„Frankenphila“ in Röthenbach

Briefmarken erzählen Geschichten

Neben der Wettkampfausstellung gab auch eine Kauf- und Tauschbörse. | Foto: Brinek2017/11/briefmarken-postkarten.jpg

RÖTHENBACH — Es war das besondere Verdienst der drei Briefmarkenvereine aus der Region, eine Briefmarken- und Postkartenausstellung zu organisieren, wie sie der Landkreis noch nie gesehen hat: Auf rund 150 Stellwänden zeigten die Sammler aus ganz Deutschland in der Röthenbacher Karl-Diehl-Halle über 8000 Einzelstücke. Daneben gab es Sonderschauen zu Dürer, Vorphila Eichstätt, Luther, Meteoriten und historischen Ansichtskarten aus der Umgebung.

Für die Mitglieder des Vereins Briefmarken- und Münzfreunde Lauf und Umgebung, des Philatelisten-Klubs 1892 Nürnberg e.V. und der ARGE Thematische Philatelie Bayern aus Altdorf war es eine enorme Herausforderung, eine so umfangreiche und hochkarätige Ausstellung, eine sogenannte Rang-3-Ausstellung (die größte Schau in ganz Süddeutschland) zu organisieren. Veranstaltungsleiter Andreas Ellner aus Rückersdorf und Ausstellungsleiter Klaus-Peter Binanzer, Altdorf, erklärten vor der offiziellen Eröffnung übereinstimmend: „Von unserer Seite aus haben wir alles getan, um eine besondere philatelistische Ausstellung in das Nürnberger Land zu bringen. Wir denken, es ist uns gelungen!“

Das bestätigten ihnen in ihren Grußworten auch Klaus Hacker, Röthenbachs Bürgermeister, und Landrat Armin Kroder, die beide von der Fülle der Exponate überrascht waren und daran erinnerten, dass man hier aufgrund der ausgestellten Philatelie bestens geschichtliche Ereignisse verfolgen könne.

Schirmherr Klaus Hacker, Landrat Armin Kroder, Ludwig Gambert, Landesvorsitzender, Andreas Ellner, Klaus-Peter Binanzer vor der Themen-Tafel mit Lokalbezug: „Die Entwicklung Röthenbachs in Postkarten“. | Foto: Brinek2017/11/briefmarken-mit-landrat.jpg

Bei Besuchern aus der Region, aber auch aus ganz Deutschland kam die Frankenphila 2017 sehr gut an. Großes Lob gab es für die Veranstalter und nicht nur leidenschaftliche Sammler, sondern auch Laien kamen in Röthenbach voll auf ihre Kosten.

Der Laie stellt sich unter einer Briefmarkenausstellung hauptsächlich eine Tausch- und Handelsbörse vor. In Röthenbach gab es dies zwar auch, aber der Hauptzweck der Veranstaltung war eine Wettbewerbs­ausstellung, bei der 57 Aussteller auf den vorbereiteten Stellwänden philatelistische Sammlungen zu bestimmten Themen zeigten.

Luftpost und Ländersammlung

Wände mit ausgesuchten Exponaten wie Briefmarken, Postkarten, Schriftstücke oder Umschläge aus den Bereichen Luftpost, Ansichtskarten, Thematik, Open Philately, Postgeschichte oder Ländersammlungen kämpften um eine Prämierung. Jedes Blatt auf den Tafeln musste der Autor beschriften und erläutern, warum er diese Zusammenstellung gewählt hatte.

Mehrere Jurys bewerteten die aufwändigen Sammlungen und verliehen die Preise. Wer von den 100 möglichen Punkten über 90 erreicht hatte, erhielt eine Auszeichnung und darf bei einer der nächsten Rang-2-Ausstellung (auf nationaler Ebene) mitmachen.

Wie interessant eine solche Sammlung sein kann, zeigten beispielhaft die Exponate von Rüdiger Fritz, der sich das Thema „Athen 1896 – erste Olympische Spiel der Neuzeit“ vorgenommen hatte. Dabei präsentierte er in seiner Schau Originalbriefe von Pierre de Coubertin, der für eine Wiederbelebung der Olympischen Spiele der Neuzeit eintrat.

Anhand von 72 Blättern dokumentierte er die Entwicklung der Idee zu neuen Spielen. Briefe, Briefmarken, Dokumente, Eintrittskarten, Zeitungsausschnitte und Medaillen hatte er zusammengetragen, um zu zeigen, wie damals alles entstanden ist. „Ich habe über 30 Jahre gesammelt und fast vier Jahre für die Zusammenstellung gebraucht, ich denke, es ist gelungen“, resümierte Fritz.

Interessant ist auch, dass der Deutsche Albert Meyer damals der offizielle Olympiafotograf war. Seine Fotografien auf den Tafeln von Wettkämpfern und Offiziellen haben heute historischen Wert. „Man darf bei diesem Wettbewerb nichts behaupten, man muss alles mit Exponaten belegen“, so Fritz weiter – und das ist ihm vorbildlich gelungen.

N-Land Hans Brinek
Hans Brinek