Passend zur österlichen Botschaft:

„Auferstehung Christi“ strahlt in neuem Glanz

Am Sonntag wird das wertvolle Bild zum ersten Mal in seinem neuen Glanz der Kirchengemeinde vorgestellt: Restauratorin Anne Steiner und ihr Kollege Daniel Kummer (rechts) übergaben Pfarrer Volker Dörrich das Ölgemälde „Auferstehung Christi“. Zufall oder Gottes Hand? Währenddessen probte die Organistin für den Ostergottesdienst „Die Sonne geht auf, Christ ist erstanden“. | Foto: Julia Hornung2017/04/Oberferrieden-Kirche-Gemaelde-Auferstehung.jpg

OBERFERRIEDEN – Österliches Brauchtum hat viel mit Suchen und Finden zu tun. Etwas Wertvolles, noch dazu mit starkem Bezug zur christlichen Osterbotschaft, wurde bereits 2015 in der Marienkirche in Oberferrieden gefunden und ist seitdem Thema in der Kirchengemeinde: Das knapp 200 Jahre alte Ölgemälde „Auferstehung Christi“ von Christian Friedrich Fues, das sich jahrelang vor den Blicken der Gottesdienstbesucher verborgen hinter dem Altar befand, wurde durch Zufall entdeckt, wissenschaftlich untersucht, in einen historischen Zusammenhang gestellt und restauriert. Wenige Tage vor dem Osterfest, wurde es wieder an die Stelle gebracht, an der es sich wohl ursprünglich befand, denn es gehört nachweislich zum Inventar der Kirche. Selbstverständlich werden in der Festpredigt am Ostersonntag um 9 Uhr und nach dem Gottesdienst das Kunstwerk und seine Geschichte thematisiert und interpretiert.

Schuld war der Holzwurm, berichtet Pfarrer Volker Dörrich. Dem hat man zu verdanken, dass das Gemälde aus seinem Dornröschenschlaf geweckt wurde, weil dem Reinigungspersonal immer wieder Holzmehl hinter dem Altar auffiel, das aus dem befallenen Rahmen des betreffenden Bildes rieselte. Was tun? Dass ein so altes Bild nicht einfach mit der chemischen Keule behandelt werden konnte, war klar. Beim Landeskirchenamt riet man dazu, einen Konservator hinzuziehen, womit die Sache ins Rollen kam. Zum schonenden Abtöten der Schädlinge musste das Bild in die Stickstoffkammer im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg gebracht werden, wo es mehrere Wochen blieb, bis dem Holzwurm der Garaus gemacht worden war.

Danach hat sich Restauratorin Anne Steiner aus Wendelstein des Bildes angenommen und die schadhaften Stellen sowie den wertvollen originalen Rahmen professionell ausgebessert. Auch der Gemäldefirnis, die Schutzschicht über der eigentlichen Malerei, der im Lauf der Zeit die Farben verblassen ließ, wurde erneuert. Am Mittwoch wurde das Kunstwerk Pfarrer Volker Dörrich von Restauratorin Anne Steiner und ihrem Kollegen Daniel Kummer übergeben.

Dass es sich bei dem Urheber der Darstellung um keinen unbekannten Künstler handelt, stellte man fest, als man das Bild zur Restauration von der Wand nahm. Auf der Rückseite befand sich nämlich die Signatur „Fues“, die auf den Maler Christian Friedrich Fues hinweist, der um 1825/1826 das historische Rathaus in Nürnberg mit Porträts verdienter Nürnberger Stifter ausmalte.

„Unbedingt restaurieren“

In einschlägigen Lexika wird der Künstler gewürdigt, sein Todesjahr wird mit 1836 angegeben. Aus diesem Grund riet auch Rüdiger Scholz, der beim Kirchengemeindeamt Nürnberg für die Inventarisierung und Pflege kirchlichen Kunstguts zuständig ist, dazu, das Werk unbedingt zu restaurieren. Seiner Einschätzung nach könnte es zwischen 1825 und 1836, dem Todesjahr Fues‘, entstanden sein, wofür auch der klassizistische Malstil spricht.

Teil des Kirchenbestands

Dass es tatsächlich zum Bestand der Kirche gehört, beweist die Tatsache, dass es im Inventar der bayerischen Kunstdenkmäler von 1961 erwähnt ist. „Aufgrund dessen und angesichts der guten künstlerischen Qualität empfehle ich der Kirchengemeinde, das Auferstehungsgemälde wie von Frau Steiner angeboten restaurieren zu lassen“, schrieb der Kunsthistoriker im März vergangenen Jahres. Da konnte dann auch der Kirchenvorstand nicht mehr anders und genehmigte die Restaurierung, zumal das Landeskirchenamt die Aktion mit 1000 Euro bezuschusste. 4500 Euro hat die Instandsetzung insgesamt gekostet. Zum Wert des Bildes darf Restauratorin Steiner nichts sagen. Allerdings verweist sie auf eine Auktion in Köln im Jahr 2007, bei der ein Gemälde von Christian Friedrich Fues für 11.250 Euro den Besitzer wechselte.

Bleiben noch die Fragen, wieso die Darstellung in den letzten Jahren dieses Mauerblümchen-Dasein führen musste und ob sich vielleicht doch jemand daran erinnert, wo das Bild früher zu sehen war.

Befragungen älterer Gemeindemitglieder durch Pfarrerin Nicola Neitzel ergaben hierzu keine Erkenntnisse. Doch ein Gespräch mit dem ehemaligen Mesner Hans Meyer brachte die Nachforschungen ein wenig voran. Er war in den 70er Jahren Mitglied des Kirchenvorstands und erinnerte sich daran, dass der damalige Pfarrer Kowalski die Kirche umfangreich innen und außen renovieren ließ. Dazu musste sie 1980 komplett leer geräumt werden. In einer Scheune hinter dem Pfarrhaus waren viele Sachen eingelagert, bis 1981 die renovierte Kirche wieder ihre Pforten öffnete.

Beim Einräumen stieß Meyer in seiner Funktion als Mesner auch auf das Ölgemälde, erkannte, dass es sich dabei wohl um etwas Wertvolles handelte, das man nicht in einem Lager verkommen lassen sollte, und hängte es hinter dem Altar in der Kirche auf, wo es allerdings für die Kirchenbesucher nicht zu sehen war. Dort fristete es sein 35-jähriges Dasein, bis die Raumpflegerin Edeltraut Bauer Pfarrer Dörrich auf ihre Beobachtungen mit dem aktiven Holzwurm aufmerksam machte.

Klassizismus aus der Mode

Darüber, warum das mit den Maßen 145 mal 120 cm relativ große Bild bereits vor der Kirchenrenovierung 1980 nicht mehr in der Kirche hing, lässt sich nur spekulieren. Dörrich kann sich vorstellen, dass man mit dem Beginn der Jugendstilepoche zu Anfang des 20. Jahrhunderts die dramatische klassizistische Darstellung nicht mehr passend fand und sie irgendwann aus dem Blickfeld der Kirchenbesucher verschwinden ließ und sie irgendwo im Umfeld der Marienkirche, vielleicht in ihrem Glockenturm, aufbewahrte.
Inhaltlich nimmt der Maler Bezug auf das Matthäus-Evangelium, das auch Grundlage der Predigt am Ostersonntag ist. Der Evangelist erzählt als einziger Chronist des Auferstehungsgeschehens davon, dass das Grab Jesu von römischen Soldaten bewacht wurde, weil der Hohepriester sich sorgte, die Jünger könnten Jesu Leichnam stehlen und dann behaupten, er sei auferstanden, wie er es zu seinen Lebzeiten angekündigt hatte.
In der Schilderung des Künstlers Fues steht der eben auferstandene Christus auf seinem Sarkophag, die erschrockenen Soldaten wenden sich entsetzt von der strahlenden Lichtgestalt ab.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler