Porträt: Ramsi Ali aus Syrien auf bestem Weg zur Integration

Asylhelfer mit Fluchterfahrung

Einen Glücksfall für den Kindergarten, nennt Einrichtungsleiterin Ulrike Jahn (Mitte) den jungen Syrer (rechts hinten), und ein Glücksfall ist Ramsi Ali auch für den Asylhelferkreis, wie Dieter Murau (links) findet. | Foto: Spandler2017/03/ramsi.jpg

OBERFERRIEDEN – Familie, Beruf und Freunde – das alles musste der Syrer Ramsi Ali bei seiner Flucht aus der vom Bürgerkrieg verwüsteten Heimat zurücklassen. Über Umwege landete der Lehrer in einer Flüchtlingsunterkunft in Oberferrieden und hat es nun binnen weniger Monate geschafft, die deutsche Sprache zu lernen, sich nach der Anerkennung seines Asylantrags in einer kleinen Wohnung auf dem Land einzurichten und mittels diverser Jobs seinen Lebensunterhalt selber zu verdienen, um von staatlichen Stellen unabhängig zu sein.

Die kleine Erfolgsgeschichte des 31-Jährigen hat ganz sicher ein bisschen mit Glück zu tun. Weil er in einer Asyl-Unterkunft auf dem Land gelandet ist, wo sich ein ganz besonders engagierter Helferkreis gebildet hat und ihn fördert, wo es nur geht. Weil er mit dessen Hilfe auf Anhieb auf dem angespannten Wohnungsmarkt eine kleine Wohnung und gleich mehrere Teilzeitjobs gefunden hat. Dass er ein Musterbeispiel für Integration darstellt, ist aber auch auf seine Flexibilität und Disziplin zurückzuführen und auf den Willen, das Beste aus der Situation zu machen. So hat er sich nicht wie viele seiner Leidensgenossen darauf versteift, in der Großstadt sein Glück zu finden, sondern jede Gelegenheit beim Schopf gepackt, selbstständig und unabhängig zu werden – auch auf dem Land.

Morden an der Tagesordnung

Im Juni 2015 kam er über München und Zirndorf in die Oberferriedener Unterkunft, weil der IS in seiner kurdischen Heimatstadt Hasaka im Nordosten wütete und die Zerstörungen und das Morden in allernächster Nähe an der Tagesordnung waren. Seine Anerkennung als Flüchtling erhielt er bereits im Dezember 2015, da hatte er schon seine ersten Unterrichtseinheiten in Deutsch absolviert, die der Helferkreis in Oberferrieden auf freiwilliger Basis und mit großem Engagement anbot. Viele Asylsuchende waren wieder ausgestiegen, Ramsi hielt durch, was ihm den Einstieg in den obligatorischen Integrationskurs später bei der Volkshochschule erleichterte: Vier bis fünf Tage die Woche paukte er die fremde Sprache im Gemeindehaus in Oberferrieden und schloss anschließend bei der VHS das Sprachniveau B2 ab, den politischen Grundkurs, der nicht nur sprachliche Fähigkeiten, sondern auch soziale und politische Kompetenzen vermittelt.

Neben Fleiß und Beharrlichkeit hat Ramsi Ali viel dem Unterstützerkreis zu verdanken. Mechthild und Dieter Murau zum Beispiel zählen die Stunden und wohl auch die Euro nicht, die sie investieren, wenn es darum geht, ihren Schützlingen eines der Hindernisse auf ihrem steinigen Weg zur Integration zu beseitigen. Sie waren es, die die Zwei-Zimmer-Wohnung in Ezelsdorf klar machten, deren Vermieter ebenfalls ein Mensch mit Fluchterfahrung ist.

Nebenjob im Gasthaus

Und als die beiden Unterstützer aus Oberferrieden in der Flüchtlings-Unterkunft fragten, wer dort einziehen würde, war Ramsi der einzige, der sich dazu bereit erklärte. Die anderen hätten eher ein Quartier in Nürnberg bevorzugt.

Ein Glücksfall für Ramsi war hier auch die Tatsache, dass gegenüber seines neuen Zuhauses Nici Biber, ein Mitglied des Unterstützerkreises, wohnt und ihm immer wieder mit Rat und Tat zur Seite steht.

Zunächst übernahm das Job-Center die Miete, da Ali nach der Anerkennung Alg-II- Empfänger war. Für den ehrgeizigen jungen Mann war dies allerdings eine Lösung, die auf Dauer nicht akzeptabel war. Die 420 Euro monatlich plus Strom-Pauschale wollte er selber aufbringen können. Im Gasthof „Weißer Löwe“ in Oberferrieden hatte er schon länger einen Nebenjob, Besitzer Björn Reese gab dem Syrer eine Chance und hat es nicht bereut. Am gleichen Strang zieht der Diakonieverein Oberferrieden, dessen erster Vorsitzender, Oberferriedens Pfarrer Volker Dörrich, dem Lehrer eine Halbtagsstelle einrichtete, durch die der 31-Jährige in den Kindergärten in Oberferrieden und Ezelsdorf mit den Kindern arbeiten darf.

Arabisch und kurdisch

Besonders „wertvoll“ bezeichnet ihn seine Chefin Ulrike Jahn, die Leiterin des Kindergartens Ezelmäuse in Ezeldorf, aus verschiedenen Gründen. Erstens sind männliche Mitarbeiter besonders begehrt, weil das Personal in den Kitas zum überwiegenden Teil weiblich ist. Noch schwerer wiegt aber seine Fähigkeit, sich mit den aktuell vier Kindern der Flüchtlingsfamilien bzw. ihren Eltern auf Arabisch und Kurdisch zu unterhalten und hier immer wieder als vermittelnder Dolmetscher zu fungieren.

Am allerwichtigsten jedoch ist seine Gabe, mit Kindern umzugehen, und da punktet der gelernte Lehrer ersichtlich bei allen Kindern, unabhängig von der Herkunft. Drittes Standbein des fleißigen jungen Mannes – „Er ist einer der Sympathischsten, mit denen wir je zu tun hatten“, (Dieter Murau) – wird ein Arabisch-Kurs in der Volkshochschule sein, der am 23. März in der Mittelschule in Burgthann beginnt. Selbstverständlich ist es für den Flüchtling außerdem, dass er die Dolmetscher-Rolle übernimmt, wenn es um Behördengänge geht, bei denen die Mitglieder des Asylhelferkreises überfordert sind, weil sie kein Arabisch bzw. Kurdisch sprechen, und die Neuankömmlinge ebenso, weil sie des Deutschen noch nicht mächtig sind.

Da wundert es wenig, wenn die Mitglieder des Helferteams finden: „Er ist jetzt schon ein vollwertiges Mitglied unseres Unterstützerkreises.“

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler