Population explodiert

Borkenkäfer machen keine Ferien

Revierleiter Elmar Schmidtmeyer, Forstunternehmer Roland Köhler und der Forstamts-Abteilungsleiter Steffen Taeger diskutieren die weitere Fällung in Unterkrumbach. | Foto: AELF Roth2018/08/borkenkafer-unterkrumbach-elmar-schmidtmeyer-roland-kohler-steffen-taeger-Foto-AELF.jpg

NÜRNBERGER Land — „Leider machen die Borkenkäfer keine Sommerferien, im Gegenteil, die legen jetzt bei der Hitze erst so richtig los“. Dies sagt zuständige Abteilungsleiter Steffen Taeger vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth. Alle Waldbesitzer sind deshalb dringend dazu aufgerufen, ihre Fichtenbestände jetzt mindestens wöchentlich zu kontrollieren.

Die Hitzewelle trifft die Wälder des Nürnberger Landes zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, wissen die Förster: Die Wasservorräte der Waldböden sind durch die Trockenheit der vergangenen Wochen und Monate erschöpft, die Bäume gestresst.

Im Gegensatz dazu waren die Bedingungen für den Borkenkäfer perfekt. Der derzeit wohl gefährlichste Fichtenschädling konnte sich ideal und oftmals unbemerkt vermehren und bedroht nun im gesamten Nürnberger Land Fichtenbestände. Taeger erklärt: „Wir können die Kontrolle nicht übernehmen, weder ist es unsere Aufgabe, noch wären wir dazu personell in der Lage“. Deshalb der Appell an die Waldbauern.

Sollte Bohrmehl am Stammfuß von Fichten gefunden werden, muss schnellstens gehandelt werden. „Wird Borkenkäferbefall im Nachbarwald bemerkt, bitte auch gleich direkt den betroffenen Waldbesitzer informieren, damit kann wertvolle Zeit gespart werden“, so der Sprechder des Landwirtschaftsamtes Die Beseitigung der befallenen Bäume und Hölzer ist die einzige Möglichkeit eine Massenvermehrung zu stoppen und zudem gesetzliche Verpflichtung der Waldbesitzer.

Die Rinde der befallenen Fichten ist auf der Innenseite mit markanten Mustern „bedruckt“ – das typische Fraßbild des Buchdruckers – dem gefährlichen Fichtenborkenkäfer. | Foto: AELF Roth2018/08/borkenkafer-unterkrumbach-frassbild-des-buchdruckers-Foto-AELF-roth.jpg

Ein Blick in den Landkreis zeigt die aktuelle Bedrohung: Ezelsdorf bei Burgthann: Der zuständige Revierleiter Klaus Oblinger steht auf einer frisch geschlagenen Lichtung innerhalb eines Fichtenwaldes, am Wegrand liegen die Stämme aufgetürmt. „Obwohl die Fichten noch grün aussahen, war an 30 Stämmen Bohrmehl zu finden, die mussten wir schleunigst entnehmen (fällen).“ Danach ist die Gefahr für die Nachbarfichten allerdings noch nicht gebannt.

In Unterkrumbach berät Revierleiter Schmidtmeyer einen betroffenen Waldbesitzer, der in der gleichen Lage ist. Hier sind es gleich 50 befallene Fichten: „Jetzt muss das Holz zügig aus dem Wald. Das Zeitfenster ist klein, uns bleiben meist nur zwei bis drei Wochen.“

Einzelfall ist wichtig

Genaueres lässt sich vom Experten nur im Einzelfall sagen, hierbei ist die Entwicklungssituation der Käfer unter der Rinde entscheidend. Ist die nächste Generation der Jungkäfer bereits fertig entwickelt wird es kritisch.

So ist es auch in Lauf, wo am Bitterbach gerade Fichten gefällt werden.
Im besten Fall geht das Holz direkt ins Sägewerk, notfalls muss es extra 500 Meter entfernt von anderen Fichtenwäldern gelagert werden. Klappt beides nicht, muss das gelagerte Holz als letztes Mittel gespritzt werden.

Professionelle Beratung und Hilfe finden betroffene Waldbesitzer bei den Forstrevieren des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth und bei der Forstbetriebsgemeinschaft Nürnberger Land. Detailinformationen zum Borkenkäfer und einen aktuellen Überblick über die regionale Gefährdungslage gibt es dazu laufend unter www.borkenkaefer.org im Internet.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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