jährliche Fahrradausflüge, Konzerttrips in die Jazzkeller von Prag, die traditionelle Veranstaltung auf dem Burgvorplatz an Himmelfahrt, ein bis zweimal im Jahr ein Frühschoppen mit Musik.

Unvergessene Erlebnisse reihen die beiden Vorstände aneinander. Das beginnt mit den Musikern, die in den 80ern aus der damaligen Tschechoslowakei mit dem kleinen Skoda anreisten und im Burghof angekommen erst einmal den Kofferraum aufmachten, um ihr Pilsner Urquell auszuladen, und hört mit der denkwürdigen Veranstaltung des genialen US-Saxofonisten Archie Shepp noch lange nicht auf. Mehr als des gesamten Vorstands bedurfte es damals, den Musiker, der sich an verschiedenen „Energiequellen“ gelabt hatte, dazu zu bewegen, doch noch aufzutreten, nachdem der übervolle Keller länger als eine Stunde auf das Erscheinen des Ausnahmemusikers gewartet hatte.

Als er dann aber zu spielen geruhte, seltsamerweise mit einer Pelzmütze auf dem Kopf, waren alle Mühen vergessen und das Publikum tobte. Nicht mehr an einer Hand abzählen kann man auch die Freiluft-Gigs, bei denen wegen eines sommerlichen Gewittersturms die Gläser von den Tischen gefegt wurden und die Elektro-Instrumente schnell in den schützenden Rittersaal verfrachtet werden mussten.

Vom 29. Juni bis zum 1. Juli steigt heuer das 40. Jazz-Burgfest, das nicht mit dem Burgfest der Fördergemeinschaft Burg Burgthann verwechselt werden darf, das jährlich an gleicher Stelle aber einem anderen Wochenende stattfindet. Forkel und Steinmetz sind sich bewusst, dass die Unterstützung durch die Gemeinde Burgthann, den Burgverein, etliche Künstler wie den renommierten Thilo Wolf, der die Jazzer auch ideell fördert, eine unschätzbare Hilfe bei der Organisation der Veranstaltungen darstellt.

Natürlich steht das Programm für die drei Tage „Jazz und mehr“ längst. Freitagabends gibt es wie immer Jazz aus Tschechien, dieses Mal mit einer Sängerin aus England: die Victoria Klewin Band mit dem Adam Tvrdy Trio. Am Samstag kommen Hübscher-Hauber mit – auch nicht ganz unbekannten – Freunden, das Davide Petrocca & Armin Heizt Quartett mit ihren Swing-Gitarren und zum Abschluss das Thilo Wolf Quintett mit dem Saxer Norbert Nagel.

Der Sonntag beginnt mit Gypsy Swing vom Romeo Franz Ensemble mit Joe Bawelino, bevor die Lokalmatadoren des Sound Orchesters und des Baul Huhn Orchesters auftreten, am Abend kommen Fratermen und als krönender Abschluss einmal mehr Laco Deczi Celula aus New York.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler